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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-25 · Heft 76 (25.6.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 76 (25.6.1839)
Date
1839-06-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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III. Jahrgang. 3-114$ 111t H 1t C No. fß. Zeitung des Zudenthums. . Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächfilckur aüergnä'digfter Corrcefiton.) Leipzig, den 25. Juni 1839: ZeitANHsn schlechten. Paris, 7. Juni. (Prkvatmktth.) Unter denen, welche bei-der letzten Emeute am ehesten die Waffen zur Vertheidigung der Ordnung und des Gesetzes ergriffen, bemerkte man viele Israeliten. Auch den bekannten'Schriftsteller S. Cahen erblickte man unter ihnen, trotz dem daß dessen Häuslichkeit in dem siebenten Arrondissement von den Aufrührern gefährdet war, und der Hof des Gebäudes einem Feldlager glich. — ' \ Ihre Artikel über das Haus Rothschild sind hier mit dem größten Beifall ausgenommen worden, und einige Tagesblatter richten selbst die öffentliche Aufmerksamkeit darauf. Mau sieht sie als ein bedeutsames Zeichen an, daß das innere Bestreben, die ganze Tendenz der israelitischen Glaubensgenossen eine andere, jenem widerstrebende ist , und die Achtung vor dm deutschen Israeliten steigt von Tage. zu Tage. Ja, der Einfluß jenes kolossalen Hauses für den Fortschritt im Judenthume ist Null. Eine Bemerkung des Siecle vom 7. Mai, bei Gelegenheit der Londoner Judenmissionssitzung, wird Ihnen nicht unangenehm sein: „Bei uns bekehrt man die Juden nicht; darum,, dürfen wir sagen, giebt es auch keine Juden mehr in Frankreich, sondern allein französische Bürger vom mosaischen Glauben! Paris, 8. Juni. (Schreiben des Hm. Jean Ezynski, Verf. des R«i des.paysans, an die Redaktion.). Ich habe so eben einige Nummern der AUg. Zeit, des Judenthums gelesen, in denen Sie mit Wohlwollen von meiner letzten Arbeit sprechen: Le Roi des paysans. Der Zweck, den ich mir in diesem Werke setzte, ist teilweise erreicht. Ich wollte die Aufmerksamkeit gewissenhafter Männer auf den traurigen Zustand der Israeliten in Polen lenken. Ihr geschätztes Journal beweist mir, daß meine Anstrengungen? unfruchtbar gewesen. '" "Als ich von der großen Anzahl Israeliten, in Polen sprach, erlaubte ich mir zu bemerken, daß deren ungefähr 3 Millionen sind. Sie haben Ihren Zweifel hierüber zu erkennen gegeben. Gestatten Sie mir meine Angabe zu bekräftigen. Nach dem statistischen Gemälde des Herrn Grafen Stanislas Plater zählte im Jahre 1772 Polen : 8,560,000 Römisch - Katholische, 3,740,000 Griechisch - Katholische, 3,430,000 Orientälisch-Griechische, 180,000 Naskolnieks, 2,150,000 Protestanten, 2,110,000 Juden, 50,000 Muselmänner. Dies war der Bevölkerungsbeständ vor 66 Jahren. Sie wissen > daß diese Bevölkerung nur wachsen konnte, da die Israeliten keinen Thei'l an den Kriegen und Umwälzungen genommen, welche die Polen decimirten. Dieser Anwachs muß-sogar bedeutend sein, denn die israelitischen Bevölkerungen sind unglücklich, und -die Armen habM stets mehr Kinder als. die Reichen, - ohne zu rechnen, daß die Juden bei frühzeitiger Verheirathung immer eine zahlreiche Familie haben. Vor Allem aber'besteht ein Umstands der beweist, daß meine Angabe nicht übertrieben ist.' Der Graf von Plater basirte seine Zahlen auf offizielle Dokumente, aber die Israeliten in den Provinzen, welche dem alten Polen angehörten, sei es aus Vorurtheil, sei es aus dem Wunsche, die persönlichen Lasten zu vermeiden, machen alle erdenklichen Anstrengungen, um die neugeborenen Kinder der Controls der Behörden zu entziehen. Aber selbst zugegeben, daß ich irre, daß.es keine drei Millionen, daß es nur zwei Millionen Juden in Polen gäbe*), verdient diese enorme Masse nicht die Aufmerksamkeit aller Menschenfreunde? Besonders wenU man sich erinnert, daß sie keine liegende Gründe besitzen, die Hauptquartiere der Städte nicht bewohnen können, daß sie Leibzoll bezahlen, und einen größer», als die Thiere? Sie haben wahrlich eine gute Handlung verrichtet, indem Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf den Zustand der polnischen Juden lenkten, die ich als meine Brüder ansehe, wenn ich auch nicht ihr Glaubensgenosse bkn^ Es ist mir geglückt, Vorurtheile, die man in Frankreich gegen siel hegte, zu verscheuchen, meine desfallsigen Schriften wurden mit Wohlwollen ausgenommen, und die Tagespresse, besser unterrichtet nunmehr, - hat ihre Sprache über sie geändert. Der berühmte Lafayette bildete auf mein Verlangen, ein Konnte zur allgemeinen Emancipirung der Juden. Ich rechne dies Resultat nicht meinen Mitteln zu, wohl aber daß die Sache, die ich erfaßt, gerecht uno schön ist: "Was wird daher^ nickt gewonnen werden, - wenn Israeliten selbst auf ihre Glaubensbrüder wirken, und sie geistig aufbauen? Wenn wir schon einigen Erfolg erlangten, ohne Kenntniß *)-Unscre Zweifel werden dadurch ausgeglichen, daß Herr CzynSki das alte Polen, wir das jetzige im Sinne hatten. ' ■' Redakt. *•) Dies'schreibt sich freilich Alles äu6 dem alten Polenstaate her — warum gab es damals keine CzynSkl's? Redakn

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