Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 74 (20.6.1839)
- Date
- 1839-06-20
- Page
- Seite 299 (sequence 3)
- Language
- German
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299 uns hier nicht.' Uns beschäftigt lediglich die unsaubre Gesellschaft, die man unserm Glauben zugeoacht hat, und die wir mit Entrüstung von ihm abweisen. Gehört der H. Recens. zu jener, vor Kurzem noch, im Glanze einer seinen Dialektik schimmernden Theologie, die lieber an Plato und das Heidenthum, als an das unpoetische Judenthum, an das abstrakte Element des alten Bundes, wie man es bezeichnet, anknüpfen wollte: so hätte er das Heidenthum doch lieber allein nennen, und das Judenthum nicht dadurch in seiner Art zu Ehren bringen sollen, daß er es mit jenem, auf gleiche Ebne, dem Ehristenthume gegenüber, stellt. In diesem Falle sänke ja jene Religion des „Sklavensinnes" wie unser Herr Recens. sich über das Ju. denthum auszudrücken beliebt/ tief unter das Niveau des, Heidenthums und hatte mit ihm nichts gemein, eben so wenig, als ein einsamer, unfruchtbarer Gedanke, ein Hapaxlegomenon, ein steriles Abstractum, mit einer prägnanten Idee aus den Conceptionen eines Plato, die in gerade fortlaufender Descendenz in jenes dialektische Chcistenthum übergegangen sein soll. Gehörte der Herr Recenfent aber nicht zu jener Schule, oder wäre es eine höchst divergirende FractioN derselben, so ist jener Parallelismus noch weniger begreiflich. Der alte prosaische Rationalismus, .der nur kümmerlich Ln einem verschrumpften Residuum Ln Heidelberg fort vegetirt, kennt diesen Gegensatz eben so wenig, als jene Parallele; und der noch ältere strenge Dogmatismus würde den Frevel einer-derartigen Gleichstellung gewaltig perhorresciren, denn dieser ist es ja eben, dem der Herr Recensent mit jener Parallele entgegen tritt. Der Herr Recensent mag nun seinerseits aus dem Ehristenthume machen, was er verantworten zu können glaubt: mit dem Juden thume soll er sich nicht bemühen. Er mag es gerne, wie er es nach dem Heidenthume nennt,' auch noch eine, zwei, oder so viele Stufen er immer will, unter dasselbe hinunter setzen. Nur dann, wenn er von seinem Standpunkte aus also verfahrt, ist er mit sich in Uebereinstimmung; glaubt er aber vielleicht, dem alten Knaben noch einige Rücksicht schuldig zu^sein, und ihm mindestens die Ehre anthun zu müssen, ihm einen Sessel neben dem Heidenthume zu setzen, so erklären wir uns, als Anhänger jenes Judenthums, gegen dieses Herrn Theologen Absicht, und lehnen diese Ehre eben so bescheiden als entschieden ab. Denn das alte Judenthum halt was auf Offenbarung, und sieht sich vernichtet und geschändet ohne sie. Es ist aus ihr hervorgegangen, wie der Baum aus seinem Keime, und steht auf ihr, wie ein Baum auf'seiner Wurzel. — . Wir ehren die Ueberzeugung des Herrn Reccnsenten, der die Religion, welche er vertritt „der Religion nach der Idee, der schlechthin so zu nennenden" gleich setzt. Das Judenthum aber ist nun einmal durchaus keine derartige Religion; es sucht und hat seinen Keimpunct ganz außerhalb der Idee; und dieß wollen wir hier'etwas näher erörtern. ,^Die Religion nach der Jdee^ bezeichnet nach dem Recensenten eine Religion mit ganz eignen Charakteren. Einmal wird damit, wie es im Texte ausdrücklich heißt, das Erhabene angedeutet. Die Idee ist ein vornehmes Wort, und was nach ihr (secundum ideam) da ist, ihr sichtbares Gegen- und Abbild-^ihr leibhafter Ausdruck, muß begreiflich eben so vortrefflich sein. Denn die Ideen — sagt der Platonismus sind ewige Urbilder der sichtbaren Nachbilder; sind die Vorbilder im göttlichen Verstände zu .den Nachbildern in der, mehr oder weniger, ungöttlichen Materie. Daß es aber solche wesen hafte Ideen gebe, ist eine Entdeckung Plato's, ein Ergebniß seines Forschens über die Natur der Dinge. Er bediente sich dieses seines Begriffes, um die Erscheinungen dieser Welt, und ihre Vollkommenheiten, wie ihre Unvollkommenheiten, zu erklären. Die Ideen nämlich waren ihm die Urbilder in einer bildenden, schöpferischen Natur, in einer großen Seele des großen Weltalls. — Esmußte ja dem Räumlichen ein Geistiges entsprechen, .und ein großes Thier eine eben so große Seele, haben, nämlich groß, sofern dieß von geistigen Dingen gelten mag, etwa groß in der Art, der Vollkommenheit. — Solche Ideen setzten nun Plato und seine Anhänger voraus, und ließen dieselben als Musterbilder, gewissermaßen als Muster und Patronen zu den gebildeten Weltwesen oben im Himmel, im plastischen Weltgerüste fortbestehen. Was nun nach dieser Idee ans Tageslicht geboren ward, entweder ein wirkliches Wesen, oder ein Thun dieses Wesens, oder ein Wissen desselben, entsprach niemals ganz und gar derselben. Schon durch das bloße Erscheinen ward dem Abbilde ein größerer oder geringerer Mangel, eine Unvollkommenheit beigegeben. Es blieb das Abbild hinter dem Vorbild zurück. Der Maler Conti spricht dies Verhaltniß in der Emilie Galotti folgendermaßen aus: Der Maler müsse fein Bild also malen, wie es „die plastische Natur — falls es eine solche giebt — sich dachte" falls es eine solche giebt, setzt der große Autor vorsichtig hinzu. — Unser Recensent ist nun über diese Bedenklichkeit hinweg, und stellt uns seine Religion als eine „nach der Idee" dar, d. h. eine solche, die einem Platonischen, oder Recensentkschen Ideale ganz nahe kommt, und-vermöge dieses Gepräges mit der Idee über die abgeschmackte Frage nach der Offenbarung erhaben genug ist, um diese als überflüssig'ganz und gar zu beseitigen. Es mag nun aber derartige Urbilder, oder Platoni-