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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-20 · Heft 74 (20.6.1839) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 74 (20.6.1839)
Date
1839-06-20
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
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298 von der Lehrfreiheit des Katheders wohl zu würdigen, hier aber gilt es ja. Gesinnungen, die Millionen betreffen, und eine freie Aeußerung gestattet auch eine freie Rüge. Es hat nämlich kürzlich ein sonst gediegen. gebildeter. Mann, der Prof, vr.jur. P., als er im deutschen Privatrecht auf die Zuden zu sprechen kam, also begonnen: '„die Juden stehen, wie man aus den meisten ihrer theologischen Schriften ersehen kann, dem Christenthum schroff und feindlich gegenüber; eine bürgerliche Gleichstellung derselben ist daher um so weniger zulässig, da sie uns völlig fremd sind (!!). Wenn man ihnen bisher mehr Freiheiten eingeräumt hat, so hat man sich hierbei von einer falschen (!!) Humanität und von der irrigen (!!) Ansicht leiten lassen, als haben alle Menschen gleiche Rechte." —- Um witzig zu sein, fügte er noch unter Anderm hinzu, „christliche Unterthanen würden aus purer Mißachtung einem jüdischen Beamten nicht den gebührenden Respekt zollen!" Fast dieselben Worte hat zwar schon Savigny in seinem Werkchen: „Beruf unserer Zeit zur Gesetzgebung" S. 175 niedergelegt —> aber sie vom Lehrstuhle herab entwickeln zu hören, das machte auf mich den herbsten Eindruck. - , A. F. stud. jur. —. Wir wollen allerdings weder den Vordernoch Nachsatz des Herrn Professor hier zu widerlegen würdigen, sein „Wenn" und sein „Daher" ihm überlassen, aber was sagt ihr dazu, ihr englischen Staatshelden, die ihr euer Leben, daran gesetzt, den Sklaven die Ketten zu zerbrechen, daß ein deutscher Professor euch eure Humanität als falsch, eure Ansi'cht'als irrig vorwkrft und verwirft? Gewiß hat her Herr Prof, noch eine ganz besondere Entdeckung für sich behalten,, welche nämlich die rechte Humanität sei — aber wir sind nicht einmal begierig danach, und ein Patent braucht er nicht darauf zu lösen, denn Niemand wird sie ihm nachmachen wollen. Gut ist es, daß dieser Herr den Professor- und Doktortitel auf sein ju8 hat, sonst könnte er es wol schwerlich dokumentiren. Ja, Herder, .deine Briefe über Humanität sind längst veraltet; jetzt haben wir Männer, die eine andre Humanität erfunden haben, und das sind ganze Kerle! —- Gottlob aber, daß von den deutschen Lehrstühlen bis zum Leben stets ein so großer Abstand war, und daß, während dieses immer mehr von Humanität durchdrungen wird, nur jene sich immer mehr davon isoliren,.um etwas recht Absonderliches zu haben. Magdeburg, 9. Juni. Das Frankfurter Journal No. 147 enthalt eine Entgegnung auf unsere Erläuterung seines früher» Artikels in No. 58. Dieselbe ist ruhig gehal-. len, und giebt nichts Neues, als daß bei jener Frankfurter Versammlung wegen der jüdisch -theologischen Fakultät die voy dem Wortführer der Talmudisten gestellte Forderung, daß. die zu wählenden Deputaten der Approbation des Rabb'inen unterliegen sollten, auch im Namen des Herrn von Rothschild geschehen sei. Nun, es ist bekannt,^ daß das Frankfurter Journal sonst wüthend gegen die Talmudisten einhaut, warum, nun doch die Herren v. R. vertheidigt?— Genug, wir. halten die Sache für abgethan, und in den Augen aller Vernünftigen und Einsichtigen entschieden. Wir haben das Unsrige gethan, und der Nimbus ist auch in diesem Bezüge im. Verschwinden. Der Erhitzung bedarf es von unsrer Seite nicht.mehr!. . . Hamburg, 5. Juni» (Privatmitth.). In Hamburg, wo keine criminalistische 'Statistiken bekannt gemacht, werden , hatte die Gemeinde, als sie am letzten Peßachfeste, wie gewöhnlich, bei allen Gefängnissen wegen Besorgung der Mazzot sich nach der Anzahl der darin befindlichen Israeliten erkundigte,' die Genugthuung zu erfahren, daß nur ein einziges jüdisches Individuum, und das wegen Trunkfrevels, darin war. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 9. Juni. Auf vielfaches Verlangen hat der Dr. Philippson die von ihm am 24. Mai zur Feier des WiedereinzugeS der Preußen in Magdeburg gehaltene Predigt dem Drucke übergeben, und da durch hinreichende Abnahme von Exemplaren durch einige Herren die .Druckkosten gedeckt wurden, so ist der ganze Ertrag der städtischen Kleinkin der-Bewahranstatt bestimmt. Zu beziehen durch die Creutz'sche Buchhandlung, Preis 2 V Sgr. Magdeburg, 9. Juni. An gekommen: Hebräische Wandfibel von David Schweizer. Von Hem Gedanken eines Volks Gottes und einer ^Offenbarung. Einige Bedenken über die Recension von Nitzsch's Systeme der christlichen Lehre, in der allgemeinen. Literaturzeitung No. 38 vom März 1838; soweit sie das Judenthum angeht, von Dr. Steinheim in Altona. 1. Der Herr Nitzsch hat dem. Herrn- Recensenten gar zu abgetragene Begriffe von Offenbarung und allem, was daraus fließt!.daher findet dieser auch gewichtiger seine allda aufgeworfene Frage, eine Frage, die zugleich ihre eigne Antwort sein soll; ob nicht die Lehre des Christenthums, auch ohne eben Offenbarung zu sein, so gleichsam durch sich selbst, und ohne, jenes äußerliche Attribut, durch ihre eigene Erhabenheit, als Religion x«? i'io/yrjv -den andern gegenüber dastänhe? — Andern; und was für-andern gegenüber? dem Heidenthum und dem Judenthum! — das ist nun die Parallele, die unser Bedenken erregt, und über die wir unser Mksfallen, so wie die Gründe desselben, dem unbekannten Herrn Recensenten wol mittheilen möchten. Was die Herren christlichen Theologen von dieser Erhabenheit welche der Herr Recensent der christlichen Religion an und für sich zuspricht, denken, und was insbesondre der Herr Nitzsch zu diesem etwas zweideutigen Complimente sagen dürste, ist uns zwar nicht gleichgiltkg, aber berührt

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