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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-20 · Heft 74 (20.6.1839) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 74 (20.6.1839)
Date
1839-06-20
Page
Seite 300 (sequence 4)
Language
German
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300 sche Ideen in dem wettordnenden — von wettschöpfenden Geiste kann > hier die Rede, nicht sein — Verstände geben oder nicht geben: soviel ist ausgemacht, daß wir sie fürs erste nur aus dem speculirenden Verstände Plato's und seiner Anhänger bis auf diesen Tag erhalten' haben und — wenn es uns beliebt — annehmen, oder verwerfen dürfen. Demnach wäre, um mit den Herrn Recens. zu sprechen —' eine Religion nach der Idee eine solche, wie sie weder er noch alle, die er zu Zeugen aufcuft, besser denken oder machen könnten. „Und wer — fragt er— der das Evangelium I. Eh. kennt und daneben mit der religiösen Geschichte des Heiden- und Iudenthums bekannt'ist, wird ihm diesen Vorzug streitig machen können?" — Recenftnten sehe ich, wie er sich nach dieser Frage triumphirmd umsieht;' sein Publicum fragend anblickt, und weil es beständig ein ideales d. h. im Recensenten selbst vorbildlich befindliches ist, ein allgemeines O, ja! vernimmt. Etwas aber müßte ein solcher Frager nicht verabsäumen! aber es könnten doch im Publicum sich einzelne befinden, die ihm nicht unbedingt Recht geben.'— Eins müßte er nicht verabsäumen — ein wenig Keckerluft und Rauch vom angezündeten Holzstoße mitzubringen, um seiner Frage etwas mehr Nachdruck zu geben. Denn, erklärt der Herr Necensent seine Religion für die, nach der Idee: so ist tausend gegen Eins zu wetten, daß eine ziemliche Menge Menschen sich auf der Opponenten Bank versammeln werde, - von denen jeder das Seine „nach der Idee" benennen und als das non xlü8 ultra des Vollkommnen anempfehlen werde. Und, wie sollte es auch nicht geschehen — da jedem das Seine das Liebste, das Beste ist. Und. diese Opponenten möchten zumeist grade aus dem Publicum hecvorgehen, an das Recensent eben jene Frage richtet; keinesweges aus dem, das gar nicht einmal gefragt wird, und zu dem der Verfasser gegenwärtiger Zeilen gehört; das gar nicht einmal gefragt zu werden braucht. — (Schluß folgt.) Belletristik. Salomomorgenländische Sage. In -eS heiligen Pallastes hohem riesengroßen Saal,' Wo sich an einander reihen Marmorsäulen ohne Zahl, Wo dey Boden und die Decke schmücken Gold und Edelstein, Sitzt der alte weise König auf dem Löwenthron — allein. Angethan mit allen Zeichen seiner Macht und Herrlichkeit, Edle Kraft in seinen Zügen, ungcfurcht von <Hvrg' und Leid, Halt er hoch mit beiden Händen einen Stab voll Kunst geschnitzt, So, daß er sein Haupt, das greise, auf den schlanken Stab gestützt. Dicht geschlossen sind die Augen, und geschloffen ist der Mund, Der noch jüngst in milden'Worten gab der Weisheit Rede kund; Nur in ehrfurchtsvoller Ferne bringt Bewunderung ihm dar Schweigend nahend, leise gehend, seines Volkes treue Schaar. Keiner wagt die heilge Stille zu entwöhn durch einen Laut Stummes Staunen fesselt Irden, der des Königs Antlitz schaut. Dessen allgewalt'gem Geiste, reich an Wissen, stark und groß, Folgen Genien und Dämonen, Menschen, Thiere, Willenlos. Und so sitzt er viele Stunden, doch in seiner Nähe weilt Keiner seiner treuen Räthe, der des Fürsten Sorge theilt. Keiner der vertrauten Freunde, dem er seine Huld gewährt. Keiner seiner ersten Diener, der zu lauschen ihm, begehrt. Ein Gemach halt sie versammelt alle ernst geheimnißvoll, Alle sinnen und erwägen, rathen, was geschehen soll, Und es fliehet Stund' an Stunde, doch noch fehlet der Entschluß, DaS dem Volke zu verkünden, was doch bald geschehen muß. Abend ward's und Nacht, und wieder kam der neue Morgen schon Doch noch immer saß der König ernst auf seinem Löwenthrvn Und von seinen Lippen tönte keine Rede^ kein Gebot, Saß er feit dem letzten Lage doch auf seinem Throne — todft Jedes Auge, das der Sonne lichte Strahlen in sich sog. Dessen Blick empor zur Größe einer Menschenscele flog, Schaute sinnend voll Verehrung auf die herrliche Gestalt, Die noch selbst als Leiche herrschte mit deS Lebens Allgewalt. Nur ein Holzwurm, blöden Blickes, in des MarkeS Nacht erzeugt, Wie ein Dämon der Zerstörung, der die Frnsterniß durchschleicht, Nagte durch deS Holzes Fasern blind geschäftig, nach und nach, Daß der Grab, des Königs Stütze, plötzlich morsch zusammen brach. Weh! da sank der edle Leichnam, daß die Krone fiel vom Haupt, Jammernd rief das Volk den Weisen, den des Todes Arm geraubt. Klagend fällte es den Tempel, den er seinem Gott geweiht — Ach mit SalomoniS Tode kam Judäaö Sterbrzrit. Berlin. Ludwig Liber. Redacteur; vr. L. Philippfon» Verlag von Baumgartners Buchhandlung. — Druck von I. «. Hirfchfeld.

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