Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 73 (18.6.1839)
- Date
- 1839-06-18
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225087--01951-3234500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
294 darauf (wie nach der Agada die des Königs Jostas), daß ihre eignen Personen zu ihren Vätern eingethün werden? Juni. (PrivatrüitW. .Der-.! Abfasser deGeWn AGkels .in der-Mg» Augs. ^it?> der 'die fachen Berichtigungen hervorgerusin, hat sich in der Beilage vom 30. Mai noch einmal weitläufig „über die Juden und ihre bürgerliche.Gleichstellung" ausgelassen. Er giebt zu, daß die Furcht der Christen vor dem Übeln Einflüsse einer' gesetzlichen Gleichstellung der Juden mit den Christen auf der letzteren Wohlstand und das Wohl des Staates ein ganz grundloses Vorurtheil sei, und sucht dies durch alle Stande durchzuführen. Dagegen bringt er die Dolksstimmung, die gegen die Juden sei-, in Anschlag, erinnert an die Aufregung in Sachsen gegen die Emancipation, an die schwedischen Vorgänge. Dafür findet er nun die Quelle im jüdischen Ritualgesetz, das ist ihm das Speisegesetz; und verlangt nun von den gebildeteren Juden, daß sie mit allen Kräften die Veredlung des Cultus und die Verbesserung der Erziehung bewirken mögen. Hat somit der Abfasser jenes Art. jetzt einen ganz andern Wegeingeschlagen, so kann man ihm auf diesen noch leichter folgen, und ihn von einem.Rückhalt zum andern zu fliehen zwingen. Die Volksstimmung! Ja, man steige , in die unteren Regionen hinab, man beobachte die. Masse, ob sie nicht geneigt fei, im Juden Len Menschen anzuerkennen, ob sie zurückhalte, sobald ihr eine Tugend an einem Juden auffällt, diese anzuerkennen. Aber die Beschränkungen, in denen sie die Juden, trotz der Aufklärung der Zeit erblickt, das Mißtrauen des Staates, das sie, trotz Kenntnisse und Talente, zu jeglichem öffentlichen Dienste, er sei hoch oder niedrig, für unfähig erklärt, wie sollten diese nicht der Masse immer wieder die Ueberzeugung aufdrängen, daß die Juden eine Klasse Menschen seien, »dem es an Tugend und Ehre gänzlich gebricht? Man höre in den Schulen, wie Lehrer, Volks-., Bürgerschul-, ja selbst Gymnasial- und besonders Religionslehrer sich erlauben zu ihren Schülern über Juden zu sprechen, sich erlauben dürfen — und man wird sich nicht wundern, daß die Volksstimmung immer noch eine' solche sein muß, wie sie von Kindesbeinen auf gegen die Juden eingesogen wird. — Sachsen und Schweden! Sachsen mit seinen 800, Schweden mit seinen 400 Juden — diese sollen Zeugniß ablegen über die Juden, warum nicht Norwegen, mit gar keinen Juden? Länder,' die die Juden gar nicht kennen! Warum hat Leipzig keine Petition gegen die Juden eingereicht? Uebrkgens weiß man, daß nur die Unzeitigkeit der Emankrung des Gesetzes in Schweden, während, der großen Aufregung über die Prcßprocesse rc., die unconstitutionelle Form, daß die Stande nicht darüber befragt'worden, Ursachen der Schilderhebung gegen jenes Gesetz waren, und die die Opposition, welche früher für die Emancipation stimmte, zum heftigsten Angriff trieb. — Das Speisegesetz, das die Juden vom Tische der Christen zurückhalt! Wenn den Abfasser weiter Nichts von der Emancipkrung zurückhalt, so könnte er bereits drei Viertheile der jüngeren Generation emancipiren, und selbst eine Menge der Familienhäupter, die in ihrem Hause zwar die Speisegesetze beobachten, aber außerhalb desselben sich davon befreien! Aber empört sich nicht jedes Gefühl der persönlichen Freiheit gegen diese Tyrannei, bic -fjuc ein wenig bürgerliche.Rechte, für ein wenig Abnahme von beschränkenden Fesseln, bis in die Küche der B.itheiligten ihr Auge dringen läßt, und Nachsehen^will, ob unsere Fleischtöpfe geschachtetes oder ungeschachtctes Fleisch enthalten? Nein! Odi profanum vulgus, ,!t areeo — in das Heiligthum meiner Laren dringe mir Niemand, am wenigstens ein Schächerer um Freiheit! — Und warum nur das Speisegesetz, warum erwähnt der Herr nicht der Ehe? Das ist ein noch viel wichtigeres Moment im Gebiete der VolksaMalgamatioü^-weil er hier nicht die Juden, sondern zuvor den Staat, der die Ehe zwischen Juden und Christen verbietet, beschuldigen müßte. Das ist das ganze Geheimniß. Veredlung des Cultus! Weiß der Berliner Abfasser nicht, daß uns diese gesetzlich untersagt ist? Daß sie als Neuerung zur Sektirerei führen, und daher nicht zu dulden sein soll? Wie oft sah man kräftige Geister und Männer muthkg an's Werk gehen, und bald entmuthkgt zurückwekchen, weil sie deshalb anstatt auf Hülfe, auf unübersteigliche Hindernisse trafen! Verbesserung der Erziehung! Unsere Kinder besuchen in der großen Mehrzahl die christlichen Schulen, in der Minderzahl separate jüdische Schulen, die unter den Regierungsschulbehörven stehen, sie genießen jeglichen Unterricht, sie können an Kenntnissen und Bildung mit den christlichen Kindern ihres Standes ohne Scheu wetteifern — was fordert man nun noch? Sind nicht schon mehr, als Manchem lieb ist, alle Untercichtsqnftalten von Juden bevölkert? Hat man dagegen für jüdische Religions schulen, aus denen doch eine geläuterte Religionsansicht hervorgehen soll, irgendwo höherer Seits Sorge getragen, beaufsichtigt man diese in irgend einer Beziehung? ' ' 'Geh, unsaubrer Geist, von Verschanzung zu Verschanzung schlägt man dich so leicht heraus — schließ nur die Augen vor allen den großartigen Veränderungen, welche durch die alte Geisteskraft im Judenthume durch wenige Decennien hervdrgebracht sind — am Ende bist du längst blind, und eine dicke Staarhaut bedeckt deine Sehlinse — die einzige Aehnlichkeit, die dir mit der Liebe und Gerechtigkeit ist. Tages-Corrtrole. Der Tod des Professor Gans giebt dem denkenden Israeliten zu manchen Betrachtungen Veranlassung. Man gestatte uns, einige derselben hier auszusprechen. -Bei der Stellung, welche das Judenthum in der Gegenwart eingenommen, welche es eingenommen im großen Organismus des geistigen Menschenthums wie des weltlichen Lebens, dürfen solche Vorgänge nicht unbeachtet vorübergehen, und Erscheinungen, die aus dem Schooße des Judenthums hervor-