Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 72 (15.6.1839)
- Date
- 1839-06-15
- Page
- Seite 67 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Wie nun die Stoiker, wenn sie behaupten, daß nur das y.cAov gut sei, dieses in doppeltem, in objektivem und subjectivem, Sinne aufgefaßt wissen wollten, weder eine Sache noch eine Handlung, weder ein Abstractum, noch das Einzelne, worin sich das Abstractum concret zeigt,*) sei gut, wenn es nicht xulov ist, also erklärten auch die Rabbinen die Tora an und für sich (objective) und die Uebung derselben und die Beschäftigung mit derselben (subjecrive) als das allein Gute. . Ich folge nun Cicero in der Begründung und Erklärung dieses Paradoxons, um dir zu zeigen, daß nicht nur es selbst, sondern die Grundsätze und Ansichten alle, auf die es gestützt wird, im Talmud sich finden, und daß wir nicht in Verlegenheit sein brauchen, wenn wir, wie Cicero edle Römer, Männer unseres Glaubens als Muster der Tugend und der aufopfernden Liebe zu ihr aufführen wollen. Alles Aeußece, Alles, was vom Glücke uns zugetheilt wird, Besitz, Glanz- Macht, Herrschaft, Genuß, könne, behauptet Cicero in stoischem Sinne, dem wahrhaft Guten, nach' dem man streben solle, nicht zugezählt werden, weil das Verlangen darnach nie befriedigt werde, und weil man, je mehr man davon habe, nur von desto heftigerer Begierde, es zu vermehren, geplagt werde. Der Unmöglichkeit, auf diesem Wege (in dem Streben nach Aeußerlichem) zur Befriedigung seiner Begierden zu gelangen, und des Umstandes, daß deren Forderungen, je mehr man ihnen nachgibt, desto ungestümer werden, wird nun auch im Talmud oft Erwähnung gethan**), und darum das Streben nach solchen Dingen als ein nichtiges und eitles bezeichnet und davon abgemahnt. ***) Auch die Rabbinen betrachteten — °) Diog. Laert. Zen. VII. x«9' a (f>riaiv Exajiov r(p rotTO) Tisol ayct&cov xcä XQvginnog zoTg 7T€Qi tou xalov. ilvctl dl TOVTO 'ttQS T7]V XCU TO fZ £ T£%OV ’c(Q£Trjg. , •*) Im Allgemeinen,Succa 52, 1 inb^lna 3>iin ISS' ibs^ii N1N1222> nwn r]iö2bi' 8^212 bra £3inb nvii; ferner in Beziehung auf sinnliche Genüße (Sanhed. 107, 1 Sücca 52,2 O*1 pp 128 und (Sanhed. 100,2) ö^inö^' iir ü.^1 i»** b2 ^83^ 'i 1738 (daß hier C’3nD‘,8 nicht nach seiner Grundbedeutung aa&£vr\g der Kränkliche, Schwächliche, sondern nach der Erklärung, die davon in den Schulen gäng und gäbe ist,, :n33>n b?2 der Verweichlichte, Genußsüchtige zu nehmen sei, zeigt der Gegensatz zu demselben ftan in3>1U5 1:7 der Mann mit bescheidenem, zufriedenen, anspruchslosen Sinne); in Beziehung auf Besitz ri73 218 ^tt ü*>n87a msrna 1:373 ib Tii11 iw ini8n ‘»sm; endlich in Beziehung aus Ansehen und Geltung (Erubin 13, 2) b2 1373)3 1>N112 fibiia ubnätt b*. ***) (Abot 4, 10) Ü3>7373 UIU (6, 5) mann btt tstfc» bL vanbwb. nicht weniger als Bias — alle diese vom Spiele der Glücksumstände abhängigen Dinge als Sachen, die uns in der That nicht eigen sind, und nur Werke der Gerechtigkeit, Biederkeit und Milbe hielten sie für Güter, die uns bleibend und in Wahrheit angehören. Es geht dies ganz klar aus der Aeußerung des im 6. Abschnitt Abot's (9. Mischna) erwähnten Rabbis hervor tNttb ib 'pbö. *pK 'i2l 113> ttbl 12b2 £3731 NUN ttbtt '121 S]öd 8b. Schon diesen Mann könnte ich als Beispiel eines Rabbi anführen, für den Gold und Silber und köstlich Geräthe keinen Reiz hatten, warum aber sollte ich mich auf einen Ungenannten und somit Unbekannten berufen, da mir berühmte Namen als Belege zu Gebote stehen? Rufet euch den Ordner der Mifchna, den ausgezeichneten Rabbi Jehuda Hanasi iys Gedächtniß, der trotz seiner glänzenden Stellung, trotz seiner Macht und seines Reichthums in der Todesstunde von sich selbst das Aeugniß ablegen konnte, daß er auch.nicht den kleinsten Genuß erstrebt habe; *) erinnert euch an Rabbi Elieser ben Charsum, der, im Besitze eines so großen Vermögens, daß dessen Schilderung uns nahezu fabelhaft erscheinen muß, sich dasselbe nicht einmal besehen (Ioma 35, 2) geschweige denn es zu Vergnügungen verwenden wollte. Und hat wol Hillel (a. a. O.) oder Rabbi Elieser von Bartota (Taanit 24, 1) oder Rabbi Chanina ben Dosa (a. a. O. und Berachot 33, 1) auf äußere Güter Werth gelegt? Oder etwa auf Genüsse? Wahrlich nicht; Vergnügen und Lust *•) und die Mittel, sich sie zu verschaffen, galten ihnen nichts, nur Erkenntniß und Tugend hielten sie für Güter, und ,wer darnach strebte, von dem-allein glaubten sie, daß er seine Lebensaufgabe verstanden habe. Levi: Es bleiben mir zwar noch manche Fragen und Zweifel übrig, namentlich in Betreff deiner Beispiele, die mir durchaus - nicht äquivalent mit den von Cicero angeführten erfchienen, allein ich will, ehe ich dir dieselben vorlege, dich deine Nachweisung zum 2. Paradoxon vollenden lasten, das mit dem ersten in der engsten Verbindung steht, denn wenn nichts außer der Tugend wahrhaft gut ist, so *) sKetubot 104, 1) ^282 ib'Dtt Vrtrta 8b. Ueber den Widerspruch dieser Stelle mit der bekannten in Aboda Sara )11, ij_ni7n ttbl *p3äs ttb lldnbo b3>73 ipoa ttbw s. Toftfot a. a. O. und Jesaia Horwitz im r-jb'u) fol. 56, 2 Anmerk. '") (Sabbat 151, 2) 7212 Ü2U2 b>2 7B1D inin ■pwi nun ■»121 ÜYP3737Z) D18 132 ibtt 831N 21 1738' pN2 qii'')3'' b2; vgl. Berach. 30, 2 f wie die Rabbinen jeden übermäßigen Ausbruch der Fröhlichkeit zu unterdrücken suchten.