Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-15 · Heft 72 (15.6.1839) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 72 (15.6.1839)
Date
1839-06-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225086--01945-3234493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

II. Jahrgang. No. IV. Literarisches und h o m ilet i f che s Beiblatt. Leipzigden!5. 2mn 1839. Cicero's D'araÄvx«. GLs-LGr-rnirL im Talmud. Fragment aus einer in dialogischer Form geschriebenen Abhandlung über „Israels Zustande und Erwartungen."") (Eingesandt.) (Moses und Levi hatten eben ihre Freude über die Zunahme der inrellektuellcn Bildung und den neuen geistigen Aufschwung in Israel ausgesprochen; hierauf) Aaron: Es ist richtig und über allen Zweifel erhaben, daß die Anzahl kenntnißreichec Männer und Jünglinge unter unfern Glaubensgenossen sehr groß, und daß sie noch immer im Wachsen begriffen sei, doch ich kann darüber, wie ich schon beim Beginnen unsrer Unterhaltung bemerkte, keine herzliche, ungetrübte Freude hegen. Möget ihr mich einen GaUsüchtigen nennen, der überall' Trübes, sieht, und Unheil ahndet, sch werde deshalb meine Ueberzeugung weder andern, noch verlaugnen. Früher suchte der junge Israelit, dem es'nicht an Talent und Gelegenheit gebrach , seinen Durst nach Kenntnissen aus . dem tiefen Borne, zu löschen, aus welchem er ergraben war, ec holte sich Weisheit aus den weisen Aussprüchen seiner Vater, und aus der Geschichte der ausgezeichneten Männer seines Volkes und Glaubens lernte er die Edlen und: Hochherzigen der Vorwelt kennen. Man ist vielleicht hierbei zu einseitig zu Werke gegangen, indem man auf Alles Andere-zu wenig Rücksicht genommen, allein alle Bildungs-Anstalten waren ja lange Zeit für den Israeliten verschlossen, er lernte also die übrigen Wissenschaften nicht kennen, konnte ihren Werth nicht schätzen, und' die Hintenansetzung derselben war also eigentlich eine unfreiwillige. Jetzt aber sucht der Israeliten-Jüngling seinen Drang nach Wissen durch alles Andere mehr zu befriedigen, als.durch die Schätze der Weisheit, die seine Vorfahren gesammelt. Er kennt die Geschichte der Griechen und'Römer'und ihrer Koryphäen ganz genau, von der seines Volkes und seiner.berühmten Männer weiß er nichts, er vermag Belege , aus allen Classikern herbei zu holen, ein Spruch aus den mna ist ihm völlig unbekannt. Es ist, als ob nun,, nachdem der Damm, der das •) Vgl. No. 88 und 89 dev!l. Jahrganges. Eindringen fremder Wissenschaften unter unfern Glaubensgenossen hinderte, entfernt worden, diese mit solcher Macht heceinbrächen, . daß sie alles früher Bestandene, Altehrwücdige zu verdrängen und niederzureißen vermögen. Levi: Du führst hier auf jüdischem Boden eine Klage, die in neuerer Zeit auf dem christlichen vielfach gehört wurde, daß nämlich durch' das Studium der Classikec, welches in den Schulen zu sehr praponderire, die Bibel, die Basis des religiösen Unterrichts und der Hebels zur Hebung des religiösen Gefühls, verdrängt oder doch ganz in den Hintergrund gestellt worden.") Am lautesten erhob, namentlich in Beziehung auf die niederen Gelehrtenschulen, vr. Eyth "") seine klagende Stimme, er wirft die ganze Schuld der sittlichen Verkehrtheit so Vieler unter unfern gebildeten Zeitgenossen auf den zu großen Werth, der auf die Classiker gelegt wird; es wurde. aber die Uebertrkebenheit seiner Jeremkaden in einer besondern Gegenschrift""") hinlänglich dar-' getchan. Aaron: Ich kenne weder die eine noch die andere dieser .Schriften, und -nicht durch sie, sondern durch eigene Wahrnehmung und Erfahrung wurde ich auf diesen traurigen Fehler unsrer Zeit aufmerksam gemacht. Auch bin ich nicht so bescheiden in meinen Forderungen, um von unfern besser unterrichteten, höher gebildeten Jünglingen blos Kenntniß der Bibel zu verlangen, nein — auch der Inhalt des Talmuds, in so ferne' er sich auf Lebensweisheit und Moral bezieht, sollte-ihnen nicht unbekannt bleiben, da er, wenn auch nicht formell, doch sicherlich materiell in dieser Beziehung den besten Classikern an die Seite gesetzt zu werden verdient. ' *) S. Srirm's (Oberconsiftorialraths) Abhandlung in den Studien der evangelischen Geistlichkeit WürtembergS X. Band, II. Heft, Jahrgang 1838, Vgl. auch die Worte eines altern deutschen Dichters (Joh. Christ. Günther): Du vist so sehr verwöhnt, und hast ein thörlcht Ohr, Wofern vir Jupiter und DenuS besser klingen. Als wenn die Sinaniith und AssaphS güldenes Rohr V^m großen Zebaoth und schönem Freunde singen. (Unterschied zwischen deS PhobnS Rohr und Davids Harfe in Müüer'S Bibliothek deutscher Dichter 10. Band.) *°) Praceptor in Kirchhcim, derselbe, der früher eine metrische Uebersetzüng deS Homer, und jüngstcnü „Harftnklängc aus dem alten Bunde" herausgab. ’") Sie har den Rektor Hirzcl von Nürtingen zum De.rfassrr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.