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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-15 · Heft 72 (15.6.1839) · p. Seite 292

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 72 (15.6.1839)
Date
1839-06-15
Page
Seite 292 (sequence 4)
Language
German
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292 befug aus jeglichem Artikel, selbst aus solchen Artikeln, die im Interesse der Gegenpartei geschrieben sein sollen, heraus. Natürlich tritt das dann am hellsten anden Lag, wenn irgend ein großer Gegenstand den Parteien als corpus delicti vorliegt. Dann zeigt sich die in dem Grunde vorhandene, aber im Frieden-verborgene, und daher überkieidete Spaltung. Die neueste Zeit hat dies recht augenscheinlich gemacht. Auch in unseren Angelegenheiten lassen sich die Nuancen der deutschen politischen Blatter recht gut erkennen, wenn auch hie und da ein kleiner Artikel der Grundanschauung des Blattes bisweilen widerspricht. Im Ganzen als das die Interessen der Judenemancipation am unzweideutigsten vertheidigende, und, die religiöse Entwickelung der Juden mit gemäßigter Schonung betrachtende Blatt hat sich die Leipziger allgemeine Zeitung seit ihrem kurzen Bestände bewahrt. Wir wissen nicht, ob die Redaktionen'dieser allgemeinen politischen Zeitungen Winke geben, in welchem' Sinne die Correspondenten die Dinge überhaupt zu beachten haben: die^ Correspondenzcn der L. A. Z. sprechen sich aber durchgehends für unbedingte Emancipation der Juden auS, berichten mit Vergnügen Thatsachen, die in diesem Sinne geschehen, und behandeln die verschiedenen religiösen Parteien der Juden nicht mit jener Nonchalance, welche andere Blätter so gern in Bezug auf uns annehmen. — Als eine wesentliche Nuance hiervon erscheint das Frankfurter (deutsche) Journal. Ist dieses allerdings mit der Emancipation im Allgemeinen einverstanden, so bietet es sich als ein unermnderer Schildträger für die radikalsten Reformer im Judenthume dar, und zwar mit einer parteiischen Heftigkeit, .welche dein Gegentheile nicht Luft und Athem gönnt. Indem das Frankfurter Journal von den einseitigen Forderungen des materiell bürgerlichen Lebens ausgeht, macht es immer wieder und ausschließlich den Satz geltend, daß das orthodoxe Judenthum sich mit dem jetzigen gesellschaftlichen Leben nicht vertrage; es geht darin so weit', daß e6 selbst die Emancipation diesem verweigern will. Mag -ies nun von einem persönlichen Einflüße herrühren öder nicht, gestehen müssen wir, daß eS sich hierdurch zur Intoleranz und zum Geisteszwange verleiten läßt, und nicht im Stande ist, die Ueberzeugungen einer Partei, deren Ansichten es nicht theilt, zu würdigen. Cs bleibe hierbei nicht unberührt, daß von jeher die Zeitungsschreiber mit einer unbegrenzten Anmaßung dasJudenthum als ein ihrerScheere unterworfenes Ding betrachtet haben, an welchem sie Herumschneidern und meistern könnten, wie es in ihrem Belieben steht. Sie glaubten sich in jeder Art befugt, über daS Judenthum, seine Literatur, seine'Parteiungen abzusprcchcn nach Gutdünken, ohne Kenntniß und Prüfung der Sachlage, der Principien, Bedingungen und Folgerungen. Es ist eine unsrer innigsten Bestrebungen, die dadurch gefährdete Selbstständigkeit dem Judenthume zu retten, und seine Bekenner, zwar durchaus nicht frei und gleichgültig zu machen gegen die öffentliche Meinung, aber wenn diese das Judenthum zu tyrannisircn sich anmaßt,, in den Stand zu setzen, ihren Standpunkt nicht zu verlieren. Die Augsburger allgemeine Zeitung hat sich in den letzten Jahren im Ganzen abstoßend gegen das Judenthum gezeigt. In jener kühlen Vornehmheit, die dieses europäische Blatt seit lange angenommen, und in der es längst verlernt hat, in das Herz der Individualitäten und Personen zu dringen, in der eS sich nur mit dem Faktum als 'schon todtem Product beschäftigt, so daß es den Geruch der Verwesung, den Charakter der Vergangenheit, mitten im Werden und.Wachsen festhält: betrachtet eS nur wenig die Verhältnisse des JudenthumS mit der Zeit, noch weniger die Forderungen jenes an diese und dieser an jenes, berichtet eö wohl die hervorstehendsten Geschehnisse , ist aber stets gewillig, gerade die Schattenseite solcher herauszuwenden, und nur, wenn es muß, einiges freundlichere Licht darüber zu verbreiten, und zwar spät. Bei den schwedischen Vorgängen zeigte sich dies recht klar. Die übrigen deutschen politischen Blätter sind wie daS Laub, welches bald dem Hauche des Südbald des Nordwindes folgt. Es hängt chies zu sehr von den Gesinnungen der Redaktoren ab, und von den Stufen des Anstandes, welche sie behaupten wollen. Viele, namentlich die localen, streuen mil-reicher Hand Anekdötchen und fade Witzeleien aus-, die ihre arme. Flur mit pikanten olümchen schmücken sollen, und dufteten diese auch einen mehr faulen Geruch aus. Einige, namentlich die rheinischen,', folgen einem^ würdigem Impulse und. geben dem Rechte die Ehre: Wir wollen hier nunmehr weder fromme Wünsche, noch verletzende Urtheile hinzufügen, im Allgemeinen spürt man die Fluktuationen des allgemeinen Lebens auch hierin, und den aufmerksamen Beobachter wird es nicht entgangen sein, daß vor einiger Zeit die Gefahr stand, die deutsche Presse für uns Juden auf eine sehr riefe Stufe der Gehässigkeit wieder hinabsteigen zu sehen, daß aber die katholischen Wirren für uns wohlthatig eingewirkt haben, indem man gewahr wurde, daß nicht unsre Wohnung allein noch ihre Schäden hat, sondern — alle haben die ihrigen. (Fortsetzung folgt.) ' Anzeiger. 3n demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile au» Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Werlagshandtung. Ein aus der Provinz Schlesien gebürtiger, praktisch geübter Lehrer, der mehrere Jahre im In- und Auslande als Cantor, Lehrer und Schächter fungirt hat und im Deutschen und Hebräischen einen gründlich pädagogischen Unterricht ertheilen kann, wünscht zu Michaelis in denselben Branchen placirt zu sein. Portofreie Nachfragen an die Redaktion unter Chiffre L. G. Ein in der jüdischen Literatur wohl bewanderter Lehrer, der in der hebräischen und deutschen Sprache, so wie in Geographie, Geschichte, Naturlehre und im Rechnen gründlich zu unterrichten, daneben auch den Gesangunterricht zu leiten und das Vorbeteramt, mit Berücksichtigung der gegenwärtigen Anforderungen an dasselbe, zu bekleiden im Stande ist, kann zu Michaelis d. I., nach vorgängig bestandener Prüfung bei der hiesigen israelitischen Volksschule eine einträgliche Anstellung erhalten. Diejenigen Herren Lehrer, welche auf'.diese Stelle reflectiren, wollen ihre Anträge nebst Zeugnissen über ihr Betragen und ihre Befähigung post fr ei einsenden an den Vorstand der ifr. Gemeinde zu Hildesheim. Redacteur: vr. L. Phllippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von B. Hirschfeld. (Hierzu daS lirerar. und Homilet. Beiblatt No. 17.)

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