Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 69 (8.6.1839)
- Date
- 1839-06-08
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225083--01927-3234472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
62 bcc Platz gewesen, daß der Herausgeber, der zum ehemals-! gen westphalischen Consi'storium gehörte, die Bestimmungen dieses Consisiorii eingeschaltet hatte, da dieselben nach der Allerhöchsten Kabmets-Ordre vom 8: August 1830, und nach der ausdrücklichen Anerkennung in der Circular - Verfügung der h. Königl. Regierung zu Magdeburg vom 28. Mar 1833 (Nachtrag S. 88) Gesetzeskraft haben, und womit dem Obigen zu begegnen steht. Wie gesagt, der Herausgeber hatte dies am besten vermocht, scheint aber dies nicht zu wollen. Dafür giebt er S. 191 in Bezug auf das Weimar'sche Gesetz vom deutschen Beten ein Gutachten von Weyl, . das, da es kein Preußisches Verhältnis betrifft, hier durchaus nicht an seiner Stelle war, die Sache an sich mag betrachtet werden, wie es sei; und S. 195 die Bestimmungen des Westphalischen Consistoriums über den Etat der Gemeinden. Es folgen noch einige gewerbliche Bestimmungen, in Betreff der ruffischen und polnischen Juden, wozu No. 16. 17. 19. 22. 26. 27. hatten gleich gefügt werden müssen, weil sie das Paß- und Gewerbewesen betreffen. No. 11. 12. 13. betreffen die Bezeichnung in amtlichen Verhandlungen durch „jüdische Religion," wobei jedoch diese Bezeichnung in außer religiösen Beziehungen streng untersagt wird. 'No. 18 vertagt den Juden das Amt eines Sck ie ds manns, weil ihnen richterliche Funktionen nicht zustehen. No. 21 gestattet zwar das Schuldenamts-Kandioats-Examen zu be- - stehen, aber ohne Hoffnung der Anstellung. No. 23;. Jüdische Rabbinen und Lehrer sind nicht frei von Kommunallasten und Klaffensteuer. — Der etwas unklar gehaltenen Rubricirung hilft ein Register nach. — Der Anhang enthalt das organische Gesetz des Kurfürstenthums Hessen, die schwedischen Gesetze des vorigen Jahres (aus dieser Zeitung entlehnt, die als Quelle hatte genannt werden sollen), das Sachsen-Weimac'sche Gesetz, (welches wir No. 26 und 28 des I. 1837 mitgetheilt,) zwei Rescripte aus Baiern, (das sogenannte Neologenrescript — und warum von so vielen, von uns gegebenen Rescripten gerade dieses?-), aus Baben die Einrichtung eines Synagogenrathes. Dieser Anhang ist demnach unvollständig, da z.B. das sächsische Gesetz sehr nahe lag, das russische Gesetz (welches wir nächstens ausführlich besprechen werden,) noch nirgends gegeben werden. — Jedenfalls verdient der Herausgeber unfern Dank, da man sich in praktischen -Fallen bei seiner .Sammlung immer Raths erholen kann. 42) Das Morgenland. Altes und Neues für Freunde der heiligen Schrift. Eine Monatsschrift herausgegeben von S. Preiswerk. Erster Jahrgang. 1838. (Mit 4 Karten und Zeichnungen.) Basel, gr. 8. S. 384. Was versteht der (wie es scheint, pseudonyme) Herausgeber unter ,> Morgenland"? Billigerweise erwartet man, wenn nicht China und Indien, doch wenigstens das ganze Vorder- und Westasien, das Land der Semiten — oder doch das vnp ^2 der Bibel? Nein. Das Morgenland ist ihm das „gelobte Land," Palästina. Seine Monatsschrift ist demnächst den alten und neuen Verhältnissen Palästina's gewidmet, und trägt somit seinen Namen nur : j in beschränktem Sinne. Der Geist und der Standpunkt ’ dieser, wie es scheint, vom Herausgeber allein bearbeiteten Monatsschrift ist der christlich-altkirchliche, welcher jetzt bei den christlichen Theologen schon selten ist,.die, wenn nicht das Neue Testament, ooch wenigstens das Alte Testament einer zerstörenden, zerwühlenden, zersetzenden Kritik hingeben, die absichtlich auch die letzten Faden des Zusammenhangs mit einer gewissen Schadenfreude zerreißen, uno damit ein Werk der Borurthellslosi'gkeit, der Geistesfceiheit gethan zu haben glauben. Sie bemerken nicht, daß sie .ebenso sehr dem Locurtheile und der Befangenheit geopfert haben, welche nur eine entgegengesetzte Gestalt angenommen. Es ist eben so sehr das Werk der hohern Kritik, den in der Tiefe liegenoen inner» Verband aufzuft'nden und in das Licht zu stellen, als die einzelnen mit Unrecht verbundenen Theile auseinander zu halten. Dem gegenüber steht jener - alrkirchliche Geist, welcher Alles in der Gestalt nimmt, in der es gegeben und überkommen, unangetastet laßt den Buchstaben wie das Wort, und nur nach der Verbindung der entfernt'uno zerstreut liegenden Data zu einem Ganzen strebt. Dieser ist es, welcher auch für den Christen jeoen Buchstaben unsrer heiligen Schrift für heilig, unantastbar und möglichst verbindlich hält. Der erste Blick auf die erste Sekte erweist uns das Vorhergesagte. Die Ueberschrift lautet „Israel." Unter „Israel" versteht er aber uns arme Juden nicht, die sich diesen Namen immer beigesegt, sondern „das Reich Gottes" in der ganzen Menschheit. Das- Morgenland fußt denn nun auch ganz und gar auf jene „asiatischen Elemente," wie sie Salvador bezeichnet, denn heißt es S. 4: „wir wollen einen Blick werfen — darauf, wie jederzeit. die Sünde in ihren Tod Alles zu verschlingen schien, was der Gott des Lebens gewollt und gegründet hatte, so daß jedesmal wenn ein heiliger Leuchter aufgestellt wurde, die Finsterniß, so zu sagen, ihr „Veto" einlegte und geltend machte ff." — O du armer Gott des Lebens, der eine Welt geschaffen zum Lichte, und zu allererst „Licht!" gerufen, und dem die Fmsterniß so arg mirgespielt, daß er sich ihrer nimmer erwehren kann, und am Ende sich eine Laterne aus „Basel" verschreiben muß!-— — Doch das soll uns hier nichts angehen, .lassen wir diesen Unsinn auf sich beruhen, und sehen wir nur sonst auf die Resultate des Gegebenen. Der zweite Aussatz „die Nachkommen Abrahams" ist eine sehr matte Skizze der von Abraham abstammenden Völker. Der dritte „die Namen des Landes Israel" ist eine, unbedeutende Auseinandersetzung der sieden Namen des Landes, wie sie in jedem Schulabriß zu finden. Oer Verf. ereifert sich, daß man „das Land Canaan" sage, was doch von Heiden herrühre. Der folgende „Stand der Dinge" ist eine kurze Üebersicht der neuesten Ereignisse in Palästina, enthält jedoch nur Allbekanntes. Beigegeben ist diesem ersten Hefte eine treffliche, überaus zarte und ziemlich richtige Karte Vorderasiens. Das zweite und dritte, vereinte Heft giebt eine Erklärung des Traumgesichtes Nebukadnezars „die vier Weltmächte," nach gewöhnlichem Maßstabe; ebenso verhält es sich mit einer recht klaren, aber oberflächlichen Gefchichtserzahlung von Hecodes 1. bis gegen,die Zerstörung