Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 68 (4.6.1839)
- Date
- 1839-06-04
- Page
- Seite 275 (sequence 3)
- Language
- German
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275 Thetlnahme ausgenommen wurde, wahrend mir ferner be! meinem Abgänge von Wiesbaden auf mein Entlassungsgesuch folgende Resolution ertheilt wurde: „Auf das Gesuch des Rabbiners Dr. Abraham Geiger dahier um Entlassung von seiner Stelle, wird demselben zur Entschließung eröffnet, daß man zwar gewünscht hatte, ec möge seine Verdienste, die er sich um die religiöse Bildung der jüdischen Gemeinde bisher erworben hat, auch in der Folge noch erhöhen; da er aber seine nützliche Wirksamkeit anderwärts hinzuwenden beabsichtigt, so wird dem vorgebrachten Gesuche hiedurch willfahrt." — Ich fasse nun die obigen Angaben zusammen. Fast einstimmig gewählt wurde ich durch ein Wahlcollegium, dessen Mitglieder zum Theil durch Gemeindcwahl, zum Lhcil durch das Loos berufen waren, und demnach die Ansicht der Gesammtgemeinde aufs vollständigste reprasentiren. Gegen diese Wahl wurde bei den Behörden protestirt von vier Individuen, denen man es eben so wenig wehren kann, zu behaupten, sie sprachen im Namen von „1200 Altgläubigen der Gemeinde," als wenn sie behaupteten, sie sprachen im Namen der ganzen Menschheit; jedoch ist es Tatsache, daß die Gemeinde keine 1200 Familien zahlt, und die Protestanten niemals cirre Vollmacht aufgewiesen haben. Für' diese vier Individuen wurde ein lügenhaftes Promemoria angefertigt, nicht von einem orthodoxen Juden, sondern von einem solchen, welcher entweder noch jetzt „sich vorbereitet, in die christliche Kirche einzutreten," oder in dieselbe schon eingetreten 'ist. Diese Tharsachen überheben mich einer jeden weiteren Beurtheilung der von dem Referenten gezogenen Schlüsse. — Was nun schließlich die Beendigung meiner Angelegenheit betrifft, so beruht diese lediglich in der Entschließung der hohen k. Behörden und Sr. Majestät des Königs, ob mir in den preußischen Staaten das Bürgerrecht zu ertheilen sei, und dieser Entschließung sehe ich getrost entgegen. Dr. Abraham Geiger, Rabbine. Endlich gab auch die Augsb. Allg. Zeit, vom 20. Mai eine genügende Mirtheilung, die diese Sache schließlich berichtigt, und folgendermaßen lautet: „Die Denkschrift der sogenannten orthodoxen Juden in Breslau, aus der Ihnen kürzlich einer Ihrer anderen Berliner Eorrespondenten eine Mittheilung gemacht, ist, wie man aus zuverlässiger Quelle, vernimmt, von Joel Iacoby abgefaßr, der bekanntlich in politischen wie in religiösen Dingen seine eigenen Ansichten hat, Ansichten, die sich auch in der citirtcn Stelle sehr leicht erkennen lassen. Diese gehören aber viel eher dem „Berliner politischen Wochenblatt" und dem Restaurator Haller, als dem Judenthum unserer Zeit an. Allerdings gibt es unter den Juden Deutschlands noch manche Anhänger des Alten und Gegner jedes Verbesserungsvccsuches; die preußischen Juden suchen sich jedoch immer zahlreicher des Vertrauens, das die Regierung in sie gesetzt, indem sie ihnen das Bürgerrecht verlieh, würdig zu machen, und zum Beweise dessen dient eben, daß der Gemeindevorstand in-Breslau, der doch wol eine größere Autorität ist, als seine meistens ungebildeten Opponenten, einen Mann, wie vr. Geiger, zum Rabbinen berufen hat. Wie es allgemein heißt, wird dieser auch von der Regierung in den Functionen, in welchen er so viel Gutes stiften kann, bestätigt werden. — —. Allem diesem haben wir unsrerseits nur Folgendes hinzuzufügen. Den Cultus und dessen Formen als den Jncidenzpunkt des ganzen Iudenthums zu setzen, ist ein Fehler, der in neueren Zeiten sehr oft, vorgekommen. Ohne in irgend einer Art die Wichtigkeit desselben und seiner Veredlung je zu verkennen, giebt es doch Momente genug, wo außerdem die durch die jüdische Masse selbst dringende Cultur sich constatirt. die auch längst über die Zufälligkeiten einer äußern Präsentation hinaus, ist. So kann selbst die Wahl eines Geistlichen von so vielen Zufalligkeiten abhangen, daß sie nie als ein organisches Produkts weder pro noch contra, betrachtet werden kann. Andrerseits ist bei dieser ganzen Betrachtung außer Acht gelassen, daß es ja nicht, bloß von den jüdischen Gemeinden abhängt, inwiefern sie ihren Cultus verbessern will, sondern auch, ob eine Begünstigung, ja selbst Gestaltung hiezu höhern Orts gegeben ist. Dann erst, wenn diese überall vorhanden wäre, könnte die Veredlung des Cultus einen Maßstab abgeben — der Abfasser jenes Artikels wird dies'wol gewußt haben, aber in seinen gehässigen Bestrebungen hat ec es verschweigen wollen! Jedenfalls. machen wir darauf aufmerksam, daß die Zeit vorüber ist, wo man das Heil oder den Sturz des Judenthums von etwaigen Zeitungsartikeln abhängig wähnte — wir sind schon selbftstänoig genug geworden, um solche Waare leicht verdauen zu können. Geschichte. Ueber das Verhättmß griechischer und römischer Autoren zn den Zudem Im vierten Hefte des ersten Bandes meines Israelitischen Predigt- und Schul-Magazins stellte ich die Urtheile und Berichte verschiedener griechischer und römischer Schriftsteller über die Juden zusammen, und setzte dies an verschiedenen Orten von Zeit zu Zeit fort. Seitdem gelangte ich zu einem, wenig bekannt gewordenen Schristchen von vr. FR. C. Meier, welches, schon früher, 1832, in Jena erschienen, eine Sammlung aller die Juden betreffenden Stellen der Profanschriftsteller des Alterthums giebt, und den Titel führt: Judaica seu veteruui seriptortim profanorum de rebus judaicis fragmenta. Jndeß ist diese Sammlung wirklich nur Stellensammlung, hie und da mit kleinen, unbedeutenden Anmerkungen versehen, chronologisch geordnet, so daß sie nur das Verdienst der Zusammenstellung besitzt. In Bezug der chronologischen Folge könnten wir rügen, daß die Stellen des Justinus, da dessen Geschichte doch nur Auszug aus der verloren gegangenen trefflichen Weltgeschichte des Trogus Pompejus (um 14. i».)'ist,'auf S. 21 zwischen Diodorus Siculus und Plinius hätten kommen müssen. In Bezug auf die Vollständigkeit haben wir zuerst zu bemerken, daß die decreta Iiupcratorum de Judaeis (p. 67) bei weitem