Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 67 (4.6.1839)
- Date
- 1839-06-04
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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270 des Lichts errangen den Sieg. Unter den 27 von der ganzen Gemeinde vorgeschlagenen Wahlkandidaten ist auch nicht ein Einziger, der.zu der Partei der Altgläubigen gehört, und<die alten verjährten Vorurtheile und Formen zu ffördem und zu erhalten gesonnen iji Ich setze Sie absichtlich von dieser wichtigen Demonstration unserer so einflußreichen Religionsgemeinde in Kenntniß, weil in Mainz gewissermaaßen ein ähnliches Verhättniß obwaltet, mit dem Unterschiede, daß dort leider dse Bewegung von den Bessecdenkenden ausgehen muß, indem nur die strengste Orthodoxie ihre Vertreter in den Organen der Gemeinde findet. Wie hier Hülfe zu schaffen, brauche ich nicht auseinanderzusetzen, da die dortige Gemeinde der einsichtsvollen Männer so Viele hat/" —. Wir erwarten noch Näheres von unseren Korrespondenten. Einstweilen, um auch die Ansicht der orthodoxen Partei über den Erfolg der ftattgehabten Wahl zu geben, finde folgende Stelle eines Briefes voneinem Anhänger derselben hier einen Platz: „Zu unserer Beruhigung dient es, daß die Minorität (der Orthodoxen) doch zu imposant ist, als daß unsere Gegner nur das Mindeste gegen Cultus oder Religion unternehmen können; jedoch schlimm genug ist es, daß auch dadurch jede wünschenswerthe Verbefferung, (so weit sie von den Orthodoxen ausgeht,) Opposition finden wird, was aber, so lange die Verwaltung der Gemeinde nicht gemischt ist, nicht zu umgehen sein dürfte/"— —.' Es waren der Redaktion dieser Zeitung vorher von beiden Seiten Klagen über Umtriebe mancherlei Art, Ckrculaice ff., die die Verstärkung und Sicherung der Wahl zum Zwecke hatten, zugekommen. Dieselbe hatte sie nicht zur Veröffentlichung geeignet gehalten, theils weil nur der Erfolg von Wichtigkeit ist, theils weil solche bei jeder Bewegung sehr natürlich sind, und stets statt finden, so es auf ein ernstliches Resultat abgesehen ist. Paris, 19. Mai. Unter die Opfer, welche der letzte Straßenaufcuhr zu Paris gekostet hat, gehörte auch der Quartiermeister der Municipalgarde von Paris, Theodor Jonas, ein Israelit. Er ward am 12. d. an der Spitze seines Detaschements, in der Straße de« Arcis getödtet; als er gefallen, bestieg der General Duchand sein Pferd, um an seiner Statt zu kommandiren. Am 17. fand sein Begrabniß statt. Nach einer schön gedachten Rede, in welcher ein Kamerad des Herrn Jonas im Namen seiner Waffenbrüder den gerechten Zoll des Lobes und Bedauerns ihm brachte, improvisirte Herr C, Sekretaire. der Wohlthätigkeitsge'sellschast, welcher Jonas angehörte, folgende Worte, die wir nach dem Journal des Debats mittheilen, und aus denen man den Verstorbenen noch näher kennen lernt. „Brüder, ihr habet vernommen, welche Tugenden und militairische Verdienste den Freund schmückten, dessen Verlust wir hier beklagen. Dreißig Dienstjahre, neunzehn Feldzüge auf allen Schlachtfeldern Europa's, zahlreiche Wunden, eine Ehren-Kacabine von Massena empfangen, das Kreuz der Tapferen, zu Bologne im Jahre 1804 aus den Händen des Kaisers erhalten, das sind seine Titel als Soldat; aber er war nicht allein ein guter und loyaler Krieger, Jonas war auch ein guter Bürger und ein wohlthätiger Israelit, und alle, die ihn kannten, huldigten seiner Herzensgüte, seiner Sanftmuth/" „Mitglied! der israelitischen WohlthatigkeitsgeseUschaft, welche „Humanitatsfceunde"" genannt wird, entzog er seinem bescheidenen Solde einen monatlichen Beitrag,' Und selbst arm trug er so zur Unterstützung der Armen und Unglücklichen bei. Ehre sei Dir! Ruhm Deinem Angedenken! Als. Soldat vertheidigtest du täpfer dein Vaterland auf den Schlachtfeldern; als Bürger starbst du in der Vert.heidigung der Gesetze; als Israelit gehörst du zu der Zahl von Männern, welche wir mit Stolz unseren Freunden und unseren Feinden zeigen — unseren Freunden, als einen Beweis, daß wir würdig sind, daß wir zu verdienen wissen die-Rechte, welche 1789 und 1830 uns .gegeben haben; unseren Feinden, welche, in anderen Ländern unseren Glaubensbcüdern noch diese Rechte verweigern, geheiligte Rechte, welche von der Natur unzertrennlich sind, welche wir alle von Gott haben, die Gleichheit vor dem Gesetze, und welche man Menschen versagt, die nichts mehr verlangen, als gute und nützliche Bürger zu werden/" „Jonas, dein.Herz war edel und großmüthig, deine Seele wird groß und edelherzkg sein. Angelangt vor dem Throne des Ewigen wirst du die Verzeihung derer erflehen, die dir Böses zugefügt, du wirst die Gnade für die erbitten, welche in ihrer traurigen Verwirrung die Ruhe der Stadt gestört, unschuldiges Blut vergossen haben, du wirst von Gott fordern, das Herz der Frevler zu ändern. Wir, wir werden deinen Tod rächen; aber nur, indem wir dir .nachahmen, unseren Feinden verzeihend, und mit Gefahr unsres Lebens, das Vaterland, die Charte und den König vertheidigend. Lebe wohl, Jonas, empfange im Schooße der Ewigkeit die unsterbliche Krone, welche der Gott der Heerschaaren den Braven bewahret. Lebe wohl!"" -7- Der Kriegsmknister, General Schneider, hat den Herrn Cerfbeer, (einen Israeliten) zum Chef seines Kabinets ernannt. Derselbe ist Eskadronschef beim königlichen Stabe. * Literarische Nachrichten. Magdeburg, 26. Mai. Angekommen *) aus Paris: Precis elementaire d’Instruction religieuse et morale, accepte par le consistoire central des Israelites de France. Trois. edit. Paris et Metz. — Aus Brüssel: Des Juifs de Pologne, par O. Louis Lublin er, polon. emigre, avocat. Bruxelles 1839.— Aus Frankfurt a. d. O.: 'ri Worte Gottes oder Gottesdienstl. Vorträge'von Dr. S. Holdheim, Rab. Heft l. 1839.— Hauptmomenre des Alten Testaments in lühographirten Bildern nach Raphael von Leopold Dick in München. 3 Bilder. — *) Wir bemerken ein-, für allemal, daß unter dieser Rubrik nur diejenigen Schriften unsres Gebietes genannt werden, di« von den HH. Autoren oder Buchhändlern uns zur Beurtheilung oder Kenntnißnahme wirklich zugesandt worden. Die Redakt.