Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 67 (4.6.1839)
- Date
- 1839-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 67. di. Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudeitthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König». Sächsischer allergnä'dkgster Concession.) Leipzig, den 4. Juni 1839. Zeit«»gs»achrichten. 'Posen, 15. Mai. Im Jahr 1838 befanden sich in dem Bromberger Verwaltungs-Bezirk unter einer jüdischen Bevölkerung von 22,249 Seelen 3634 Kinder im schulpflichtigen Alter, wovon 903 in den christlichen und 2406 in den jüdischen, zusammen 3309 Kinder in den Schulen den nöthigen Elementar-Unterricht erhielten. Ohne Unterricht blieben dagegen 325 Kinder, von denen über die Halste, nämlich 171, allein auf die beiden Städte Gnesen und Jnowraclaw kommen, wo aber auch Sorge zur Abhülfe getragen wird. Im Ganzen hat das jüdische Schulwesen von Jahr zu Jahr sich in erfreulichem Maaße gebessert. (St. Zeit.) —. Auf solche Berichte können wir nur mit Vergnügen verweisen, müssen jedoch immer wieder auf den religiösen Unterricht zurückkommen, der selbst in den jüdischen Schulen oft sehr vernachlässigt wird, und höchstens im etwas, von den jungen Leuten bald, beseitigtem Hebräisch besteht. London, 13. Mar. Hörenwkr so oftvon den Sitzungen der Judenmiffion zu London, so wird man um so mehr Interesse einem daselbst, bestehenden Vereine zur Beförderung religiöser Freiheit zuwcnden, der am 11. seine 27. Jahresversammlung hielt. Den Vorsitz führte der auf diesem Gebiete berühmt gewordene Herzog von Sussex, (Oheim der Königin Victoria), der mit einer echt religiösen Gesinnung eine wahrhafte Toleranz als Grundsatz bekennt, und im Leben ausübt. Am Schluffe der Sitzung sagte der H. von Sussex: „Ich werde alt, ich zahle 67 Jahre; aber ich bleibe den Grundsätzen bürgerlicher und religiöser Freiheit treu, die ich in meinen früheren Jahren behauptet habe, und fürchte wegen des Ausdruckes derselben dm Tadel keines Theologen." Berlin, 9. Mai. Die Hannov. Zeit, ergeht sich in ein starkes Lob der Herren Professoren Strauß und Mach ei nike, welche der Leiche des Prof, Gans folgten, und die nächsten Verwandten des Verstorbenen, die sich zur mosaischen Religion bekennen, in. die Mitte genommen hatten. Der Hannover'schen Zeitung mag dies als ein ganz besonderes Zeichen der Humanität erscheinen, uns scheint es eine sehr natürliche Sache, da jene Herren eben so geneigt wären, ein Mittagsmahl bei den gedachten, höchst gebildeten Verwandten Gans' einzunehmen. Magdeburg, 24. Mai. (Pcivatmitth.). Unsere Stadt ist heute wahrhaft festlich bewegt. Handel und Gewerbe ruhen, die Straßen sind mit festlich geschmückten Spaziergängern angefüllt. In allen Kirchen war heute früh Gottesdienst. Auch die israelitische Gemeinde ist nicht zurückgeblieben. Am 24. Mai 1814 zogen die Preußen wieder ein in Magdeburg's Thore. Das Angedenken dieses Tages hat die Bewohner unsrer Stadt zu diesem Feste begeistert. Die Ansichten, welche wir in No. 63 von Glog au aus, aussprechen ließen, veranlaßten auch die hiesige-Gemeinde zu einer würdigen Feier. Nach einer musikalischen Introduktion, wurden die Psalme 75, 76 und 103 mit Instrumentalbegleitung von der Gemeinde nach der Hallel- Melodie gesungen. Hierauf bestieg der I),-. Phili'ppson die Kanzel, und hielt über Pf. 68, 25 die Predigt, welcher eine andere musikalische Piöce, und der Pf. 67, von dem musikalisch gebildeten und als Sänger ausgezeichneten Vorsänger H. Hölzel vorgetragen, folgte. Mit der herausgehobenen Tora im Arme hielt nun der Dr. Philippson ein Gebet für König, Vaterland, Stadt und Gemeinde; und Pf. 72 und 150, , wieder von der Gemeinde mit Begleitung gesungen, so wie ein Choral machten der erhebenden Feier ein Ende. Die Synagoge war sinnig decorirt, und von andächtigen Besuchern aller Confessionen dicht angefüllt. — (Nachschrift vom 26sten: Es war nicht unerfreulich, in der gestrigen Nummer der Magdeburger Zeitung „einige christliche Zuhörer" ihren Dank für die Predigt und ganze Feier gegen den Dr. Philippson ausspcechen zu sehen.) Frankfurt a. Main, 17. Mar. Wir entlehnen folgenden Artikel dem Kölner Welt- und Staats-Boten No. 140, der einem Frankfurter Blatte entnommen scheint: „Sie haben wol schon von dem Resultate der kürzlich unter Leitung des Senates vorgenommenen Urwahlen der Mitglieder des israelitischen Vorstandes gehört. Man betrachtet hier die Sache als ein Ecekgniß, und sie ist in der That eben so wichtig als erfreulich. Der Kampf zwischen den Anhängern des veralteten, für unsere Bildungsstufe durchaus nicht mehr paffenden Herkömmlichen gegen den fortschreitenden Theil der Gemeinde, war heftig; es würde Alles daran gefetzt, der alterschwachen Orthodoxie noch einmal unter die gebrechlichen Arme zu greifen, den aufgeklärten Vorstand zu stützen, — man drang auf neue Urwahlen, fetzte durch, daß dazu geschritten wurde, und die Freunde