Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 66 (1.6.1839)
- Date
- 1839-06-01
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
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59 heit und ihrem treffenden Wesen ist auch die 7. Predigt S. 118 — 139: „des Menschen Aehnlichkeit mit dem Baume," wo besprochen werden: „des Baumes Erziehung, Zufluß, Haltung und Frucht." — So würdig der Inhalt der 13. Predigt (S., 214) über den hohen Werth des israelitischen Weibes ist, so streift doch die Einleitung durch den Ausdruck „Schwarz" (iTYinö) beinah an's Lächerliche. Es hätte dafür ein andres Wort gebraucht werden können, etwa „unangefehen," was dem Redner wol erlaubt ist. Alsdann hätte noch das israelitische,Weib mehr hervorgehoben werden müssen, wie es dock die Ueberschrift thut, und in II. die erste Nummer der 2 folgen sollen\ was natürlicher gewesen. — Die 15., 16. und 17. Predigt (S. 245, 261; 275) über Gottesdienst und Leichenbestattung, können wir großen wie kleinen» Gemeinden dringend zur Beachtung empfehlen. Es sind zwar bekannte Dinge, aber gerade das ungekünstelte, klare Wort trifft hier am nächsten und .sichersten.'— Die Festpredigten sind im Allgemeinen, ßaußer der Neujahrspredigt, nicht die gelungensten. Füreine der schwierigsten Aufgaben haben wir immer die Schebuotpredigt gehalten, und fast noch keine hat uns ganz befriedigt. Die hier gegebene eine kurze Exposition der Zehngebote — konnte diese Befriedigung gar nicht Hervorbringen, so passend sie auch in derLocalität sein mag. Man muß immer daran denken, daß der Prediger auch die einfachsten, allbekannten Dinge öfters zu wiederholen hat. — Mögen die frommen Absichten des Verfassers immer mehr zum Wohlgedeihen erwachsen, und in seinen Gemeinden wie bei seinen Lesern immer mehr Platz greifen. Die Ausstattung ist angemessen. Die Lettern sind auch für das Auge des Alters bequem. 19) — 23). Die Synagoge. Eine jüdisch-religiöse Zeitschrift; zur Belehrung und Erbauung für Israeliten. In Verbindung mit vielen jüdischen Gelehrten herausgegeben von Dr. L. Adler. Würzburg. gr. 8. Erster Jahrgang. Erste Hälfte. Heft I. S. 64. Heft II. S. 65 —128. Heft III. S. 129 — 192. Heft IV. S. 193 — 256. Heft V. @. 257 — 322. Nach der Ankündigung sollte diese Zeitschrift eine Monatsschrift sein, und in jedem halben Jahre ,6 Hefte als ein Band erscheinen. Es ist zu bedauern, daß diese Regelmäßigkeit nicht beobachtet werden konnte, da diese immer als Zeichen des wahren Lebens einer Zeitschrift betrachtet wird. Es liegen uns aus dem vorigen Jahre nur 5 Hefte vor, wir wollen jedoch mit deren Beurtheilung nach Abschluß eines Jahres nicht länger zögern. Nachdem der Redakteur dieser Zeitung die Herausgabe seines „Predigt-, und Schul-Magazins," welches regelmäßig durch drei Jahre erschien, aufgegeben, theils weit er dieser nicht mehr die nöthige Sorgfalt spenden zu können, theils weil er die Mission des Magazins in der bksdasiqen Gestalt erfüllt'glaubte, so daß es nothwendkg eine neue Form hatte'annehmen müssen, um auf dem Niveau der steigenden Bedürfnisse zu bleiben — mangelte es allerdings an einem zeitlichen Centralpunkte der homiletischen Bestrebungen und der angrenzenden Gebiete. Es war der Zweck' der vorliegenden- „ Synagoge". diesem Bedürfnisse abzuhelfen. Unterscheidet sich die „Synagoge" nun allerdings von dem „Magazine" schon darin, daß sie in homiletischer Beziehung den Arbeiten Anderer als des Herausgebers mehr Raum gewährt, so hat sie aber auch die israelitische Schule außerhalb ihrer Tendenz gestellt, und berührt die religiöse , unb wissenschaftliche Geschichte Israels gar nicht, während sie wiederum die religiöse und moralische Erbauung durch andere Mittel als die Predigt mehr, verfolgt, als ihr genannter Vorgänger. Ihren Inhalt giebt demnächst die Synagoge folgendermaßen an: 1) Predigten, 2) Aufsätze über Religionslehren, Gebote und Gebräuche, 3) Uebersetzungen lehrreicher Stellen aus alten (jüd.) Werken, 4) Aufsatze über religiöse Erziehung, 5) moralische Erzählungen, 6) lehrreiche Erzählungen aus der jüd. Geschichte, '7) Gebete, 8) religiöse Gedichte, 9) Erklärungen schwieriger Stellen aus der h. Schrift. Wollen wir nun hier den allgemeinen Charakter des bis jetzt Geleisteten bezeichnen, so mögen wir auch nicht vergessen, daß die „Synagoge" eine in der Bildung erst begriffene Zeitschrift ist, daß sie ihre Basis sich noch zu schaffen, ihren sseften Kreis sich zu sichern hat, und daß, wenn die Leistungen auch noch nicht das Verdienst der Gediegenheit haben, doch die unablässige Bestrebung, die rege Kraftaußerung, das rüstige Ringen nicht zu verkennen ist. Die Synagoge, deren Herausgeber einer der wackersten Rabbknatsaspiranten in Baiern ist, der sich selbst einen praktischen Wirkungskreis sckon geschaffen, ist immer eine secundaire Theilnahme an dem gegenwärtigen Leben des Judenthums, und kann mit der Zeit als Organ beiläufiger Thätkgkeiten desselben einen bestimmten Nutzen gewähren. Bis jetzt aber muß man gestehen, daß die darin gegebenen Arbeiten an vieler Breite und am Mangel der Gründlichkeit und Tiefe leiden. Wir glauben unsrer Pflicht als Berichterstatter nur Genüge zu leisten, wennwir in freundlichster Gesinnung den Herausgeber darauf aufmerksam machen^ daß die erste Bedingung einer edlen, wirksamen Sprache die. Concknnetat, das erste Merkmal der Gedankenfülle Gedrängtheit in klarer, reiner Form ist, daß aber ein nachlässiges Sichgehenlassen immer den Beweis zu geben scheint, daß man Alle§ gegeben, was man besitzt. Spricht sich auch überall eine warme Ueberzeugung, ein Enthusiasmus für unsere Religion aus, .so fehlt eS doch noch an strenger Haltung, an System und Prinzip. Man huldigt dem Confervatismus, aus Furcht zu zerstören, und der Reform aus innerem Verlangen. Es giebt aber abseits der crassen Stabilität nur zwei rechte Wege, entweder glühende Begeisterung für die Reform, oder wissenschaftliche und philosophische Auffassung des historischen und intellektuellen Judenthums. Jeder andre Weg ist Prinziplosigkeit. Endlich müssen fortlaufende homiletische Arbeiten, wenn sie nicht einen besondern Zweck vor Augen haben, sondern die „Belehrung und Erbauung" im Allgemeinen bezwecken sollen, dann und wann einen poetischen Ueberflug haben, und eine schwungreiche Erhebung bewirken können. — Dies im Allgemeinen. Uebrigens bringen die bisherigen Hefte des Nützlichen und Brauchbaren, namentlich fürdieMasse, auf die doch die „Synagoge" besonders wirken soll, schon recht viel. Der Herausgeber ersehe unsre fleißige Beachtung seiner Zeitschrift auch aus folgender Skizze. - Der Herausgeber beginnt mit einer Ansprache an „die