Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 66 (1.6.1839)
- Date
- 1839-06-01
- Page
- Seite 58 (sequence 6)
- Language
- German
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58 feiner Zeit. l'B. M. 6. 9; 1) Tugend sichert ein ewiges Andenken; 2) läßt sich nicht blindlings vom Geiste der Zeit fortreißen; 3) und gewinnt die Kraft hiezu durch das Wandeln mit Gott. — IV. Wie im Bunde durch den Regenbogen sich uns eine Wcltreligion spiegelt. 1 B. M. 9, 12—17. (Bei Adam die Offenbarung Gottes als ein rein kindliches Verhältniß — der Bund mit Noah als erstes Rcligionsbündniß). I) Der Regenbogen als Erinnerungszeichen gewürdigt; 2) durch den Regenbogen wird versinnlicht a) die Verbindung der Erde mit dem Himmel, b) der Regenbogen als Abglanz der göttlichen Liebe, c) als Bogen des Gerichts, d) als Wiederschein des Friedens in der Ewigkeit. (Vortrefflich und ungezwungen durchgeführt.) — V. Was die Pflicht, mit seinen Freunden in gutem Vernehmen zu bleiben, von uns fordere. I B. M. 13,. 7 —12; 1) jedes Mißverstandniß bei Zeiten auszngleichen; 2) freiwillig den Vortheil zu opfern, der zur Veruneinigung Anlaß giebt; 3) sich sogar, wo nöthig, räumlich von einander zu trennen, ehe die Herzen getrennt werden. — Der Raum dieser Blatter gestattet nicht, einige der vorzüglichsten Stellen als Beispiele der Redeweise des Herrn Verfasser zu geben; wir sprechen daher nur den Wunsch aus, daß das Unternehmen so gefördert werde, daß es ununterbrochen weiter geführt.werden kann. Es wird dann gewiß eine Zierde jeder homiletischen Bibliothek sein, in den Händen der Israeliten aber seine segensreiche Wirkung nicht verfehlen. 15)—18) Sabbat-, Fest- und Gelegenheits-Predigten (1) gehalten zu Bernburg und in den übrigen Synagogen seines Rabbinats von Dr. S. Herxheimer, Herzog!. Anhalt - Bernburgischem Landrabbiner. Heft 1. S. 92. 1836. Heft.11. S. 93 — 196. 1837. Heft Hl. S. 197 — 292. 1837. Heft IV. (mtt Titel und Vorwort) S. 293 — 372. 1858. 8. Wenn wir auch den im Vorworte bezeichnten Mangel an Predigten für das israelitische Publikum durchaus nicht begründet finden, da sich ja schon öfter die entgegengesetzte Klage hat vernehmbar gemacht, so bedurfte es dessen zur Begründung der Herausgabe dieser Predigtsammlung auch gar nicht, da sie schon in sich und ihrem Zwecke völlige Gemäßheit findet. Denn schon einmal ward von Seiten einer Landgemeinde in dieser Zeitung das Bedauern ausgesprochen, daß die nieisten Predigtwerke, die neuerdings für das israelitische Publikum erschienen sind, sich in zu hoch gehaltenem Kreise bewegen, zu wenig auf die nächst gelegenen Bedürfnisse der Mittelklassen Bezug nehmen, und es freut uns, diese Sammlung als eine solche bezeichnen zu können, welche diese Lücke mit glücklichem Erfolge ausfüllen hilft. Dies war allerdings schon in der ehrenwerthen Stellung des Verfassers bedingt, der eine bürgerlich tüchtige Gemeinde einer kleinern Residenz, oder selbst kleine Landgemeinden vor. sich, nicht den baut-gmlt der überreizten Großstädter, nicht die Erschütterung erschlaffter Nerven, zu berücksichtigen hat, sondern dem praktisch thatigen Sinne des Bürgers geistige Nahrung spenden muß, welche ihm am andern Morgen im Wirken des gewöhnlichen Lkbens schon gute Dienste leisten soll. Dazu bedarf es Anschaulichkeit ' der Form, Klarheit der Sprache, Einfachheit der Gedanken, gemüthliche Auffassung und Belebung. Oft ist dieser Ton und dieser Stoff schwieriger zu treffen, als der kühnste Flug der Gedanken und die bewegteste Entwickelung der tiefsten Ideen. — Schon ein Ueberblick über. das Jnhaltsverzeichniß lehrt uns, daß hier die Bedürfnisse des geistigen wie materiellen Lebens des jüdischen Bürgerstandes berücksichtigt sind. „Aufforderung, die armen israelitischen Knaben zur Erlernung der Gewerbe, der Wissenschaften und des Ackerbaues zu unterstützen," „die Mängel unsers Gottesdienstes," „die Erfordernisse zur Verbesserung unsres Gottesdienstes," „darf der Israelit auf volles Staatsbürgerrecht hoffen" — von der andern Seite: „der Kern der mosaischen Religion," ,-echte Wohlthätigkeit," „Kinder sind ein Geschenk Gottes," „Ehre Vater und Mutter," „über den hohen Werth des israelitischen Weibes" rc. sind Themata, welche beweisen, wie gut der Redner seine Aufgabe begriffen, und stets vor Augen gehabt. Eben so vermochten Reoen, wie: „ die weise Beachtung unseres wichtigen Lebens," „die Hoffnung auf ein ewiges Leben im Hinblicke auf den Ewigen," „dasGedächmiß des Gerechten bleibt im Segen," „die wahre Bekehrung" rc. den Hörer und Leser über das gewöhnliche Leben hinauszurücken, und ihm einen höhern Standpunkt unterzulegen. — Es werden hier 12 Sabbat-, I Neujahrs-, 1 Versöhnungs-, 2Pesach-, 1 Hütten-, 2 Schluß-, 1 Psi'ngstfestpredigten, 1 zur Consirmation, 1 Traurede, 1 Trauerrede, 1 Eknweihungspredigt geboten. In allen spricht sich ein gesunder Sinn, der das Wesentliche hervorzuheben versteht, ein richtiges Gemüth, das die wahren Lebensfreuden zu würdigen weiß, ein sicherer Takt aus. Daß in einer solchen Sammlung eine Predigt vor der andern einen besondern Werth hat, und unsere besondere Befriedigung bewirkt, ist natürlich. Wir heben z. B. die dritte Predigt (S. 33—35) als eine sehr gelungene hervor, welche des nicht überbilveten Zuhörers Aufmerksamkeit in Spannung erhält, und an scheinbar unbedeutende Punkte die wesentlichsten Lehren knüpft. Die Überschrift lautet: „Das lehrreiche Bild von der Wanderschaft." Sich knüpfend an 1 B. M. 47, 9, werden sieben Punkte der Vergleichung angegeben: „die Zehrung — aber nur die Reisezehrung, nicht für Zehrung über die Reise hinaus!, 2) Die Bekleidung — die Denk- und Handlungsweise bei der irdischen Arbeit. 3) Das Wanderbuch — die heilige Schrift. 4) Des Wandrers Stab als Stütze und Waffe — der Glaube. 5) Gesellschafter. 6) Die Wanderzeit. 7) Das Ziel der Wandrung. Die Ausführung ist überall angeniessen gehalten und belebend. — Die (fünfte) Eonfirmationspredigt S. 77 — 97 hebt zwar mit einem recht glücklichen Gedanken 'rib'Wb NwN stn 1 B. M. 22 an, der aber nicht durch alle Theile durchgeacbeitet worden. Auch ist die ganze Predigt als „Anrede an die Consirmanden" nach der Prüfung gehalten, darum nicht ganz angemessen, weil diese dadurch viel zu lang und abspannend geworden, wozu nun die Unterbrechung in der Mitte durch den Segen der Eltern willkühclich gestellt ward; wie denn diese ganze Anordnung nicht die glücklichste ist, wenn sie nicht vom Verfasser gerade zu dieser Predigt, also einmal, getroffen worden. An sich ist die Predigt lebendig und beseelt. — Meisterhaft durchgeführt in ihrer Einfach-