Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 66 (1.6.1839)
- Date
- 1839-06-01
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
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266 des Vorstandes der Israelitischen Religions-Gemeinden durch eine -Anzahl .Hüchstbefnuerter' allein, .oder. in .Verbindung mit fern ttv Dienjyhätigkei't verbleibenden Mitgliedern des Vorstandes,, vorgenomnyn werden solle. - , Neueste theologische Streitfragen. ' V. Herrn vr. Creizenach's Vertheidigung wider Herrn Reggio. Die tiefe Verehrung, welche ich Herrn Reggio zolle, und der hohe Genuß, mit welchem ich seine Schriften lese, läßt mich der Schmerz, auch von ihm verkannt zu werden, auch von ihm meine Worte mißdeutet — ich will nicht sagen verdreht — zu sehn, um so empfindlicher fühlen. Jeder Leser, der denTariag besitzt und sich die Mühe geben will, S. 107 nachzuschlagen, wird finden, düst ich auf weiter nichts ausging, als. aus dem Talmud. ' dem Rambam und den Aeußerungen des R. Jos. Aldo zu beweisen, daß das Verbot, die Vorschriften des Pentateuchs zu vermehren oder zu vermindern, einer regelmäßig consiituirten geistlichen Behörde, welche ihre Autorität über ganz Israel ausdehnt, kein Hinderniß in den Weg legt, wenn sie, zur Erhaltung der Religion, unser Ritualwesen zu modificiren wünscht, ungefähr in der Art, wie es Esra und Nehemja modificirt haben, wenn man der Meinung des R. Jos. Aldo beistimmt. So ganz bedeutungslos, wie sie Herr Reggio zu nehmen scheint, können übrigens die Behauptungen im Jßarkm nicht sein; sonst hätten sie ihrem Verfasser nicht so herben Tadel zugezogen , und man hatte nicht von ihm zu sagen gewagt: zb aisite niöry eine Insinuation, mit der man vormals nicht so freigiebig war, als in unsexn Zeiten. Wie man sieht, hat die ganze Frage, um die es sich hier handelt, durchaus keine praktische Wichtigkeit, da es.in unserer jetzigen Lage keine geistliche Behörde geben kann, deren canonische Befugnisse von ganz Israel anerkannt, deren Beschlüsse von ganz Israel befolgt werden müssen. Die Frage, welche jetzt vor allem zu erledigen Noch thut, ist die, ob unser religiöser Zustand durch die heutigen Rabbinen und auf dem Standpunkt der von ihnen vocaussetzlich beliebten Doctrin verbessert werden kann. Wir haben nicht auszumitteln, welche canonische Rechte ehemals das Obergerichr zu Jerusalem befaß, sondern welche heute den einzelnen Gemeinden zustehn. Möge diese für die Rettung unsrer Religion so hochwichtige Lebensfrage nicht übe,r. mü ßige Erörterungen vergessen werden, über Erörterungen yyne alle, praktische Erheblichkeit, bei welchen nichts weiter cherauskommt, als'für den Sieger der eitle Triumph, daß sein Gegner irgend eine Stelle im.Talmud übersehn habe. Auch kann ich nicht umhin über die allzugroße Härte zu klagen, mit welcher Herr Cahen jetzt schon zum zweiten Mal von Herrn Reggio angegriffen wird. Mag er immerhin in seiner rationalistischen Tendenz hie und dazu weit gehn, so, ist doch seiner großartigen Arbeit bedeutendes Verdienst nicht abzusprechen. Ich liebe selbst die rationalistischen Bibclerklarungen nicht, weil ich sie nicht für wahr halte, iüujd it;: MV anpn 78; aber der Achtung für die heilige Schrift thun sie, wenigstens'bei der Jugend, keinen Abtrag, und wenn man sie mit gutem Gewissen beim Unterricht gebrauchen könnte, würde es viel leichter fallen, dieselbe von Spott- und Zweiftlsucht frei zu halten. M. Creizenach. J o rr r rral - M e v rr e. (Fortsetzung.) Wir gestatten uns, bevor wir in unserer übersichtlichen Beschauung weiter gehen, um das Momentane nicht zu verlieren, einiges Einzelne heranzubringen. Daö Morgenblatt vom 20. April giebt aus Paris folgende Bemerkung: „Im Thetltre francais, das, en passant gesagt, noch immer an seinen alten Lorbeeren kaut, verdunkelt jetzt Dem. Rachel ihre ganze Umgebung. Sie ist.eine Jüdin, die, wie ich höre, sehr jung aus Freiburg im Breisgau nach Paris gekommen. Sonderbar, daß auch die Primadonna der großen Oper, Dem. Falcon, eine Jüdin ist. Wo man hinblickt, zwingr uns ein genialer Jude Bewunderung ab. In der Lirerarur Börne und Heine, in der MusikMeperbeer und Halcvy, im Theater die Rachel und die Falcon. Ihr wollt die armen Juden in Deutschland nicht emanciprren; nur Geduld) sie emaNciptrcn sic!, selbst. Gestern Abend wurde im Foyer^ der großen Oper erzählt, daß auch JuleS Janin, das Rez de chanssee deS Journals des Dabats, le Roi du Feuilleton, ein Jude sei. Sonderbar, wenn man einem geistreichen Mann gar keinen andern Kler anhängen kann, so wirft man ihn ohne Umstande unter die Juden. Es wundert mich, daß noch Niemand auf die Idee gekommen, die Behauptung aufzustellen, daß auch Napoleon ein Jude gewff.n. Ist es nicht Beweis genug, daß Napoleon, wie MarchandS Memoiren berichten, eine Idiosynkrasie gegen alles Schweinefleisch gehabt? Gerechter Gott, was läßt sich nicht alles behaupten und anr Ende gar beweisen!" Man sieht dieser witzigen Bemerkung dennoch das Ernstgemeinte an.; Giebt man doch in eben diesem Augenblicke den jungen Diplomaten Löewe-Weimars und mit Bestimmtheit auch für einen deutschen Juden aus. Hielr man doch auch vor einigen Jahren einen spanischen Premierminister für einen Juden? — Diesen Worten gegenüber mögen einige Worte des Gebeimenraths BaronS von Strombeck die er in seinen künftig erscheinenden Darstellungen aus einer Reise nach Wien, Mitrernachtzcilung No 63) zum Beste« giebt, cm Plätzchen finden, indem er von den Juden