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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-25 · Heft 63 (25.5.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 63 (25.5.1839)
Date
1839-05-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Extra-Beiblatt z« No. 63« «tilge m. Zeitung -es Iudentsinins. Zeitungsnachrichten. Magdeburg, 12. Mm. Wir hatten dem Kölnischen „Welt und Staats Boten" in Bezug auf seinen leitenden Artikel in No. 120 folgende Gegenerklärung eingesandt, die derselbe auch Ln No. 128 bereitwillig aufnahm: Magdeburg, 3. Mai. ' Gegenerklärung. In einem aus dem Frankfurter Journal entlehnten Artikel in No. 120 des Welt und Staats Boten wird das Haus Rothschild gegen einige Invektiven in der Allg. Zeit, d. Jud. in Schutz genommen. Die dadurch nothwendig gewordene Erläuterung wird die gedachte Zeitung in einer ihrer nächsten Nummern bringen. Durch einen in jenen Artikel eingestreuten Satz jedoch konnte man zu der Meinung verleitet werden, daß das Haus Rothschild den Plan zur Gründung einer jüdisch-theologischen Fakultät gefaßt, ausgenommen oder befördert hatte, und nur durch die Gegenbemühung der talmudistischen Partei an der Ausführung behindert worden. Nichts von allem Dem ist der Wahrheit gemäß. Es waren nur einige jüdische Gelehrten zu Frankfurt zusammengetreten, um für den von der-Allg. Zeit, d. Jud. gegebenen Plan alldort wirksam zu sein, dieser Verein ging aber, da er -sich nicht einigen konnte, nutzlos wieder auseinander, und Jedermann ließ die Sache fallen. Die Glieder des Hauses von Rothschild aber gedachten an die Beförderung des Projektes durchaus nicht, denn sie würdigten auf die desfalls an sie gerichteten Schreiben den Unterzeichneten Unternehmer, weder von Frankfurt a. M., noch von Wien und Paris aus, nicht einer Zeile Antwort, und dies seit 1837. In dieser Beziehung bedarf auch der an sichfo beherzigenswerthe „leitende Artikel" in No. 120 dieser Zeitung der Berichtigung. vr. Ludwig Philippfon. Auf diese Erklärung hin hat das genannte Blatt folgenden leitenden Artikel in derselben No. unter dem Titel: „Herr vi. Philippson und die jüdisch-theologische Fakultät," gegeben. „In einem Artikel aus Magdeburg hat Hr. vr. Philippson, Prediger der dortigen israelit. Gemeine, einige Angaben des Franks. Journals berichtiget. (S. Korrespondenz-Artikel det heutigen Zeit.) Das Journal wollte die HH. Rothschild von dem Vorwurfe reinigen, daß sie gegen die geistigen und moralischen Interessen ihres Volkes gleichgültig seien; das treffliche Blatt that dies auf die Weise, wie nicht selten deutsche Journale verfahren; es borgte bei der Dichtkunst und machte mit der Anleihe dem goldenen Ruhme der HH. von Rothschild ein Geschenk. — Wie freuten uns, daß die Freiherrn von Rothschild durch die Errichtung einer israelitisch-theologischen Fakultät, durch ihr warmes Interesse für die zeitgemäße Fortbildung ihres Volkes ein ewig grünes Lorbeerblättchett an ihr glänzendes Börsendiadem heften wollten und wünschten dem armen Volke, an das alle Jahrhunderte und alle religiösen Ueberzeugungen eine große Schuld der Unterdrückung und des lieblosen Fanatismus abzutragen haben, Glück, daß ein Haus, welches unter den Machten des jetzigen Lebens sine bedeutende Stelle eiynimmt und einen nicht geringen Einfluß auf viele Regierungen Europa's hat, sich auf eine moralische Weise an die Spitze des zersplitterten Volkes stellte, um es auf dem Wege der Bildung, auf den Standpunkt zu führen, auf dem es das Recht erhält, den deutschen Nationen Zusagen: „Ihr müßt mich als ebenbürtig anerkennen; meine tausendjährigen Leiden konnten mich erniedrigen, konnten mich zwingen, den Staub der Schuhen aller Nationen zu küssen; doch vermochten sie nicht meine Rechte zu vertilgen/ denn ihre Tafeln hangen. dort, wo die Eurigen hangen, .an Gottes Brust; ist der Ewige nicht der Bürge meiner Menschenrechte, ist ec es auch der Eurigen nicht. Den Genuß derselben habt Ihr mir vorenthalten, unter dem Vorwände, daß ich den Bildungsgrad nicht erklommen hatte, der mich zur Emanzipation befähigt. Ich stehe jetzt auf demselben , darum gebt mir den Genuß meiner Rechte oder ich klage Euch des gewissenlosen Raubes an-" Man befähige die Juden zu einer solchen Sprache und viele billig denkende Herzen werden ihre Sache unterstützen; das Volk verschaffe sich die Mittel zu seiner Ausbildung und auf die Dauer müssen die schmählichen Gesetze, von denen Napoleons Dekret keine Ausnahme macht, verschwinden. Wir, welche den Grundsatz vertheidigen, daß alle religiösen Ueberzeugungen gleiche Rechte vor Gott haben und folglich gleiche Ansprüche auf den Genuß derselben im Leben besitzen, sobald sie die Bedingungen zu demselben erfüllen, ergriffen mit Eifer den Gedanken einer jüdisch-theologischen Fakultät und eines Schullehrer - Seminariums und glaubten fest an ihrer Herstellung, sobald die Freiherrn v. Rothschild der Sache sich annähmen. Hc. Philippson hat uns diese Hoffnung benommen; die Freiherren scheinen keinen sonderlichen Werth auf eine Idee zu legen, die nicht zu Aktien zerschnitten, kein Interesse für ein Bedürfniß ihres Volkes zu haben, was nicht in blanken Dukaten ausgemünzt werden kann. Die Frage: Wie hoch kann eine solche Universität, ein solches Seminarium an der Börse kotisirt werden, ist lächerlich und dies haben die Freiherrn richtig gefühlt. Soll aber ein Unternehmen aufgegeben werben, weil es nicht in den Kurszettel kommen kann/soll die Jugend eines Volkes nicht erzogen werden, weil einige Banquiers nicht jeden Morgen fragen können: Nu, wie. stehen die Edukations- Aktien? Wir glauben es nicht; Männer, wie Hr. vi-. Philippson und die ihn unterstützen, werden es nicht fallen lassen. , Sie haben zu dem Zwecke schon 15,000 Thlr. gesammelt; bei dem Dreifachen dieser Summe, durch deren Zusammenbringung die Israeliten beweisen würden, daß es ihnen ernst um die Sache ist und sie zur Erreichung desschönen Zweckes einige Geldopserungen nicht scheuen würben, werden sie auf die Theilnahme der Regierung unseres Landes rechnen können, indem Man von ihrem allgemein anerkannten Geist erwarten kann, daß sie thatig unterstützen werde, sobald' es sich darum handelt, einem nicht unbedeutenden Theile ihrer Unterthanen eine öffentliche und religiös-moralische Erziehung nach den Grundsätzen, seines Glaubens zu gewähren. Es gereicht einer Regierung eben so sehr zum Vorcheile wie zur Ehre, daß unter dem Volke keine große Menschenklasse lebt, welche Parias der Erziehung' und Bildung sind. Wie kann aber die Regierung sich bewogen fühlen, auf diesen Vorschlag eknzugehen, so lange die Juden durch ihre Theilnahmlosigkeit darzuthuen scheinen, daß sie das Bedürfniß einer Hähern Bildungs-Anstalt für ihr Volk noch nicht empfinden, oder, sich wie Frankfurt vornehm -fern davonhalterr? M.

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