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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-18 · Heft 60 (18.5.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 60 (18.5.1839)
Date
1839-05-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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II. Zahrgaug. sr». 14 Literarisches homiletisches Beiblatt. Leipzig, -rn 18. Mai 1839. P a - a g o g r k. Einige Bemerkungen über die Methode des hebräischen Elementarunterrichts mit besonderer Berücksichtigung des praktischem Elementarbuches zur Erlernung der hebräischen Sprache von S. M. Ehrenberg (Vorsteher der Samsonschen Freischule zu Wolfenbüttel). Von Nr. PH, Ehrenberg. Wahrend in neuerer Zeit das Streben der Schule dahin gerichtet ist, die wachsende Summe der Lehrgegenstande durch verbesserte Lehrmethoden zu bewältigen, und durch rationalere Unterrichrsweise das Interesse für Wissenschaften und Sprachen anzuregen und wach zu erhalten, schreitet die Methode des hebräischen Unterrichts nur sehr langsam vorwärts, und das bei den Schülern angeregte Interesse steht größtentheils in keinem Verhältnisse zu den Anforderungen, die namentlich an christliche Theologen und jüdische Schulmänner gemacht werden. In den ersten Klassen der Gymnasien sind gewöhnlich 2—3 Stunden für den Unterricht in der hebräischen Sprache festgesetzt und diese werden von den Lehrern oder den Schülern oft so benutzt, daß letztere ganz ohne Kenntniß der Grammatik in die akademischen Vorlesungen kommen und erst auf der Universität mit unsäglicher Mühe sich die zum Examen nothwendigen Kenntnisse einprägen müssen. Von gründlichem Erlernen der Formenlehre, vom Erwerben eines, möglichst reichen Wortschatzes, vorzüglich aber vom Eindringen in den Geist der Sprache ist von vorn herein gar nicht die Rede; und mit Unmuth blickt der Schüler spater auf die unnüh vergeudete Zeit, da selbst der gewissenhafte Lehrer bei der Menge andrer ihm obliegender Untercichtsgegenstande den Unterricht im -Hebräischen meist nicht gründlich zu leiten im Stande ist. Der Zweck, daß die künftigen Prediger,, wie das neue Testament so das alte in der Ursprache zu lesen und danach den wahren Geist der Moses-Lehre zu erfassen vermögen, geht gänzlich verloren, und nur diejenigen, welche ihre Neigung der orientalischen Philologie zuführt, 'kommen über die ersten Rudimente der Sprache hinweg und besiegen durch eigne innre Anregung die unnützen Hemmnisse des ersten Unterrichts in der hebräischen. Sprache. Sehen wir nun auf die in jüdischen Schulen zum großen Theile noch angewandte Methode, so finden wir hier denselben Mangel im umgekehrten Verhältnisse. Hat man sich auch in neuer Zeit von dem alten, rein empirischen Wege ein wenig entfernt und der Grammatik etwas Raum gegönnt, so tritt doch das praktische Bedürfniß bei den Juden sehr störend dazwischen, indem man schon von jungen Kindern geläufiges Lesen und wo möglich Verstehen der hebräischen Gebete und des biblischen Urtextes verlangt. Der jüdische Lehrer hat die traurige Pflicht, zuerst, neben einer gewissen Gewandheit im Lesen, ein halbmechanisches Nachspcechen beim Uebersetzen der Gebete und der Bidet selbst den Kindern beizubcingen, ehe er den Verstand, das Bewußtsein derselben in Anspruch nehmen darf; und nur die bedeutende auf das Hebräische verwendete Zeit hilft das gewünschte Ziel erreichen. Dagegen muß sich der Lehrer mit Schmerzen gestehen, daß der Elementarunterricht überhaupt sich in jüdischen Schulen entweder äußerst lückenhaft gestaltet oder bei der Hausung der Lehrgegenstande dazu beiträgt, die Gesundheit der Kinder zu untergraben. Man bedenke nur, wie, viel Zeit es in jeder christlichen Schule erfordert, die Elemente des Lesens, Schreibens, Rechnens u. s. w. gründlich zu betreiben, und füge zu allem dlesennochdi'e für unsre Knaben nöthigen Kenntnisse der Bibel, der Gebete-, (häufig des Talmuds), und man wird sich nicht wundern, wenn die jüdischen Kinder selbst da, wo keine außre Bedrückung Statt findet, mit ängstlichen Stubengesichtern, gebückten Häuptern und verkrüppelten Körpern einherschleichen. Es ist hier nicht der Ort, 'über die angedeuteten Mängel des hebräischen Unterrichts noch weitläufiger zu reden. Die Thatsache ist so constalirt, daß kaum Jemand den alten Schlendrian zu vertheidigen übernehmen möchte. Man hat daher auch schon langst auf Abhülfe gedacht, und an Chrestomathien, Uebungsbüchern u. m. dgl. istkein Mangel. Ohne indessen denselben insgesammt ihr Verdienst absprechen zu wollen, sind wir der Meinung, daß das Uebel bisher nicht in seiner Wurzel angegriffen worden ist.

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