Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 58 (14.5.1839)
- Date
- 1839-05-14
- Page
- Seite 232 (sequence 2)
- Language
- German
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232 Synagogen beschenkt werden — wir berichten dies auch wohl zur Zeit — aber Aufhebens können wir nicht davon rya-> chen. Und sdas sei zur Genüge. Ein Jeder lese inur M^ 33. uttb SC flod) einmal. Wir haben keineJnvecliv^'M schmiedet, wir haben uns nur unsrer Haut gewehrt, .wkik Etliche meinten, man könne uns mit Recht drücken, zucücksetzcn, weil jenes Haus geldgroß ist. Wir wollten dem blinden Haufen einen Götzen zerschlagen, daß er den rechten Weg kennen lerne. - Wir wollten unsre Feinde und Freunde überzeugen, daß wir arm sind, weil uns die verlassen, welche das Vermögen haben, denn das Beispiel steckt überall an.' Vor Allem aber erfreut es uns, Aufmerksamkeit erregt zu haben, damit die Worte: Humanität, Wohlthärigkeit, Wirksamkeit, inniger Eifer für das rechte" Wohl' Tausender nicht immerfort verschwendet werden. Der Abfasser jenes Artikels ironisire daher nur immer weiter-auf seine Clienten. Er arbeitet uns in die Hände. . Paramaribo *), 30. Dezemb. (Pri'vatmitth.) Es wird Ihnen gewiß angenehm sein, Ihren Lesern etwas Ge. naueres über eine zwar sehr entfernte, aber beinahe 1500 Seelen fassende Gemeinde in Südamerika,zu berichten, in Südamerika, wo die spanische und portugiesische Unduldsamkeit den Israeliten so wenigen Raum gestattet hat. Wir bilden jedoch eigentlich hier zwei Gemeinden, eine portugiesische, welche "die altere ist, und eine hochdeutsch-niederländische. Beide, haben sich unter dem beglückenden Zepter Niederlands zum gedeihlichsten Ziele entwickelt. Die altere voran. Die hiesige portugiesische Gemeinde, ungefähr 700 Seelen fassend, nämlich beiläufig 220 Familien, von denen 180 hier, 8 in dem der portugiesischen Gemeinde gehörigen, früher blühenden, jetzt sehr verfallenen Dorfe Savana, und 30 auf Plantagen zersteut wohnen, besitzt zwei Synagogen, eine in Savana und eine in Paramaribo P"IL). Die Synagoge in Savana ist bereits 1685 aus Stein erbaut, die zu Paramaribo erst 1737, welche letztere von Zeit zu Zeit verbessert, vergrößert, und 1836 fast gänzlich reparirt wurde. Sie steht allerdings der hochdeutschen an Zierlichkeit nach, aber ist sehr angemessen eingerichtet. Die Gemeinde ist sehr gut organisier, hat zwei Vorsänger, eine Schule, eine wohlthätige Gesellschaft, welche für den Unterhalt von 30 Familien sorgt. Die Schule in Savana ist wegen Mangels an Kindern eingegangen. Jetzt besitzt diese Gemeinde einen sehr tüchtigen Prediger, Herrn B. C. Carillon, der am 9. Dezember 1837 'seine Antrittspredigt hielt. Unvergeßlich wird diese allen Zuhörern bleiben, da wol Niemand mit tiefer ergreifenden Worten sprechen kann, als dieser würdige Geistliche von seinen Empfindungen sprach, da er Vaterland, Verwandte, Freunde verließ., um in einem andern Welttheile seinen Glaubensgenossen das Wort Gottes zu verkünden, und von den Wegen, auf denen er diesem hohen Berufe Genüge zu leisten streben werde. Unter seinen, im Lause dieses Jahres gehaltenen Ppedkgten zeichnete sich besonders die am vergangenen Wochenfeste aus. •) Paramaribo ist der Hauptort von. Surinam oder dem niederländischen Guiana (Südamerika). Die hochdeutsch - niederländische Gemeinde existkrt 'erst seit dem 6. Januar 1734. An diesem Tage nämlich schlossen di^Glieder derselben, welche bis dahin sich zu der portugiesiAen gehalten, mit-letzterer einen Vertrag, nach welchem sie sich für sich constituirte, unter dem Namen JTD mbw, und eine Synagoge, bte 1719 von den Portugiesen erbaut worden, ihrem Gebrauche erhielt. Diese Synagoge wurde 1780 vergrößert, 1833 aber ward beschlossen, sie ganz von Neuem aufzubauen. Mittlerweile nämlich hatte sich die Gemeinde so vermehrt, daß sie jetzt zahlreicher ist, als die portugiesische, und über 750 Seelen zahlt, wovon nur einige auf Plantagen leben. Am 3. Juli 1835 wurde in Gegenwart des Prinzen Willem Frederik Hendrik K. H., des General-Gouverneurs Exc. und aller Militair- und Civil-Behörden feierlichst, der Grund gelegt. Im schönsten Geschmack der neuern Baukunst, ein wahres Meisterstück, erhob st>sich bald zur Freude aller Bewohner Paramaribo's. Am 5. Mai 1837 wurde das Einweihungsfest begangen, welches mehr als je die schöne Stellung offenbarte, welche die Israeliten Hierselbst einnehmen. Hohe und Niedere wetteiferten in der Theilnahme, Sr. Exc..der General- Gouverneur nebst Frau Gemahlin, wohnte nicht bloß dem Gottesdienste, .sondern auch einem darauf folgenden Mahle im Hause des Vorstehers Kejzer bei, und hielt selbst hier eine höchst gemächliche Anrede. Die Predigt wurde beim Gottesdienste von Herrn Ph. Heklbronin sehr gediegener Weise gehalten. Chöre und Orchester erhöhten die Feier. Der Surinaarysche Courant vom 6. Mai sagte bei dieser Gelegenheit: „Angenehm war es zu sehen, daß so viele Menschen von verschiedener Confession hier beisammen waren, um dies Bethaus feierlich dem zu weihen, der Alker Gott und Vater ist. Wir mögen uns nicht verbergen, daß es sich hierbei erwies, daß der Friede und die Eintracht in unserer Kolonie eine höhere Stufe erreicht hat, als in irgend einör^ europäischen Stadt. Herzlich wünschen wir, daß dies prächtige Tempelgebäude vor allem Unheil lang bewahrt bleibe, daß Jehova's Augen Tag und Nacht darüber wachen mögen, daß Seinem Namen dann aufrichtig gedient werde, auf daß die Gemeinde von diesem Tempel bezeugen möge: Fürwahr der Herr ist an diesem Orte! düs ist ein Haus Gottes! das ist die Pforte des Himmels!" ' Die Gemeinde entwarf im Jahre 1835. sehr treffliche neue Statuten für die Armenverwaltung, ..in die zwei frühere Gefellschaften, ni’m und ntoRV nöfi, nunmehr aufgingen. Sie setzte sich züm Ziele, dem Müssiggange jeder Art zu steuern , die Kinder armer Eltern zu erziehen, Jünglingen ein' Gewerbe, Jungfrauen Handarbeit lehren zu lassen, und zu diesen Zwecken hinter der Synagoge ein Schulgebäude und ein Stift bauen zu lassen.' — Die Gemeinde besitzt auch zwei Begrabnißplätze. So f>at sich hier Alles zum Besten gestaltet, man sieht, es bedarf nicht bloß der europäischen Sonne, um schöne Früchte zur Reife zu bringen. Wenigstens kostet es hier wenigere Kämpfe, da altes, Gerolle nickt wegzuschaffen ist. Nächsten- Etwas über andere Niederländische Kolonieen. '