Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 58 (14.5.1839)
- Date
- 1839-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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in. Jahrgang. Allgemeine No. S8. Zeitung -es Zu-enthums. Ein nnpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König». Sächsischer allergnadigstrr Concession ) Leipzig, den 14. Mai 1839. Aeitirngsuachrichte«. . Magdeburg, 3. Mai. (Prkvatmitth.) In dem . Frankfurter Journal,, und aus ihm im Welt - und Staats- Boten (Köln) Nö. 120. liest man folgenden Artikel: '„Frankfurt, 25. April. In der „allgemeinen Zeitung des JudenthuMs" befindet sich ein Artikel über das Haus Rothschild, der nur aus der Unbekanntschaft des Verfassers mit der nkchtmerkantilischen , Wirksamkeit dieses Hauses her-, vorgegan'gen sein kann. "Der Verfasser beschuldigt dasselbe der Unthätigkeit inder Angelegenheit der Emanzipation^ seiner Glaubensgenossen', scheint aber nicht zu wissen, daß die Israeliten Kuchessens ohne die wirksame Verwendung dieses Hauses die Gleichstellung nicht erlangt haben würden und daß die hiesige Gemeinde die günstige Feststellung ihrer bürgerlichen Rechtes vorzüglich den Bemühungen und Aufopferungen-desselben zu verdanken hat. Wenn seine Verwendungen in.andern deutschen Staaten nicht mit gleichem Erfolge gekrönt waren, so hat dasselbe es wenigstens nicht an Eifer und Interesse fehlen, lassen^ Eben so unbekannt scheint es dem Verfasser'zu sein.,' daß dieses Haus sich in dem schönen Hospital für hie . Krankenkasse und Ausstattung desselben tnit einer jährlichen .Rente , von 1900 fl. ein schönes Monument gesetzt hat. und daß die Vereine zur Bildung von Handwerkern von demselben kräftig unterstützt worden sind. Die unter günstigen Auspicien eröffnete Versammlung zü einer, SuMrsption für die pcojektkcte..jüdisch-theylogische' Fakultät'zerschlug "sich, bloß durch dje, von den T.almudgläübigen Mitgliedern der Versammlung gestellte Bedingung, daß die von.hier zü wählenden Deputaten '.der Approbation des Rabbiners. unterworfen werden sollten. Ob der Einfluß, den die Geldgeschäfte dieses Hauses' auf dessen Glaubensgenossen gehabt, ,ein schädlicher gewesen, sel, 'vermögen wir nicht zu beurtheilen; in keinem Falle jedoch kann es demselben' zur' Last gelegt.‘ werden, wenn , die Natur des Papier- Handels und Pas damit verbundene Börsenspiel eine 'nachtheilige Wirkung.auf.dieSittlichkeit ausüben." . —. Wir ' müssen gestehen, diese . Vettheidigung des Rothschild'sch.est . Hauses gegen , den betreffenden Artikel in No. 33. und. 34.' d. 3^ scheint'uns eine starke Ironie. Der Schalk sitzt wo.t Dahinter.. Wer den gedachten Artikel noch einmal liest,' her'.,darin aufgefühcte'n Thatsachen, und Fragen beherzigt, und'diese sein sollende Beantwortung ge-. genüberstellt, kann nicht andrer Meinung sein. Dann aber , müßte sich das gedachte Haus für solche Vettheidigung herzlich bedanken. Ich will lieber einen festen, zuverlässigen, wenn auch von Vielen nicht gebilligten Standpunkt einnehmen, als einen halben, schwankenden, kleinlichen. Könnte wol der Abfasser dieses Artikels sonst sagen, daß das gedachte. Haus sich ein schönes'Monument errichtete, indem es eine Frankfurter Krankenkasse mit noch nicht jährlichen 900 Thlrn..ausstattete? Dann, müßte .man ihn nur an Salomon Heine erinnern, der l00,000 Mark Vanco zu einem Institute für unbemittelte Hamburger bestimmte, an das Lazarus Gumpel - Stift in Hamburg, welches allein einen Sparfonds von 30,000 Thalern hat; beide sind erst 1837 gegründet — es muß Ironie sein. Könnte der Abfasser sonst wol sagen, daß die Israeliten Kurhessens die Gleichstellung nicht ohne Rothschilds Verwendung erhalten hätten, dä doch Sie Debatten der Kurheffischen Stände aller Welt vorljegen, und wir von einem Einflüsse Rothschild's auf zwei Ständehäuser wirklich nie etwas gehört haben — es muß Ironie sein. Könnte sonst wol der Abfasser den Redakteur dieser Zeitung der Unkenntniß zeihen, in jetziger Zeit, wo selbst die kleinste, unbedeutendste Thatsache mit tausend Zungen ausgeschrieen wirb? — es muß wirklich Ironie sein. Die glänzendste Ironie ist es aber, daß der Abfasser einen zweideutigen Satz einstreut, nach welchem es.scheinen könnte, -daß Rothschild das Projekt zur Gründung einer jüdisch-theologischen Fakultät befördert hätte -— da es doch nur einige Gelehrte Frankfurts waren, welche zu einem Commitee für diesen Zweck zusammentratm, sich aber nicht einigen konnten, und wieder auseinandecgingen. Und in diesen Jrrthum ist z. B. der Kölner Welt- und Staats-Bote wirklich verfallen, indem er.in einem langen leitenden Artikel in No. 120., auf obigen Artikel hin, erzählt, v. Rothschild hätte eine jüdisch-theologische Fakultät ' gründen' wollen, die Talmudisten hatten ihn aber daran gehindert! Damit, der Abfasser aber nicht noch einmal uns der Unkenntniß beschuldige, so. sagen wir ihm: daß wir schon im Jühre -1837 beim Beginne der Sudscription an die Herren von Rothschild in Paris, Wien und Frankfurt am Main deshalb, geschrieben, und bis heute noch Antwort erhalten, sollen! .Es ist keine Ironie, daß uns das Porto dauert. ^..Das.Ende 'des Artikels übergehen wir. — Gern, sehr gern würben wir zurückstehen, mit Freuden unfern'Artikel widerrufen. Aber njcht/Worte, nicht Worte, sondern Thaten wollen, wir! — Wir könnten noch heute, was wi>7 gesagt, mit gar Vielem vermehren, daß der Abfasser über unsre Kenntniß sich wundern sollte, aber nicht Privatsachen' zu berühren ist ünsce Aufgabe. Wlt 'wissen auch wohl, daß manchmal einige Bettler bedacht-) einige