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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-09 · Heft 56 (9.5.1839) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 56 (9.5.1839)
Date
1839-05-09
Page
Seite 224 (sequence 2)
Language
German
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224 Jubilar wurde ein neues Omat angelegt. Nach verschiedenen Gesängen hielten die Herren Liepmannssohn, Bretzfeld aus KaderbStn und PofeneN höchst' angemessene Festreden, dev: letztere ganz improvistreng da <er sich erst während deß Gottesdienstes dazu entschloß. Nach dem Gottesdienste wurde ein Festmahl zu 90 Gedecken gehalten, von welchem eine viel größere Zahl nur der beschrankte Raum abhielt. Nachdem das Brod gebrochen, hielt der Herr Landrath eine Anrede an den Jubilar, aus der wir nur folgende Worte entnehmen: ' „ Von der fünfzigjährigen Amtsführung als Gemeinde - und Jugendlehrer, haben Sie sehr geschätzter Herr Jubilar, den Zeitraum von bald 41 Jahren mühsam und sehr sorgfältig dazu angewendet, die Kinder Ihres Glaubens der'hiesigen Gemeinde und deren Nachbarschaft zu guten Staatsbürgern heranzubilden, und durch Ihren sehr bewährten erfolgreichen Unterricht dahin geleitet, .um durch Intelligenz und Sittlichkeit, Rechtlichkeit und Biederkeit bürgerliche Gewerbe ergreifen, so wie durch die ihnen zugetheilten Kenntnisse,in anpassende Verhältnisse zu ihrer eigenen Wohlfahrt und zur Zufriedenstellung ihrer Familien zweckdienlich eintreten zu können. Mit freundlicher Gewährung dieser amtlichen gemeinnützlichen Einwirkung haben Sie aber auch eine-vielseitig benutzte Gelegenheit dargeboten und erfolgreich bethatigt, viele Kinder der christlichen Familien, welche sich besonders dem Kaufmannsftande widmen wollten, die benöthkgte vollständige Vorbildung zu geben, wobei denn auch gleichfalls Ihre patriotischen Gesinnungen, und Ihre moralische Hinneigung für Wahrheit und Recht.zur Entwickelung der jugendlichen Charactere als Muster zur'Nachahmung und Anwendung eingewirkt haben. Soll ich Ihnen, mein würdiger Freund, die Bewehr dieser wohlverdienten Anerkennung aus .der Vergangenheit und Gegenwart vorführen, dann darf ich nur Ihre Blicke,in die gegenwärtige Versammlung leiten, und Sie gewahren bann viele Familienvater, welche JhNen mit dem deutungsvollen Zeichen in ihren Augen den innigsten herzlichsten Dank dafür gern darbringen, daß sie durch Ihren Unterricht und Ihre Anleitung die Wege zu ihrem erwerblichen Fortkommen erkannt, und zur Gründung eines glücklichen Familienlebens wirksam verfolgt haben. Und wenn nun auch die Kinder dieser Familienvater sich Ihrer Fürsorge zu erfreuen haben, so habe ich Ihnen nicht minder erkenntlich Ihre gegenwärtige amtliche und beihülfliche Wirksamkeit mit dem allgemein vernehmlichen Wunsche begleitet angedeutet, daß die allwaltende Vorsehung Ihr ferneres werkthätiges Wirken, durch die Erhaltung ihrer geistigen Mittel und physischen Kräfte, in ihren segensreichen Schutz nehmen, und den heranrückcnden Abend Ihrer gemeinnützlichm Amtsführung mit den besten und reichhaltigsten-Gütern des Lebens, dem Bewußtsein gutvollbrachter Werke, der allgemeinen hocha'chtungsvollen Werthhaltung ihrer Gemeinnutzlichkeit und hieraus abzuleitenden eigenen Zufriedenheit ausschmücken und erfreuen möge.'' , Hierbei überreichte der Herr Landrath folgendes Schreiben der Königl. Preuß. Regierung zu Minden: .. „Wir haben in Erfahrung gebracht, daß Sie am 10. April d. I. mit Ihrem 70sten Geburtstage zugleich das 50ste Jahr Ihrer Wirksamkeit als jüdischer Gemeindelehrer,...mithin -Ihr .50jqhriges Amts-Jubiläum feiern werden und^daß Jhr^FreUnde, besonders Ihre ehemalige Schüler beabsichtigen; ^hmn an diesem für . Sie in doppelter Begehung wichtigem Tage Ihre- Anhänglichkeit und Dankbarkeit auf eine festliche Weise zu bezeugen. Durch Ihre denn hohem Berufe eines Religions- und Jugendlehrers angemessene, stets bewiesene würdige Haltung -und Führung, finden auch wir uns veranlaßt,' Ihnen zu ' dem bevorstehenden feierlichen Tage unfern Glückwunsch zu erkennen zu geben. Der allmächtige Gott erhalte Ihnen noch lange Leben und Kraft zur nützlichen Wirksamkeit in Ihrer Gemeinde und,bei der Ihnen in derselben anvertrauten Jugend, Er erfreue die Ihnen noch bestimmten Lebenstage mit dem besten Segen, -erleichtere Ihnen durch Seine Gnade die Sorgen und Beschwerden des Alters und lasse Sie mit der erquickenden Hoffnung auf ewige Freuden einst Ihren treu erfüllten Beruf auf Erden ruhig beschließen. Minden, den 22. März 1839. Königlich Preußische Regierung. Richter, Kalisky, v. Borries, F. Nauck, Ganzer Hohenhausen, Sasse, vr. N. Meyer, Zieren, v. Wedell, Mauderowe, v. d, Mulbe. Festlieder, Toaste, Vorträge, Ueberreichung eines silbernen Bechers, von Kränzen ff. belebten noch die Feier, die sich bis tief in den Abend-verlängerte." Indem wir allen denen,welche eine so erfreulicheTheilnahme an diesem Feste bewahrten, den innigsten Dank abstatten: wünschen wir, daß die Jugendlehrec unsres Glaubens sich den würdigen Jubelgreis zum Muster nehmen, und wie er, Keime der wah- . ren Aufklärung und Religiosität in die Herzen der Jugend verpflanzen mögen — dann möge an dem Abend ihres Lebens auch ihnen eine so herzliche Anerkennung zu Theil werden. D. und E. TaZes-Coirtrolc. D i e e tr glische Frag e. Zweiter Artikel. Wir haben, vor Kurzem die Bewegung des Judenthutns in England, nach innen betrachtet, ihre Richtung kennen gelernt. Außer dieser ist aber auch eine zweite, nach außen, wahrzunehmen, in der Verwahrung vor den immer kräftigeren, wenn auch nicht glücklicheren Angriffen von Seiten der Londoner Judenbekehrungsgesellschaft, und es ist gewiß vom. höchsten. Interesse, etwas naher darauf einzugehen.. . Ueberschauen - wir die Geschichte des gegenseitigen Verhältnisses dex Synagoge und Kirche, so stellt sich die Bemerkung klar heraus, daß die Synagoge bis in die Neueste Zeit weit weniger polemisch verfahren ist gegen die Kirche, als diese gegen jene, Wie auf sich selbst und ihr fest geschlossenes Gebärde vertrauend, hat die Synagoge zwar in

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