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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-04 · Heft 54 (4.5.1839) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 54 (4.5.1839)
Date
1839-05-04
Page
Seite 217 (sequence 3)
Language
German
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217 darauf muffen wir bestehen, das thut uns Noch, wenn wir eine wissenschaftliche Theologie erhalten wollen, wenn Israel von seinen alten und neuen Wunden genesen, wenn der Geist des Herrn es von neuem beleben und vereinen soll. — Bibelforschung war von jeher in der Synagoge nicht blos erlaubt, sondern Pflicht, und die freie auf wissenschaftlichen und Sprachgründen beruhende. Exegese gesichert durch den Ausspruch: 1221122 Katn 81P72 *p« und wenn das Resultat derselben auch den Kntscheidungen der Gesetzlehrer zuwider lief, so blieben diese als Tradition unangefochten, ohne aber der natürlichen Auffassung der Schriftworte Eintrag zu thun. Und dieses Recht sollte uns in Bezug auf Mi sch na und Gemara nicht zustehen? da sollten wir an die Receptkon der Spatem gebunden sein, wenn wir auch offenbar sehen, daß sie die Erklärung nicht aus Ueberliefecung sagen, sondern nach vielen Debatten den Sinn zu ermitteln suchen? — Es werden sich da allerdings auch praktische Ergebnisse und Abweichungen von den Entscheidungen unserer Casuisten Herausstellen, die'wir nicht wohl werden abweisen können; aber warum wollten wir sie denn zurückweifen? warum den Gebrauch unserer Vernunft scheuen, und das Licht der Wissenschaft in diesem Felde nicht benützen, wenn Schuft und begründete Tradition uns vor Mißbrauch schützen? Wir erkennen nur eine einmalige Offenbarung des Gesetzes. ('2 tfb 82^72 aan), und seitdem ist es unsere Aufgabe, es zu erforschen, darüber nachzudenkm, und nach den Ecgebnißen unserer Forschung unser Leben einzurichten. So ward es auch von jeher in Israel gehalten, und keine menschliche Autorität durfte dem Geiste Fesseln anlegen. Wo machen unsere Lehrer (wo sie als Gelehrte sprechen und weder als Fortpflanzer der Tradition, noch als Mitglieder einer Religionsbehörde, der Gehorsam gebührt, aus blinden Glauben, auf Unfehlbarkeit Anspruch? Sie benützten ja selbst zu ihren Aussprüchen profane Wissenschaften, und zogen immer Sachkenner zu Rache. Wie oft weicht die ttai'in« 5-121272 _ von der 5-7211281 N21272 ab? Ist es nicht Grundsatz innaa i-ia^in? Nach Abschluß des Talmuds hörte man zwar auf, diesen Grundsatz gegen die Lehrer desselben zu benützen, oder wagte es eigentlich nicht, ihnen zu widersprechen; aber wo es sich um Wahrheit handelt, da' gilt kein Verjährungsrecht und die Abweichungen von den Aussprüchen ber Frühem waren darum nicht seltener, nur gedeckt durch die Regel ftsVir ipiy awa so wie das Fach der Dogmatik immer frei blieb und die Ansicht der Altvordern (in wie fern sie sich nicht durch Schrift und Tradition legitimiren konnte), nie als Norm anerkannt wurde. Sie wissen, wie ich unsere Alten, die Weisen des Talmuds ehre, nicht nur als Fortleiter der Ueberliefecung, als treue Wächter des ihnen anvertrautcn göttlichen Schatzes, den sie ' durch ihre Sorgfalt .durch so viele Jahrhunderte. hep.,Zerstreuung . und Verfolgung uns . erhalten, syMm auch weil ich einsehe, daß bei ihren/Aussprüchen in . der That .höhere Ansichten (und nie Willkühr) sie gleitet, die sich freilich uns erst dann ergeben, wenn wir mir ihren Zeit-und.Ort^ vechältnissen vertraut, , einen Gegenstand bis .auf den.<Gegy.d verfolgen und die Gesammt.anschauung aufsuchen,/ von die einzelnen (allerdings oft auffallenden) Aeuß,erungen cM? gegangen;*) aber als Menschen waren sie auch voy -jW ^Einflüssen ihrer Zeit und von menschlichen Regungen nicht frei, und folglich dem Irrthum unterworfen, und: verdienen auch ihre Worte und' Aeußerungen alle mögliche Berücksich^ tigung, und ist es sträfliche Anmaßung, sie zu verwerfen,. ohne sie reiflich erwogen und von allen Seiten sorgfältig untersucht zu haben, so können wir ihnen doch nicht blindlings folgen, und wollten wir auch ihnen gegenüber unsere Vernunft zum Schweigen bringen, so dürfen wir doch nicht unser Gewissen preis geben.. Diese Eine Frage ist es auch, die,, meiner Meinung nach, die Sache zur Entscheidung bringen müßte, und die ich Herrn Hirsch (so wie Allen, die an den überkommenen Uebungen und Satzungen nichts geändert wissen wollen, und jedes Streben zur Regeneration des Judenthums, zur Wiederbelebung der (gottesdienstlichen) Formen und Entfernung alles dessen, was der Belebung unfähig oder unwürdig ist, durch den Namen Neuerungs- oder Reformationssucht zu brandmarken suchen) vorlegen möchte, die Frage, was er denn 'mit Sätzen wie '2 's ri:p uni)-'2 'a tVi 52h mache? (wenn auch unter 2^22 allerdings Heiden zu verstehen sind). Wohl weiß ich, daß diese und ähnliche Lehren selten in's Leben drangen, jetzt aber dem Volke ganz unbekannt sind; aber die Frage ist: Können Codices, in denen sie noch immer stehen, unverändert beibehalten werden? Männer, die sie — von ihrem Zeitgeiste influirt, oder auch in einer durch ") Dreß in einzelnen Beispielen nachzuweisen, ist hier nicht der Ort, doch Eines will ich berühren , wo ein Rabbiner (Herr Gutmann in Redwitz, den Herr Hirsch zwar 'aufzieht, aber nicht widerlegt) die Rabbrnen des Talmuds der Inhumanität (während er sie tadelt, daß sie T2&2 iTjVPT nicht: „sie spucke in sein Gesicht" sondern: „sie spucke vor ihm aus" übersehen, was doch offenbar Humanität) und Ungerechtigkeit beschuldigt. Allerdings hätte er Recht von seinem biblisch-exegetischen Standpunkte aus, den aber die Talmudisten nicht anerkennen. Und warum? Weil er ihnen für ein göttliches Gesetz ein viel zu niedriger ist, und sie von diesem lieber gar keine Ursache wissen (daher sie auch keineswegs als Strafe auffassen, sondern unter den mpn anführcn /2t"dN721‘') als ihm eine ihnen unwürdig scheinende unterlegen wollen, wenn auch der Buchstabe noch so sehr dafür wäre. Die Erhaltung des Namens können sie nicht gelten laßen, wegen 2es. 58, 4, .5 und noch weniger die Sorge für die Wittwe, für die durchrtairb ‘'fiOni rmanp gesorgt ist. Für den besondern Fall, der Herr Gutmann Vorgelegen,^ ließe sich jedoch Vieles aus den Gutachten der Geonim aufführen, welche die Sache überhaupt leichter genommen-

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