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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-05-04 · Heft 54 (4.5.1839) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 54 (4.5.1839)
Date
1839-05-04
Page
Seite 218 (sequence 4)
Language
German
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218 bittere Erfahrungen gereizten Stimmung nur einmal — aus- -gesprochen für-infaillkble erklärt werden? — Eine ähnliche Bewcrndtniß hat es mit den Aenderuntzen im Kultus, wo Manche noch immer die Abschaffung unpassender Gebete als 'eine Gottlosigkeit betrachten/ als wenn das Sprechen 'von 'Gebeten, in welchen z- B. Klagen Vorkommen über Druck -undlVerfolgungen/ die längst-aufgehört,' nicht Undank gegen Gottnicht Gottlosigkeitwäre. --Gern glaube ich, «daß er den Kampf in der reinsten Absichtbegonnen, und chatte et-ihn-auf eine dieser Absicht entsprechende Weise geführt,-sein'e'Mühe-wäre-gewiß nicht vergebens gewesen und 'er-hätte -auf jeden Fallzur.Erzeugung' eines kräftigem Ernstes -und einer großem -Umsicht bei Allen, die sich für die zeitgemäße Entwickelung und Fortbildung des Jüdenchums wirkenberufen fühlenbekgetragen; aber nicht minder rein ist -auch -unsere Absicht (wie Viele dieser Plural umfasse/ weiß ich freilich nicht-,-'doch ist die Zahl derselben gewiß weit 'größer als Herr Hirsch und Consorten glauben) auch wir wollen nicht einreißen, 'Nicht zerstören, nicht uns die Last des Gesetzes erleichtern, sondern das köstlichste Kleinod, das uns-unsere' Vater hinterlassen , vom Röst der Zeiten reinigen, damit es in seinem reinen Glanze uns strahle, Aug' und Herz erfreue und mit himmlischer Kraft ausrüste, und sich die Verehrung aller Welt erwerbe. Und gehen auch Einige nicht mit der gebührenden Schonung, viel- ' leicht auch nicht mit der gebührenden Gewissenhaftigkeit an dieses heilige Geschäft/ ich fürchte nicht, daß es ihnen gelingt, auch nur einen Gran vom reinen Golde abzuceiben, so wenig als die Bemühungen der Obskuranten, die das Licht der Wissenschaft auslöschen- und das Leben lieber verwildern lassen, als nach ihr regeln möchten, mir im geringsten bange machen. Leben Sie wohl, und lassen Sie uns auf den Gott der Wahrheit vertrauen. Ihr Freund _ Abraham Kohn.. Anzeiger Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen I Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Ankündigung einer in Prag neu errichteten Lehr- und Erziehungs-Anstalt für israelitische Mädchen. - Die unter den'Israeliten sin Böhmen immer rastlos fortschreitende Entwicklung des religiösen und sittlichen Lebens, hat auch das Bedürsniß einer zeitgemäßen Erziehung und Bildung des weiblichen Geschlechts angeregt. So bedeuiend aber in dieser Hinsicht die Opfer auch sein mögen, so trifft es sich bei der gewöhnlichen Verfahrungeart häuslicher Erziehung nicht selten, daß Ettern ihre Wünsche nicht vollständig erfüllt sehen können. Währcnd sür die chöhre Ausbildung det Söhne Hilfsmittel jeder Art, Schulen jedemRangs offen stehen, ist die Erziehung der Töchter auf did engen Grenzen des Hauses beschränkt. Bei dm Verhältnipen des israelitischen Familien - Lebens aber, wo die Frau ihrem Gatten in seinen Berufsgeschäften treulich zur Seite zu stehen'pflegt,das befonders in Böhmen der Fall ist — ergibt sich der Umstand häufig, daß selbst Mütter von hohrer Bildung der. Erziehung ihrer Töchter nicht die gehörige Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmen können. Dreß berücksichtigend entschloß sichdie Unterzeichnete mit hoher Gubernial- Bewilligung vom, 30. August'1838 Z : 44051, ein Lehr- und Erziehungs-Institut für israel.Mädchen rn'sLeben treten zu laffew,-in welchem die Zöglinge zu ihrer Bestimmung bestens vorbereitet werden sollen. Das Streben der- Anstatt erzielt somit die Bildung des Herzens durch Religiosität und Sittlichkeit, die Bildung-des Geistes durch zweckmäßigen Unterricht, und endlich den Anstand und die Anmuth des Aeußern durch naturgemäße physische Erziehung. Um diesem Zwecke vollkommen zu entsprechen, wird der Unterricht in den einzelnen Fächern, unter Mitwirkung und Leitung der Gefertigten, von ausgezeichneten und bewährten Lehrern und Lehrerinnen crtheilt werden. Diese Anstalt, welche sich noch überdicß der Ueberwachung von Seite einer löbl. k. k. Schulen-Ober-Aufsicht erfreut, wird demzufolge am Ende eines jeden Jahrs in Anwesenheit des Herrn Schul-Ober-AufseherS bei einer öffentlichen Prüfung, die Leistungen und Fortschritte der Zöglinge der allgemeinen Beurteilung unterziehen. . -Der Unterricht in dieser Anstalt wird.sich auf folgende Gegenstände erstrecken, als: Die mosaische Religionslehre, deutsche Sprachlehre, Orthographie, Schönschreiben, Styl sowol in den ,gewöhi;lichen Aufsätzen und Briefen, als auch in seiner.höhten Bedeutung, Lesen, mit Inbegriff der Deklamation, vaterländische Geschichte, Mythologie, Geographie, Naturgeschichte, das Nützlichste der Naturlehre, französische Sprache, Rechnen mit besondrer Rücksicht auf das Kopfrechnen, da cs überhaupt das stete Augenmerk'dieses Instituts sein wird, die Zöglinge-zu lebenspraktischen, in allen Fächern der häuslichen Geschäfte geübten Mädchen heranzubilden. Ferner wird her Unterricht crtheilt in Musik, Tanzen und Zeichnen, so wie in weiblichen Handarbeiten, als: Stricken, Nahen, Merken, alle Arten Stickereiest, Retzen, Schlingen, Hackeln und Kleidermachen. - . Auf Verlangen wird auch der Unterricht in englischer und italienischer Sprache crtheilt. Endlich wird eine, zahlreiche Bibliothek der ausgervahltesten Jugendschriften sowol zur Erholung als Belehrung der Zöglinge beitragen-. - Herr Dr. Wessely, öffentlicher Religionslehrer, der ifr. Gymnasial-und Real-Schuljugend, hat aus besonderer Gefälligkeit die Inspektion des Religions-Unterrichts übernommen. Es steht übrigens den refp. Eltern und Vormündern frei, fowol bei den Zöglingen, die als ganze Pensionaire die vollständige Kost, gänzliche Verpflegung und den Unterricht in allen obenerwähnten Gegenständen erhalten,.als bei den Zöglingen, die als halbe Pensionaire ohne Kost und Verpflegung bloß Unterricht genießen, die Weglassung des einen oder des andern der erwähnten . Unterrichtsgegenstände, zu bestimmen, wodurch das Honorar, das überhaupt mit der Unterzeichneten mündlich oder 'brieflich zu besprechen ist/ und stets auf den billigsten'Anforder Zungen beruhen wird, sich verhältnismäßig verringert. -- ■■■.: Der Raumvgestattet hier nicht, in eine ausführlichere Darstellung der Einzelnheiten des Instituts einzugehen. Im Allgemeinen möge, die - Oberaufsicht der h o h e n B e.h ö.rd e für die Zweckmäßigkeit, desselben - bürgen , so wie die Versicherung der Unterzeichneten, daß sie das ihr geschenkte Zutrauen vollkommen zü rechtfertigen bemüht sein wird. Prag, den 16, April 1839. Charlotte 9öw. . 'Vorsteherin der Lehr- und Erziehungs-Anstalt . für, israel. Mädchen , wohnt in der langen,Gasse ,beim goldn.cn. Schiff No. 743 ' " . ' ■ ' ' ' ' ' 'I : Redakteur: vr. L. Philippsott. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.

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