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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-30 · Heft 52 (30.4.1839) · p. Seite 209

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 52 (30.4.1839)
Date
1839-04-30
Page
Seite 209 (sequence 3)
Language
German
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209 gen den Juden viel Schaden gebracht hat. Daß der Jude in seiner Bildung vorangeschrktten, wird Niemand leugnen, wer den Juden. vor 30 bis 40 Jahren gekannt hat und dessen damaligen Cultucstand mit seinem gegenwärtigen vergleicht, auch haben wir nicht den mindesten Grund anzu-, nehmen, daß der padecbornische Jude in dieser Beziehung hinter seinen Glaubensgenossen in andern Provinzen zurückgeblieben. Wenn nun aber anerkanntermaßen die äußere Achtung nothwendige Bedingung aller sittlichen Bildung ist: so liegt der Nachtheil, den dieses Gesetz auf den Juden äußern muß, zu Tage. Selbst wenn das Gesetz zurückgenommen wird, wird dasselbe verderblich nachwirken, weil der Jude dadurch inn.e geworden/ daß sein Standpunct im Staate fortwährend schwankend und ungewiß ist. Das Vertrauen auf eine gesicherte Zukunft ist ihm entzogen,, und er könnte so leicht wieder in Versuchung geführt werden, nach der Weise seiner Vater größeres Gewicht auf einen vollen Geldkasten zu legen, als auf Ehre und Reputation in einer bürgerlichen Gesellschaft, die ihn bald aufnimmt, bald ausstößt. — Die Emancipation der Juden und deren völlige Gleichstellung ist, wir sind fest davon überzeugt, ein Schritt, der früher oder spater einmal geschehen muß und geschehen wird. Die damit verknüpften transitorischen Uebel müssen, als Strafe der Verschuldung unsrer Väter gegen sie, in Geduld ertragen werden: es fragt sich nur einzig und allein, ob wir großmüthig genug sind, diese Uebel auf unsre eigne Achseln zu nehmen, oder ob wir selbstsüchtig genug sind, sie in steigender Procession unfern Nachkommen aufzusparen." So denkt und urtheilt eine Behörde von den durch ganz Deutschland so sehr verschrieenen Juden in dem Fürstenthum Paderborn, — und wir fragen nun am Schlüsse Jeden, der nicht von Vorurtheilen ganz und gar verblendet ist, ob nach dem Gesagten die Feinde indischer und somit menschlicher Rechte Grund haben, diesen'Theil unsrer Nation zum Vorwände für die Fortsetzung des bisherigen Verfahrens gegen uns zu gebrauchen. Sie haben, ohne sich um die Ursache zu bekümmern, nur das Ereigniß mit Freuden ergriffen und als Werkzeug angewendet, ihre Ansichten damit zu unterstützen undwo möglich, dadurch geltend zu machen. Beneiden wir ihnen weder diese Freude, noch ihre Ansichten; sondern hoffen wir, daß die Zahl der Gut- und Rechtdenkenden mit der Zeit in allen Staaten die überwiegende sein werde! Was das Gesetz selbst betrifft, so steht von der Weisheit und Gerechtigkeit der preußischen Regierung zu erwarten, daß es nach vollendeter Untersuchung zurückgenommen werden wird; die dortigen Israeliten aber dürfen im Vertrauen hierauf und auf ihre gute Sache dem Hohn der Bosheit trotzen und ruhig den AuSgang abwarten. Lors<pi9on est soutenu par le temoignage de sa, con». Science, il est facile de brarer l’opinion du inonde. fi) Wolfsohn. Vor Kurzem erschien in Halle (bei Schwetschke und Sohn)' eine Broschüre, deren Aufgabe eine Rechtfertigung aller der 'gesetzlichen Schritte ist, welche die Preuß. Regierung in den staatlichen und bürgerlichen Verhältnissen des Großherzogthurys Posen gethan. Sie ist-mit einer seltenen Klarheitmit einer noch seltenem Ruhe, mit einer bewunderungswürdigen Bestimmtheit abgefaßt, welche erweist, wag auch manches, nicht innerhalb der gewöhnlichen Combination, sondern in der Tiefe der nationalen Sympathieen liegendes Moment unberücksichtigt geblieben sein, mit welchem Hellen Bewußtsein, mit welcher sorgfältigen Erwägung aller wesentlichen Interessen die Preußische Staatsregierung in der Verwaltung jener polnischen Lander seit 1814 zu Werke gegangen, so daß sie die innigste Billigung aller unpartheiischen Denker gewinnen muß. Die Broschüre weist die unglückliche Lage des polnischen Adels nach, und wie ihm die Preuß. Regierung glücklich aufgeholfen, und, bei wiederholten Irrungen, Nachsicht angedeihen lassen; das Elend der nur zu Branntweinbuden herabgewürdigten Städte, und wie ihr Zustand gebessert, und von dem Einflüsse der Patrone, ohne deren Schaden, abgelöst worden; die tiefe Gesunkenheit der Bauern, und wie sie zu Menschen zu machen, unablässig gestrebt wird. Zuletzt spricht sie sich über die Juden im Großherzogthum, und die Schritte der Regierung für diese aus.' Wir setzen diese ganze Stelle, ohne weitere Bemerkung hierher, es einem unsrer dortigen Freunde überlassend, eine etwaige Commentirung zu geben. Man 'muß übrigens nicht vergessen, daß hier namentlich das platte Land des Großherzogthums, weniger die großen Städte berücksichtigt sind. Schade ist es, daß übrigens der Verfasser der Broschüre sich gar nicht über das fo. sehr gehobene und in steter Fortbildung begriffene jüdische Schulwesen im Großherzogthum, und dessen Details ausgelassen, da sich von diesem gerade eine vorzügliche Epoche herdatiren wird, und die Königl. Regierung dem jüdischen Schulwesen in dieser Provinz, mehr als in anderen, eine vorzügliche Aufmerksamkeit schenkt. „Noch müssen wir der im Großherzoglhume sehr wichtigen Juden gedenken, da, während in der Gesammthelt der Monarchie etwa der achtzigste Mensch ein Jude ist, m der Provinz unter' sechszehn Personen durch'schnittlich sich eigner vorfindet. Mehrere unter ihnen gehören durch Bildung, Gewerbfleiß, Wohlstand und Rechtlichkeit zu den angesehen- *) Mad. de Genlis.

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