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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-23 · Heft 49 (23.4.1839) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 49 (23.4.1839)
Date
1839-04-23
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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196 tische Bildung vielen Einfluß, und die Stunden, da Virgil, Horaz, Racine und Florian auf einsamen Spaziergängen mich entzückten und meine Phantasie bezauberten, gewahren^ mipMch jetzt sehr süße Aurückerittyerüngen. In der Mathematik vergnügte es mich, der reinen Vernunft auf die Spur zu kommen, einem Newton zuzusehen, wie er die Welten mißt und ihre beengenden Kräfte gegen einander abwagt; in der Geschichte die ganze Verkettung von Wirkungen und Ursachen in den großen Begebenheiten der Völker mit einem forschenden und theilnehmenden Blick zu durchschauen. Aus den verschiedenen Charakteren ihrer Helden schuf ich mir Ideale wahrer menschlicher Größe und Glückseligkeit. Eben so verband ich bei meinem Studium der philosophischen Wissenschaften eigenes Meditiren mit der Lektüre der besten Werke, deren ich habhaft werden konnte." — So schrieb der 16 jährige Moser, bevor er Berlin gesehen, bevor er den von allem wissenschaftlichen Verkehr isolirten Aufenthalt in einem kleinen Märkischen Städtchen verlassen hatte. In Berlin, wo die Zerstreuungen der großen Welt, die Versuchungen gewinnversprechender Handels- Speculationen schon manchen tüchtigen Kopf von früh gefaßten edleren Vorsätzen abbcachten, blieb er den seinigen unerschütterlich treu. Er hatte das Glück, in dem Hause seines Freundes nicht bloß neue Anregungen, sondern auch, was oft'mehr als alle irdische Güter sagen will, Muße zu finden, Muße, die dem Strebenden zu seinen Studien freigebig gewährt wurde. Von Hause hatte er eine Vorliebe für die Wissenschaft Euklid's, Keppler's und Laplace's mitgebracht; sie sagte am meisten seiner Verstandes-Klarheit zu, und ihr. hat er auch die Sicherheit zu verdanken, mit der er in seinem Geschaftsleben Chancen zu berechnen und vielverzweigte Finanzplane zu entwerfen verstand. Uebrigens aber nahm sein Bildungsgang eine universelle, keinen einzigen Zweig der Gelehrsamkeit ausschließende Richtung? Allerdings übte der nähere Umgang mit Freunden, die sich dieser oder jener Wissenschaft besonders zugewandt, einen so überwiegenden Einfluß auf ihn, daß er sich für einen Augenblick derselben Disciplkn mit Eifer zuwandte, doch konnte er bald darauf auch eben so leicht zu anderen Arbeiten wieder.übergehen. Hatten ihn anfangs die Nahe und die an das erste Erwachen des Mitgefühls für das unterdrückte Judenthum sich knüpfenden Erinnerungen des edlen Greises David Friedlander zu ähnlichen humanistischen Bestrebungen hingezogen, wie sie das Zeitalter Le ssing's und Mendelssohn's, Dohm's und Herder's auszeichneten, so führte ihn seine frühe geistige Verbindung mit unserm gelehrten Freunde, Professor Gans, zunächst dem philosophischen Geschichts- und Rechts-Studium und spater dem Systeme der Hegetschen Philosophie zu. Die Semitischen Sprach-Studien unseres gelehrten Freundes, Doctor Zunz, und dessen Forschungen im Gebiete der biblischen und talmudischen Literatur regten nicht weniger seine Wißbegierde und seine volle thätige Theilnahme an. Poetische Freunde, wie Daniel Lessmann und insbesondere Heinrich Heine, den er früh als ein ungewöhnliches Talent erkannte, lenkten seine Studien eine Zeit lang auf kü terargeschichtliche Gegenstände und namentlich auf. die Deutsche Volks-Poesie des Mittelalters und der spatem Zeit. Heine hat ihm in dieser Beziehung viele Winke zu verdanken, die den ersten Erfolgen des Dichters ungemein ersprießlich waren, und es ist nur zu bedauern, daß der nach Paris verschlagene Poet nicht auch dort einen ähnlichen Freund, wie Moser, zur Seite hatte. Die letzte und dauerndste Verbindung dieser Art hat der Verstorbene endlich mit den beiden Brüdern und Professoren B en ary gehabt. Seine Vorliebe für das Sanskrit- und das darauf sich gründende vergleichende Sprach-Studium ist wol zunächst als eine Frucht Vieser Verbindung zu betrachten. Doch verschmähte er es dabei auch nicht, einer politischen Sympathie folgend, noch in jeinen letzten Jahren eine Sprache, die eben so aller gelehrten Ausbeute, wie seinen bisherigen Studien fern lag.— das Polnische nämlich — zu erlernen und mit Eifer zu treiben. (Schluß folgt.) Tages-Controle. Fürstenthum Paderborn. — Großherzogthum Posen. (Fortsetzung.) Welche Maßregeln, wurden nun aber ergriffen, um hier zu einem Resultate zu gelangen? —. Die Gemeinden wurden einzeln vernommen und über ihre Schuldverhaltnisse (namentlich in Bezug auf ihre jüdischen Gläubiger) befragt. Hierbei hatte man aber den Bauern den Zweck der Vernehmung nicht bekannt gemacht, und bei den meisten derselben hatte sich die Idee gebildet, daß diese Vernehmung wegen einer Revision der Steuerrepartition Statt habe. Hiernach hielt der Bauer seinem Interesse gemäß, sich so verschuldet als möglich darzustellen, weil er schloß, daß, je geringer sein Vermögen sei, desto niedriger der ihm zuerdachte Steuersatz fein würde. So hat, um nur ein Beispiel anzuführen, ein Bauer im Kreise Büren angegeben, daß er einem dortigen^ jüdischen Kaufmanns die Summe von mehren hundert Thalern schulde, und bei der nachherigen Vernehmung des Gläubigers wies sich aus, daß die ganze Schuld nur einige und dreißig Thaler betrug. Solcher Falls könnten, wenn der Raum es erlaubte, noch' viele angeführt werden; allein dies eine genügt schon, um zu zeigen, daß die faktischen Unterlagen zu jenem Gesetze offenbar unrichtig sind. Wie nicht weniger falsch auch die vielfach ausgesprochene Behauptung sei, als strebten die jüdischen Einwohner jener Kreise, durch Subhastatkonen Grundstücke an sich zu bringen, können die Atteste sammtlicher Behörden bezeugen. So sind z. B. im Bezirke des Stadtgerichts zu Paderborn vom l, Januar 1826 bis dahin 1836 km Gan-

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