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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-04-18 · Heft 47 (18.4.1839) · p. Seite 189

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 47 (18.4.1839)
Date
1839-04-18
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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189 daß er ihn nicht öffentlich nennen wolle. . Da er gegen den Pater Martin zu kämpfen hatte, empfand er keine Lust, sich einen neuen Gegner zu schaffen. Er fuhr fort: — Ihre Schwangerschaft tudffe vor, der Augenblick ihrer Niederkunft war nahe. Man weiß, was für Spöttereien, Verachtung, Mißhandlungen ein schwangeres Mädchen ertragen muß. Tausend Qualen sind ihr aufgehoben; jeder der sie begegnet, wird ihr Henker. Ihre Familie stößt sie zurück, ihre Freunde verlassen sie, die Welt wirft einen Stein auf sie. Ach, nur ihr Mitschuldiger bemitleidet sie und thcilt ihre Leiden. Man wird daher'nicht erstaunen, wenn ein Mädchen, unglücklicher als schuldig, gesucht hat, ihren Fehler zu verbergen, und den Augen der Welt zu entziehen. Auch Marie, das Madcken, von dem ich spreche, nachdem sie ein todtes Kind geboren, wußte die Sache geheim zu halten, und trug mir auf, den armen kleinen Körper zu verscharren. Ich nahm es, ich bedeckte es mit den Lumpen, die mir zuerst in die Hände sielen, und legte es in dem Walde von Lobzew nieder, mit dem Entschlüsse, mich des Abends nach dem Kloster St. Dominik' zu begeben, um es in der. Nacht beerdigen zu lassen. Ich fand den Wächter des'Kirchhofs, erzählte ihm Alles, was ich eben gesagt habe, und bat ihn als guten Christen, mein Kind beerdigen zu lassen. Er versprach es mir, und in der That begaben, wir uns spat in den Wald, wo er den Leichnam nahm, und mir feierlich versprach,'es sogleich zu verscharren; aber er wollte allein sein, vorgebend, daß er die Aufmerksamkeit der Mönche nicht darauf ziehen dürfe. Ich glaubte ihm, und kehrte nach Hause zurück, nachdem ich ihm einiges Geld gegeben.- Am andern Morgen wünschte ich den Ort zu sehen, wo mein Kind eingesenkt wäre, begab mich auf den Weg zum Kloster, als ich das Gefolge des Königs bemerkte, welches einen Leichnam umringte. Urtheilet, meine Herren, wie groß mein Erstaunen war, als ich den erkannte, den ich dem Wächter übergeben, noch bedeckt mit denselben Lumpen. Ich folgte dem Gefolge, und da ich die furchtbaren und ungerechten Muthmaßungen Hörte , welche sich gegen die Juden erhoben, entschloß ich mich, die Wahrheit bekannt zu machen. Ich sammelte alle Anzeigen, welche ihre Unschuld bewiesen, und stellte mich dem Könige vor, welcher mich mit Wohlwollen empfing, und mich ermuthigte, meine. Nachforschungen foctzusetzen. Es ist wahr, ich habe dem Monarchen nicht bekannt, daß ich der Vater des Kindes bin; ich sparte es mir auf, es den Richtern zu sagen, im Falle, die anderen Beweise ungenügend wären. Ich wollte auch die Aussage der Mutter heranbringen. Sie war bereit, um die Angeklagten zu retten, ihre Schande zu. erzählen, der Muth fehlte ihr nicht, aber ihre Kräfte verließen sie: als wir uns dem Gerichtshöfe näherten, wurde sie ohnmächtig mitten auf der Straße, ich war gezwungen, sie in eine Herberge zu tragen. Ach, die Vorsehung hatte mich dahin geführt. Ich fand dort zwei Personen, einen Mann und ein Weib; sie tranken und schwatzten, beide nachdenkend und unentschlossen, wie Diebe, welche noch schwanken, ob sie einen Reisenden ermorden, oder ihn bloß berauben sollen. Ich hörte-ihre Unterhaltung, die für jeden andern unverständlich geblieben wäre.. — Du hast recht dumm gehandelt, sagte das Weib, Valentin wird reich werden, und du wirst immer arm bleiben;, er wird eine Hütte, ein Feld, ein Pferd, eine Kuh haben; um zu leben, wird er nicht die Todten zu beerdigen und den Kirchhof zu bewachen nölhig haben. — Um fo besser für ihn, erwiederte der Mann, ich beneide ihn nicht um ein so schlecht erworbenes Gut. Das Kind den Mönchen übergeben, war recht; aber ein falsches Zeugm'ß, das ist schlecht. Diese Worte machten mich aufmerksam, ich erkannte den Kirchhofswächter. Während ich mich mit Marie beschäftigte, verlor ich kein Wort. - Das Weib goß ihrem Manne ein Glas Branntwein ein, und fügte hinzu: — -Besinne dich, noch ist es Zeit. — Laß mich. — Valentin hat mehr Herz, als du. Er ist ein guter Christ, und wird die verwünschten Juden nicht schonen, die den Sohn Gottes gekreuzigt haben. — Ich werde ihrer auch nicht schonen. — Aber ohne Valentin würden sie freigesprochen, und Gott nicht gerächt werden. So,-meine Herren, hübe ich'Wort -für Wort erfahren, wie ein elender Priester die Leichtgläubigkeit und die Habsucht dieses Mannes und Weibes zu mißbrauchen sich nicht gescheut; wie er es gewagt, ihnen irdische und himmlische Güter zu versprechen, unter der Bedingung eines falschen Eides, um das Gewissen der Richter zu täuschen, und Unschuldige verurtheilen zu lassen. Gregoire wollte'fortfahren, Marie und dm Kirchhofswachter holen lassen; aber ein Zwischenfall machte neue Aussagen unnöthig. Der bestürzte Organist, vielleicht von Gewissensbissen bewogen, schrie plötzlich, mit Thronen im Auge: Gnade, Gnade, ich will Alles sagen. Dieser Augenblick war entscheidend für den Pater Martin; er fühlte, daß er um jeden Preis die Aussage Gre-

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