Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 47 (18.4.1839)
- Date
- 1839-04-18
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
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188 (aitt mipös) zu veröffentlichen, was in jetziger Zeit um so nythwendiger wird, als man nicht immer die Zustimmung der kirchlichen Behörde vorausfetzen kann. Daß der Gemeindevorstand aber die executive Gewalt reprasenrirt, entbinLet ihn noch keinesweges der Pflicht, der Bekücksichtigung des religiösen Moments, Erwähnung zu thun, da selbst auf ganz andern Gebieten die vollstreckende Macht auf die gesetzgebende sich ausdrücklich zu beziehen pflegt. Die Erfahrung hat es wol sattsam gelehrt, daß alle der hohem Autorität ermangelnden Maßregeln keine Bürgschaft der Dauer in sich schließen. — Seit einiger Zeit werden auch deutsche Vortrage, und zwar der §. 5 unserer Kultusordnung angegebenen Bestimmung gemäß, regelmäßig in der Synagoge abgehalten, und noch in dieser Woche ist das aus 4HauptstiMmen bestehende Sangerpersonal durch hinzugekommene sieben Chorknaben verstärkt worden. Kommt nun noch die baldige Abschaffungdes Mizwotverkaufens hinzu, und bedenkt man namentlich, daß unsere zweckmäßig abgefaßle Synagogcnordnung nunmehr gänzlich ausgeführc ist, in ihren Hauptpunkten aber schon vor einem halben Jahre ausgeführt war, so erstaunt man über die Kühnheit des Berliner Correspondenten in No. 14, die großem Städte unserer Monarchie, zur' Nachahmung von Kultusverbessecungen aufzufvcdern, in denen nicht Berlin, sondern Königsberg rühmlich vorangeschrirten *)♦ Aber nicht blos auf die Lebenden, auch auf die Lobten erstreckt sich der Geist der Veränderung. Das Reinigen und Einsargen der Leichen findet ' jetzt, nicht wie früher kurz vor der Beerdigung in dem dazu bestimmten Kirchhofshause, sondern, nicht lange nach dem Hinscheiden im Sterbehause statt, zu welchem Behufe gleichzeitig ein neuer bequemer und eleganter Todtenwagen eingeführt wird. Nur hatte man den Lebenden noch manche beachtenswerthe Erinnerungen zu machen. So ist es. höchst löblich, daß in der Synagoge auf Stille und Ordnung gesehen wird, aber es gewährt einen widerlichen Anblick,- wenn man in den heiligsten Gebeten, wo man zur tiefsten Andacht hingerissen, nicht einmal die Unarten seines Nachbars zu bemerken Zeit haben sollte, einige Vorgesetzte statt mktzubeten unaufhörlich ordnen und commandiren sieht. Daß man gegen die große Anzahl herbciströmender Christen möglichst zuvorkommend ist, ist nicht mehr als billig; wenn man aber einer distinguicten Person zu Gefallen Freitag Abend die gewöhnliche Gebetsocdnung unterbricht und „Hanoten teschua limlachim" ansiimmen laßt, so ist dies eine Devotjon, die eher in einen Concertsaal, als in ein Gotteshaus hinpaßt. Was soll man aber gar zu der blinden Reformationswuth sagen, die ohne zu wissen warum und wozu, alle Nuancen des Alterthümlichen gern verwischen möchte? Mögen die Herren doch bedenken, daß nicht alle Veränderungen immer auch Verbesserungen sind; daß es e) Wenn es sich einmal um den Vorrang bandelt, so mag man nickt vergessen, daß Magdeburg seit sechs Jahren regelmäßige Predigt, Confirmation, Religionsschule, Abschaffung des Mizwotverkaufs, Ordnung beim Toralesen, tZ eni ein d egescrng bei einzelnen Stücken, genaue LZegrabnißordnung (mit Leichenwagen), Talar der Geistlichen, höchst würdevolle Trauung ff. hat, und immerfort im Fortschritt begriffen ist, wie bald einige neuere Nachrichten bemerken werden. Redakt. nicht darauf ankommt, alles Fremde blindlings nachzuahmen, sondern zu untersuchen, welchen Einfluß die beabsichtigte Veränderung auf Geist, Herz und wahre Gottesfurcht nabri) hat; daß nicht das religiös, was angenommener Weise anständig, sondern umgekehrt das anständig sei, was wahrhaft religiös ist. Mögen sie der Stimme dessen willig gehorchen, dem die Gemeinde die höchste Entscheidung anheimgestellt, und nicht mir blindem Eifer das Werk schnöde zerstören, das sie selbst so schön mit haben aufbauen helfen. Wenigstens ist sichere Hoffnung vorhanden, daß nicht noch einmal die Zeit sich wiederholen wird, wo man durch Gehaltabzüge den obersten Gewissensrath uüizustimmen versuchen würde: eine Handlung, die eben so, unmenschlich oder gottlos, auch des aufgeklärtesten Israeliten unwürdig ist. — Zuletzt gebe ich noch eine komisch ernste Anekdote zum Besten. Unser neuer Herr Stadtrath L. wurde diesen Winter von den adelichen Eombinationsbällen ausgeschlossen, weil er — ein Jude ist. Der Oberbürgermeister v. A. davon in Kenntniß gesetzt, schickte den Entceprenneurs seine eigne Einladungskarte mit der Bemerkung zurück: wo sein jüdischer Stadtrath nicht hinpasse, da,sei auch für ihn nicht der schickliche Platz. Gewiß, ein edler Ausspruch eines wahrhaft adelichen Gemüths! Von der andern Seite, aber ist die Begebenheit selbst eine ernste Mahnung an sogenannte vornehme Israeliten, sich nicht erst dann als Juden zu erkennen zu geben, wenn gemeinsame Zurücksetzung sie dazu zwingt, sondern auch sonst an den .religiösen und bürgerlichen Sympathien ihrer Brüder thätigen Antheil zu nehmen. vr. Freistsdt. Literarische Nachrichten. Würzburg, 18. Marz. (Privatmitth.). Von der Zeitschrift „die Synagoge" ist das sechste Heft erschienen, womit der erste Band geschlossen ist. Die Fortsetzung wird demnächst» aber nicht mebr bei dem gegenwärtigen Verleger, dessen Saumseligkeit an dem langsamen Erscheinen der Hefte Ursache war, erscheinen. Es ist gewiß zu wünschen, daß sich diese so zweckmäßige, als zeitgemäße Zeitschrift erhalten, und daß eS ihr nicht an Abnehmern und nicht an Mttarbeitern fehlen möge. Magdeburg, 6. April. Angckommen: Looieto d’enconragement au travail en, faveur des Isruelites indigens du-Bas- Khin. Apercu general dj la gestion de 1825 ä 1838. — Synagoge B. I.' Heft IV. und Heft V. Belletristik. Bruchstück aus: Le Roi des paysans par Jean Czvnski. (Fortsetzung). Indem er diese Worte sprach, warf Gregoire einen Blick auf den Pan von Wola, um ihm zu verstehen zu geben,