Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 47 (18.4.1839)
- Date
- 1839-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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hi. Jahrgang. Allgemeine No. 4V. Zeitung des Zudenthums, Ein mrpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächfischer allergnädigstrr Comeffion.) Leipzig, den 18. April 1839. Zeitungsnachrichten. Breslau, 25/März. (Privatmitth. Verspätet). Erfreulich iss es und wohlthuend für das menschliche Gemüth, wenn Männern in Amt und Würden, bei paffenden Gelegenheiten, Beweise, der Anerkennung ihrer Verdienste, ihrer Leistungen von Denen zu Theil werden, für die sie geschaffen, für die sie gewirkt; tiefer aber wird des Menschen Herz ergriffen, wenn es sieht, wie selbst nach Jahren, nachdem schon längst der Mann, der da gewirket hat, abgetreten ist von der Schaubühne der Welt, nachdem er sich zurückgezogen in die tiefste Verborgenheit, wie er da hervorgerufcn wird aus dem Dunkel, in das er sich begeben, um den Dank Derer zu empfangen, die er. einst geleitet, die et gebildet. — Diese wenigen 'Worte nur als Einleitung für das Folgende-. — Der Mangel an Anstalten, in denen die Jugend Israels in ihrem frühesten Älter unterrichtet werden konnte, bewog vor etwa 23 Jahren einen Mann, Namens Wetzlar, der sich dem Lehrersache schon langst gewidmet, im Vereine mit dem, noch jetzt hier wohlbekannten, Lehrer Giblec in Breslau eine Schule zu errichten, in welcher die israelitische Jugend nicht. nur in den gewöhnlichen bürgerlichen Wissenschaften unterrichtet, sondern auch für das Gymnasium vorbereitet werden sollte. Der Eifer, die rastlose Tätigkeit, die diese beiden Männer im Bunde mit andern achtbaren Lehrern an den Tag legten, zogen bald eine große Zahl Schüler herbei, denen in der neu errichteten Anstalt für ihr ganzes künftiges Leben, ein tüchtiger Grund gelegt wurde. Nachdem dies Institut etwa 9 Jahre bestanden, bewogen Verhältnisse den Wetzlar die Anstalt aufzulösen und überhaupt das Lehreramt niederzulegen. Es sind nun 14 Jahre verflossen, seitdem jene Schule nicht mehr bestehet, und die Knaben,, die in ihr gebildet wurden, .sind Männer geworden, haben sich hierhin und dorthin zerstreuet, und nicht wenige unter ihnen stehen auf einer gu- 'ten Stufe in der menschlichen Gesellschaft. Bewundernswert!) aber ist die Liebe, mit welcher der greise Lehrer von seinen ehemaligen Schülern noch jetzt verehrt wird; und nur das Bewußtsein,^. daß er es war, der sie fähig gemacht, rüstig vorwärts zü schreiten, konnte solch' "eine seltne Anhänglichkeit erzeugen und erhalten. Durch einen Anfall war es den ehemaligen Schülern Wetzlarsbekannt geworden, daß derselbe am 15. d. M. seinen 70. Geburtstag feiern werde, und mit dem größtem Eifer vereinten sich alle diese jungen Leute, den Tag würdig zu begehen. Ein silberner Pokal, auf welchem, nächst der Weihe und einem paffendem Vibelverse, die Namen Aller Derer gravirt waren, die zum Feste sich vereinet, nebst einem, von einem ehemaligen Schüler, Dr. L. in Danzig, gefertigtem Gedichte, sollten am Festtage dem Jubilar überreicht werden; und weil Umstande cs Unmöglich machten, an demselben Tage ein Mit- ' tagsmahl zu veranstalten, so wurde oaffelbe auf den 17.' d. M.. angesetzt. Aber am. Tage vor dem Feste erblin- - .bete der greise Lehrer, dem schon vor einigen Jahren das Licht eines Auges erloschen, gänzlich. Der Schmerz über das unglückliche Ereigniß hielt die jungen Leute oennoch nicht ab, am Festtage sich dem Bette des erblindeten Lehrers zu nahen und ihm Pokal und Gedicht, begleitet von den herzlichsten Wünschen für sein Wohl, zu überreichen. Innig gerührt, tief erschüttert vermochte der unglückliche Jubilar nicht, Worte zu finden, um seine Gefühle auszudrücken; und traurig bewegt verließen die jungen Männer das Bett 'ihres Lehrers. Das Festmahl, wurde nur auf den ausdrücklichen Wunsch des Jubilars abgehalten. Wahrend der Freuden des Mahls gedachte -man auch der leidenden Menschheit und Sammlungen für Arme veranstaltet, zeugten von dem Wohlthatigkeitsflnne, der unter der Versammlung herrschte. Erst spat Abends trennten sich die Jügendgefahrten, nachdem sie sich das Versprechen gegeben, dem unglücklichen Lehrer durch fleißigen Besuch, sein Leiden erträglicher, sein Mißgeschick weniger fühlbar zu machen. - Der biedere Sinn der ehemaligen Wetzlauschen Schüler ist ein hinlänglicher Bürge, daß ihr Versprechen kein leeres war, sondern, daß sie es treulich werden in Erfüllung gehen lassen. Möge aber dies Fest Euch anspornen, Ihr Lehrer der israelitischen Jugend, möge es Euch ein Beispiel sein, daß die Sorgfalt, die-Mühe, die Ihr an den Jugenbunterricht wendet, gerechte Anerkennung finden werden. M —. Königsberg, 17. Marz. (Privatmitth. Verspätet)*). Vor Allem mache ich den in No. 3 ausgesprochenen Grundsatz^ religiöse Verordnungen müssen, von Seiten des Vorstandes auch im Namen des Rabdinen, als obersten Geistlichen bekannt gemacht werden, nochmals hier aus voller Ueberzeugung geltend. In administrativer Hinsicht steht jenem natürlich vollkommene Gewalt zu, aber nicht, so in kirchlicher. Wenigstens war es bisher in Israel gebräuchlich, Religionsverfügungen auf Befehl des höchsten Geistlichen Ä) Wir lassen -ea geehrten Herrn Corresp. ganz unverholen , seine Meinung darlegen. - Rcdakt. -