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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 18

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
17 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
Date
1923-01-01
Page
Seite 18 (sequence 9)
Language
German
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- 18 - Zweck eines jeden Vereins besteht darin, „Mitgliedern freie ärztliche Behandlung und Medikamente zu gewähren, Kranke zu besuchen, Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen und während der sieben Trauertage im Trauerhause das Morgen- und Abendgebet zu sprechen, Mitgliedern wie auch Nichtmitgliedern aus der Heimat mit Rat und Tat beizustehen in Fällen, wo andere Organisationen nach ihren Satzungen versagen." Die Aufsicht über diese philantropischen Funktionen des Vereins führen vier Krankenväter und zwei Vertrauensmänner. Sie haben den Vorsitzenden aufmerksam zu machen, wenn Vereinshüfe notwendig ist. Mitglieder, die mindestens zwei Jahre dem Verein angehört haben, werden in Fällen dringender Not unterstützt. Für diesen Zweck ist ein „eiserner Fonds" bestimmt, dem der vierte Teil aller Vereinseinnahmen regelmäßig zufließt. Neben den philantropischen Funktionen pflegen die Logen sehr intensiv das Zusammengehörigkeitsgefühl ihrer Mitglieder. Auch die Familien der Logenbrüder halten untereinander Freundschaft und kommen regelmäßig zusammen. Der Vorstand der Loge nimmt offiziell Teil an jedem häuslichen Fest innerhalb des Logenkreises und wird als zur Familie gehörig betrachtet. Die ostjüdischen Vereine haben naturgemäß nur einen sehr kleinen Umfang in Berlin. Mehr als 300 Mitglieder hat wohl «. j kaum eine Loge. Aber das Vereinsleben ist so intensiv, daß diese kleinen spezifischen Verbindungen neben den zahlreichen jüdischen Organisationen ihre ostjüdische Eigenart wohl behaupten. Es bleibt uns, in diesem Zusammenhang von dem jüdischen Volksheim in der Dragonerstraße zu sprechen, obwohl es nicht von Ostjuden gegründet wurde. Aber seine Besucher sind in der großen Mehrzahl — viele erst vor kurzer Zeit — aus dem Osten eingewandert „In Anlehnung an das Settlementsystem hat sich das jüdische Volksheim neben allgemeinen sozialen Hilfeleistungen in gesundheitlicher und wirtschaftlicher Beziehung die Aufgabe gestellt, die Kinder und jungen Leute der in der Gegend des Heimes gelegenen, meist von ostjüdischen Einwandererfamilien bevölkerten Straßen in Gemeinschaften (Kindergarten, Jugendkameradschaften, Klubs) zusammenschließen, um durch geeignete Führung einen kulturellen Einfluß auf die heranwachsenden Generationen zu gewinnen." Viertes Kapitel. Die in der Kriegszeit zugewanderte Arbeiterschaft Die Vermittlung der ostjüdischen Arbeiter *<««*rtE* jf\ >v .. ~ 4.1*. i^ ~M i\ imwii ucuisuiianu. j Die jüdische russisch-polnische Arbeiterschaft, die während des Krieges in deutschen Betrieben beschäftigt wurde, setzte sich aus 2 Gruppen zusammen: I. aus den Insassen der Internierungslager, IL aus den Arbeitern, die im besetzten Gebiet durch freien Vertrag für Arbeit in Deutschland verpflichtet wurden. Die Insassen der Internierungslager waren: s _ _ | 1. Zivüinternierte, die zu Beginn des Krieges sich hier aufgehalten hatten und inhaftiert worden waren. 2 die sogenannten Sicherheitsgefangenen im Alter von 15—45 Jahren, die aus den besetzten Gebieten hierhergeschickt wurden. 3. Kriegsgefangene, die ebenfalls — allerdings unter Aufsicht - zur Arbeit herangezogen wurden. Ursprünglich war durch 3) Vergleiche auch für das folgende Kapitel: Julius Berger, Ostjüdische Arbeiter in Deutschland.! Sozialistische Monatshefte. 12. Heft 1918.

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