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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1920-01-01 · Heft 1-6 (Januar 1920) · p. Seite 23

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
16 (1920)
Issue
Heft 1-6 (Januar 1920)
Article
Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
Date
1920-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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- 23 - M. 1,50 gemacht hatte. An Privatpersonen wurden wohl nie 100 Stück auf einmal verkauft. Allmählich nahm aber die Nachfrage nach Zigaretten und damit auch die Fabrikation zu. Einige sehr tüchtige Elemente hatten sich zu Fabrikanten entwickelt. Sie stellten neuankommende Einwanderer als Arbeiter ein oder veranlaßten auch besonders geschickte Arbeiter in ihrer Heimat, hierher zu kommen. Nach einem Bericht der Ältesten der Berliner Kaufmannschaft gab es bereits im Jahre 1899 eine größere Anzahl kleiner Zigarettenfabriken. „Sie detaillieren meistens ihr Fabrikat im eigenen Laden, dessen Hinterraum als Fabriklokal dient und können anscheinend recht gut dabei bestehen." Dagegen verdiente ein Ziffarettenarbeiter sehr -v_^ <-> WPnicr F)?»Q Q+srlrp Anorphnt c\r\\r\z\& Hip T n Vi n a VY L-Iilw. L/UO Olwlixv v/v w i i Tw vaj.v_ juvuiiv. Für 1000 Stück Handarbeit wurden M. 1,80, M. 2,— und M. 2,50 gezahlt. In durchschnittlich neunstündiger Arbeitszeit konnte diese Summe verdient werden. Es war selbst für das ganz unverständlich niedrige Existenzminimum des russisch-jüdischen Arbeiters zu wenig. Die meisten suchten durch Heimarbeit ihren Lohn zu erhöhen. Unterstützt Von Frau und Kindern wurden oft bis 2 Uhr Nachts weiter Zigaretten gedreht. Wer geschickt war und mehrere schon größere Kinder hatte, konnte es auf diese Weise mitunter bis zu 3000 Stück bringen. Mit der Zeit wurde das Gebiet der Heimarbeit erweitert. Der eine oder aridere fing an, Zigarettenkartons zu kleben. Ein Karton kostete vielleicht 2 Pfg. und wurde mit 5 Pfg. verkauft. Mit Hilfe der Familie konnten einige Hundert Stück geklebt werden. Einige große Kartonnagenfabriken sind aus diesen Zwergbetrieben entstanden. Die wenigen einheimischen Arbeiter, die mit dem größeren Umsatz in der Zigarettenindustrie allmählich tätig wurden, verdienten nicht soviel wie die russischen Arbeiter. Sie konnten sich zur Heimarbeit nach Feierabend nicht entschließen. Um aber untertags mehr fertig zu bringen, gaben sie den jüdischen Arbeitern Auftrag, für sie Hülsen zu kleben und bezahlten pro 1000 Stück 40 Pfennig. "Wie schon erwähnt, waren aber einheimische Arbeiter zunächst nur vereinzelt anzutreffen. Bereits im Jahre 1899 war die Zahl der Zigarettenarbeiter und Arbeiterinnen auf 800 gestiegen, ein Beweis, welche Zunahme die Fabrikation, die hier früher kaum eine Rolle spielte, in diesen Jahren erfahren hatte. Sie gewann mit jedem Jahr an Bedeutung. In einem Bericht der Berliner Handelskammer vom Jahre 1902 heißt es: „Innerhalb der Zigarettenfabrikation haben die Verschiebungen zu Gunsten Berlins erfreuliche Fortschritte gemarhi- WTähr(±nr\ nr\rh unr pinprn TaT-ir7ßVini lllUVfil. VV UllJ.V~XJL\-i ilWil v v/i ClllCllJ i;uiii^v.ijiii Dresden unumstritten, auch in der Versorgung des Berliner Marktes, a». der Spitze der deutschen Fabrikation stand, haben die Berliner Fabrikanten schrittweise zuerst den T 1 y s\ 1 ■«'-9-8 <-» *» 1 r -ia ■*» t—» r\ ir4- -t -t f-~V-~« fv C\ f* 4- 4 \ 4" t \r /"«■<•<-£ s\ /-\ *--» L,utveumcum ciuucn, um, gcoiuui aui ucu allmählich gewonnenen guten Ruf ihrer Marken, ihr Absatzgebiet immer weiter auszudehnen. Nicht zum geringen Teil ist diese für die danze deutsche Zigarettenindustrie bedeutsame Tatsache darauf zurückzuführen, daß die Berliner Fabrikation sich von Anfang an auf Handarbeit beschränkte und von dem in Dresden weit verbreiteten Gebrauch der Zigarettenmaschinen fast völlig absah. So ist es in ansehnlichem Umfang gelungen, dem auswärtigen Import — in Frage kommen insbesondere Rußland, Egypten und neuerdings England — hier am Ort die Spitze zu bieten." Längere Zeit hatten die eingewanderten russischen Juden als Zigarettenarbeiter eine gewisse Monopolstellung inne. Ihrer Zahl, Geschicklichkeit, ihrem rastlosen Fleiß, ihrer überlegenen Konkurrenzfähigkeit waren die einheimischen Arbeiter zunächst nicht gewachsen. In der noch jungen In-

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