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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1920-01-01 · Heft 1-6 (Januar 1920) · p. Seite 22

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
16 (1920)
Issue
Heft 1-6 (Januar 1920)
Article
Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
Date
1920-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 ~ einheimische Zigarettenarbeiterschaft. Damals versuchten russisch-polnische Juden, die kaum mehr hierher brachten als ihre Fingerfertigkeit dafür, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, daß sie tagsüber Zigaretten fertigten und si abends und nachts selbst in den Gafes einzeln .verkauften." Die Herstellungskosten waren noch sehr gering. Zunächst waren spezielleFabrikatonsräurne dazu nicht nötig. Das Zimmer war zugleich die Arbeitsstätte. Hülsenpapier für 30 Pfg, und Tabak für 95 Pfg. reichte für 1000 Zigaretten. Besonders findige Köpfe ließen auf das Hülsenpapier eine Marke oder ihren Namen drucken und veranlassten Freunde und Bekannte — eine kluge und wohl überlegte Reklame — diese Sorte immer wieder in den Zigarrettengeschäften zu verlangen und so das Interesse des Verkäufers dafür anzuregen. Erkundigte sich dieser tatsächlich bei dem Kunden, wo es denn die jetzt so oft verlangte Marke gäbe, so wurde bereitwilligst die Bekanntschaft mit dem Zigarettenfabrikanten vermittelt. Einige der größten deutschen Zigarrettenfirmen haben sich allmählich aus diesen bescheidensten Anfängen der Heimarbeit heraus entwickelt. Die Zigarrettenfabrikation als solche trat hier sehr langsam in die Erscheinung. Verhältnismäßig lange Zeit wurde sie nur hausindustrieli allein mit Unterstützung der Familienmitglieder des Verkäufers betrieben. Immerhin gab es schon im Jahre 1894 innerhalb der Tabak-Berufsgenossenschaft 21 Betriebe mit insgesamt III Arbeitern. Außer diesen wurden etwa 700 Kleinbetriebe gezählt, in denen der Inhaber mit seinen Familienmitgliedern arbeitete. Nur zeitweise beschäftigte der eine oder der andere eine fremde Hilfskraft. Noch herrschte überall Handbetrieb. Nach den Berichten von Fachleuten dürfen wir sicher annehmen, daß damals in der Zigarrettenindustrie ausschließlich hier eingewanderte russische Juden als Arbeiter tätig waren. Und daß die Inhaber der hausindustriell geführten Kleinbetriebe größtenteils von dort stammten. Nur in den größeren Fabriken, wo die Zigarrenfabrikation das Hauptgeschäft, die Zigarettenindustrie aber als unbedeutender Nebenzweig erst mit der allmählichen Nachfrage nach Zigaretten gepflegt wurde, haben wir einheimische Fabrikanten in der Zigarettenbranche zu suchen. In schnell steigender Anzahl hatlpn cirh nach Hpn Are Ion epVp.vpr i.JkA i£Ubi.WÜ W-f » w ji 4 —vi* W * <J W * & W W A4. 7 ¥ V» A erarbeiteten Erfolgen bescheidensten Auskommens, das diese Tätigkeit versprach, die russischen Juden auf die Zigarettenindustrie eingestellt. Die Konkurrenz untereinander war sehr groß. Wie schon erwähnt, gehörte zu dieser Betätigung kein größeres Betriebskapital und das wenige konnte immer wieder schnell umgesetzt werden. Dann bot die Zigarrettenfabrikation auch körperlich schwächeren Personen die Möglichkeit etwas zu verdienen. Außerdem war es möglich, in dieser Branche den Sonnabend als Ruhetag zu beobachten. Ein Grund, der besonders für den Neueinwandernden zunächst sehr ins Gewicht fiel. Die stärkste Anziehungskraft, die für die Ostjuden geradezu etwas Faszinierendes hatte, lag in der Aussicht, hier zur Selbständigkeit zu gelangen. jv\it einip"f»m Re^ht könnt? auch der Lohnarbeiter daran denken, dereinst Fabrikant zu werden. Die erste Gruppe der Einwanderer, die Zigaretten fertigte, bildete ein ausgesprochenes Unternehmerproletariat. Diese Unternehmer fabrizierten ihre Ware selbst und bereiteten dann auch selbst den Markt für sie. Damals war der Zigarettenkonsum im Vergleich zu heute ganz minimal. Es war sehr schwer, größere Quantitäten auf einmal zu verkaufen. Ein Restaurateur kaufte vielleicht 100 Stück, zu 80 Pfg., wenn der Unternehmerhändler vorher eine Zeche von

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