Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 16 (1920)
- Issue
- Heft 1-6 (Januar 1920)
- Article
- Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 aufsetzen etc. Typisch für dieses Gewerbe ist das Zwischenmeistersystem. Der Zwischenmeister ist fast regelmäßig gelernter Facharbeiter, der als selbständiger Arbeitgeber auftritt. Von seinem Verleger erhält er Rohmaterialien für eine bestimmte Anzahl von Kleidungsstücken. Bisweilen ist das Material auch schon zugeschnitten, und der Zwischenmeister hat den Auftrag, bis zu einer bestimmten Zeit eine Anzahl fertiger Waren zu liefern. Er hat in seiner Wohnung eine Werkstatt und beschäftigt Arbeiter, die von ihm entlohnt werden. Er selbst arbeitet mit wie jeder andere Arbeiter. Eine größere Anzahl der im Bekleidungsgewerbe beschäftigten Ostjuden ist als Zwischenmeister tätig. Diese Stellung sagt ihnen besonders zu, weil eine gewisse Selbständigkeit damit verbunden ist. In relativ größerer Zahl finden wir Ostjuden auch im Kürschnergewerbe. Aber während sie in Leipzig für die Entwicklung des Rauchhandels und der Fabrikation große Be- .lotitHtinc ftrloti 1-»oT^o>*-i -i-tt^A rj-tt*-^ Ci^lKcl VJ^UlUllg VllOlIgl 1JCIL/V~11 UHU. /.Ulli 1 Cli dabei groß wurden, spielen sie hier in der Branche keine Rolle. Das Charakteristische für die Tätigkeit der Ostjuden im Berliner Bekleidungsgewerbe ist die Tatsache, daß sie ihm zwar tätig angehören, aber in keiner Weise bemerkt werden. Mit Ausnahme der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel RH-iticyimcy rief HcL ,A rr< tpcp Tvmcrn rur - i_ l. j A L t 1 \~L^~Jl <J t Juden in allen Berufszweigen der Gruppe B. Ostjuden sind, wenn auch in kleiner Zahl, im Handwerk tätig als Klempner. Glasermeister, Tischler, Drechsler, Sattler, Tapezierer, Buchbinder, Uhrmacher, Schlosser, Schriftsetzer. Sie haben die gleiche Technik, dieselbe Betriebsform und unterliegen den gleichen Lohnbedingungen wie die anderen Berufsangehörigen auch. Die soziale Schichtung aller speziell in den vier genannten Berufsabteilungen tätigen Personen geben wir nochmals an und verweisen dabei - auf die Erklärungen in der l—i n H + i laujji \ e\ 14 ■*-\4-4-/i t"\ jT\1 1 £\ lauuLiautiit. a b i c j <>r-( ..........___________ a r\A 04 n Uül ±U<± OIU 109 34 380 30 50 71 37 11 76 Bekieidungsgewerue .... Industrie der Nahrungs- und Genußmittel ...... Industrie der Maschinen- und Apparate ...... Metallverarbeitung . . . . Es überwiegt durchaus die Zahl der Unselbständigen. In der Rubrik a ist der handwerkmäßige Kleinbetrieb der vorherrschende Typ. In größerer Zahl sind ostjüdische Handwerker Mitglieder des „Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens". Auch hier bilden sie in keiner Weise eine Sondergruppe. §3. Die Entwicklung der Berliner Zigaretten« fabrikaiion. Wesentlich geringer als im Bekleidungsgewerbe ist die Beteiligung der Ostjuden an der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel. Trotzdem haben die Ostjuden hier eine größere Bedeutung erlangt und zwar durch ihren Einfluß auf die Entwicklung der Berliner Zigarrettenindusirie. In der Inrhictrif* ripf Mahrntific. nnri f TpmtKmitfpI \_* LI III V_ Vi A 'Ulli Uii^vJ UHU '—i V. 1 1 H 1 Li i! » 1 ll- J dominieren die Russen. Sie sind zu 38,72% vertreten. Von den Rumänen sind 10,25%, von den Galiziern nur 7,63% hier tätig. Die Russen "sind, soweit sie in der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel arbeiten, fast ausschließlich in den Zigarrettenindustrien t_;> konzentriert. Nach Ansicht hervorragender Fachleute ist diese Branche von hier eingewanderten russischen Juden erst geschaffen worden. Zu Beginn der 80iger Jahre existierte eine Zigarettenindustrie größeren Stiles in Berlin nicht. Es fehlt eine geschulte