Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 16 (1920)
- Issue
- Heft 1-6 (Januar 1920)
- Article
- Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
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i\f\ — zu — Pf oduktionsv zweig Rußland (Ansiedlungsrayon Juden % z. berufst. Gesamtbevölk. G a I i z i e n Juden % z. berufst. Gesamtbevölk. 1. Ackerbau, Gärtnerei und Viehzucht 2. Industrielle Urproduktion und zwar; Bergbau u.Hüttenwesen .... Ind. der Steine und FrHan jl-^jl vt vi; , „ . . Forstwirtsch. und Nebenzweige . . 35 822 1006 k \ on KJ JlAJ C 3 200 0,6 1,8 12,5 12,4 47 996 ...............................f j 1053] i ma VJ-W; | 928 1,5. 8,3 10,3 10,6 Zusammen Klasse 2: i 9 393 7,7 2 677 9,5 3. Sekundäremittier. Stadien und zwar: Metallindustrie . Textilindustrie Baugewerbe . . 40 082 33 200 37 136 21,2 19,0 .18,9 4410 1421 3110 15,9 14,7 13,0 Zusammen Klasse 3: 110 418 19,7 8 941 14,5 4. Tertiäre mittlere Stadien und zwar: Holzindustrie . . Chem. Industrien Lederu. Papierindustrie , * 41359 6 514 20 446 27,2 34,1 43,9 4 229 1430 1938 18,1 37,9 39,2 Zusammen Klasse 4: fi« 31Q 31,3 7 597 93 7 ■ 5. Letzte Produktionsstadien u. zwar: Nahrungsmittelindustrie . . . Getränke u. Tabak Kleidungsu, hygien. Industrien Polygraphische u. Kunstgewerbe . Uhren, Präzisionsinstrumente . . 44 797 23 548 244 534 18 996 5 240 34,8 38,3 48,1 53,9 66,5 11036 22 981 20 298 450 48,9 70,8 35,2 ,21,4 Zusammen Klasse 5: i iVAi i 15 i j 45,5 54 765 47,7 kaum den Durchschnitt erreicht und nur in den letzten Produktionsstadien (Kleidungs-, Nahrungs-,Tabak-, polygraphische Industrien) den Durchschnitt übersteigt. Die Besonderheit der industriellen Tätigkeit ergibt sich aus der bemerkenswerten Tatsache: die jüdische Arbeit ist vorwiegend in den letzten Stadien der Produktion — der Erzeugung von gebrauchsfähigen Konsummitteln — konzentriert: nur selten wird sie für die mittleren Stadien — Erzeugung von Hilfsmaterialien und Halbfabrikaten — verwendet und ist von den ersten Stadien, von der Ur- und Rohproduktion gänzlich ausgeschlossen. In Berlin nun sind 50,23 % von den Männe rn, 65,7 % von den Frauen aller in der Industrie tätigen Ostjuden im Bekleidungsgewerbe beschäftigt. Wir finden sie besonders in allen Spezialgebieten der Schneiderei, die Männer zumal als Zuschneider und Bügler, auch als Kürschner, Schuhmacher, Posamentier- und Mützenmacher. Aber ihre Lage bildet keinerlei Anlaß zu näheren Untersuchungen. In Berlin bedeuten die im Bekleidungsgewerbe tätigen und leistungsfähigen Ostjuden nicht weniger und nicht mehr als jede tüchtige Arbeitskraft. Bezeichnend sind die Antworten, die auf unsere Anfragen von Sachverständigen der verschiedensten Arten des Bekleidungsgewerbes gegeben wurden. Fast kein Arbeitgeber z. B. wußte genau, ob in seinem Betriebe Ostjuden beschäftigt wurden. „Jetzt, da Sie danach fragen, fällt uns ein, der oder jener könne aus Rußland, aus Galizien, aus Rumänien stammen." Diese Tatsache ist vor allem damit zu erklären, daß das Bekleidungsgewerbe, besonders die Konfektion, in Berlin einen sehr großen Umfang hat und die Ostjuden ihrer geringen Zahl nach nicht auffallen. Weshalb sie in der Schneiderei sogar keine Rolle spielen, hängt auch damit zusammen, daß jene Technik, die in England und Amerika kurz als die „jüdische" bezeichnet wird, hier längst eingebürgert war, ehe die Einwanderung stärker und regelmäßiger einsetzte. Diese Technik beruht auf intensivster Maschinenbenutzung und weitgehender Arbeitsteilung. Dadurch wird es möglich, auch ungelernte Arbeiter zu beschäftigen und zwar bei der Ausführung eines untergeordneten Teilprozesses. Etwa Knöpfe annähen, Taschen