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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1920-01-01 · Heft 1-6 (Januar 1920) · p. Seite 15

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
16 (1920)
Issue
Heft 1-6 (Januar 1920)
Article
Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
Date
1920-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 — ostjüdischen Einwanderer kommt schon mit einigen Kenntnissen der deutschen Sprache hierher. Außerdem vollzieht sich in kurzer Zeit eine sprachliche Angleichung wenigstens im Geschäftsleben, Zu Hause sprechen die Ostjuden ziemlich lange nach ihrer Einwanderung noch den Jargon. Die Berufsstatistik von 1910, auf die wir noch zurückkommen, beweist, daß es den Ostjuden tatsächlich gelungen ist, in vielen Berufen Fuß zu fassen, wenn auch in einzelnen in sehr geringer Anzahl. Nur zum kleinsten Teil beschränkt sich aber das Arbeitsfeld auf die Ghettogegend. Der Ostjude, der von Berlin schon mehr kennt als nur die Grenadierstraßengegend und nächste Umgebung, sucht seine Wohnung mehr in der Nähe seiner Tätigkeit. Daher ist das eigentliche Ghetto trotz der stärkeren Einwanderung im Laufe der Jahre nicht umfangreicher geworden. Hier ist zwar das ostjüdische Leben am infoticiuciAfn c'rviirhrsr n «-» r$ 4r«H A T Trs iutviiui Vuivii opwi k/ui UHU LI III aU!vH UL^IJLi befangensten sofort in Erscheinung. Aber es umschließt nur einen Teil der ostjüdischen Bevölkerung und repräsentiert nicht, wie z. B. East-End in London, die Summe aller hier lebenden ostjüdischen Individuen. Um ein genaues Bild von der örtlichen Verteilung der Ostjuden innerhalb Berlins zu geben, haben wir die folgende Tabelle aufgestellt- #« Ortliche Verteilung der Ostjuden in Berlin. I.*) Stadtteile Ostjuden insges. Galizianer Rumänen Russen Gesamtbevölkerung m W m w m W m w m W ' Mittlere Zone . . 2133 1512 1263 824 117 75 753 [ 613 56 544 55 548 Norden . . . 1 «US 1 159 1044 773 47 27 ' 474 359 325 327 351136 Osten..... 1124 739 737 458 92 60 295 221 230 045 248 085 Westen. . . . 544 426 202 119 32 28 310 279 146 990 168 623 Süden ..... 471 284 343 189 29 13 99 82 173 431 183 951 Südwesten . . . 210 92 101 45 26 9 83 38 61 869 96 422 Anteil der 0 s t j u d e II. n a n d i e G e s a m t b e v ö 1 k e r u n g. Mittlere Zone . , 35,27 36,68 34,22 34,21 34,11 35,37 37,38 38,50 3,77 2,72 Norden .... 25,88 28,11 28,29! 32,09 13,70 12,73 23,53 22,55 0,48 0,53 Osten ■ 4 lö.öö 17.9H 19,97 19,02 26,32 28,30 14fö4 13,öö 0,48 0.29 Westen .... 8.99 10,33 5,47 4,94 9,32 13,20 15,39 17 52 0.37 0,25 Süden . . . « . 7.78 6,88 9,29 7.84 8,45 6,13 4,91 5,15 0,27 0,15 Südwesten 3 AI •iS y J. t 9 93 &~t f 2,73! 1 Rß i i,,-/v> 7 KR A OK j.,ij<j A 19 -Lj JL U4 2,38 O 32 V/>V"J 0,09 Es ist anzunehmen, daß namentlich die im Westen wohnenden Ostjuden größtenteils erst hier zu Wohlstand gekommen sind und schon vor längerer Zeit sich in Berlin ansässig gemacht haben. Viele von ihnen sind vollständig assimiliert bis auf einen gewissen Akzent der Sprechweise vielleicht. Ob die Assimilation soweit geht, daß hier eingewanderte Ostjuden den christlichen Glauben annehmen, läßt sich nicht feststellen, ist aber kaum anzunehmen. Dagegen kommt es vor, daß schon die Kinder hier eingewanderter Ostjuden dem religiösen Leben wie dem Ideenkomplex des Judentums völlig fremd, geworden sind.

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