Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 16 (1920)
- Issue
- Heft 1-6 (Januar 1920)
- Article
- Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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auch heute noch zum Teil zu konstatieren ist, damals unendlich viel stärker ausgeprägt war, so darf man schließen, daß die 232 Personen immerhin die Mehrzahl der damals in Berlin lebenden Ostjuden bildeten, Eine verhältnismäßig starke ostjüdische Einwanderung haben aber die Jahre 1875—1880 gebracht. .Zwar war Amerika und London das Haupteinwanderungsgebiet und in Berlin blieb nur ein verhältnismäßig sehr kleiner Teil. Aber der Gedanke auszuwandern, wurde immer mehr zum Lebensplan in ostjüdischen Kreisen. Und die Zahl derer mehrte sich, die in Berlin bereits Verwandte und Freunde aus der Heimat hatten. Nach dem Volkszählungsbericht von 1880 lebten damals schon 2014 russische Juden hier und 940 Personen, die aus Österreich-Ungarn stammten. Diese starke Einwanderung riet sehr starke Proteste hervor. In den Jahren 1881/82 wurden die Russen ausgewiesen. Viele fanden in Sachsen Aufnahme. Andere wanderten weiter nach Amerika, nach London. Von rumänischen Juden, die im Jahre 1884 einwanderten, hören wir, daß damals russische Juden kaum noch hier gelebt haben, und daß Galizianer, von denen ebenfalls viele ausgewiesen waren, und Rumänen teilweise ihre Geschäfte weiterführten. Aber die Einwanderung von Ostjuden nach Berlin war keineswegs zum Stillstand gekommen. Sie war nur zeitweise unterbrochen worden. Die russischen Pogrome, die elenden Lebensverhältnisse der galizischen Juden und der politische Druck in Rumänien setzten große Scharen von Ostjuden in Bewegung. Kleine Gruppen splitterten auf der Fahrt nach Amerika hier ab, wurden hier ansässig. Bereits im Jahre 1905 lebten hier nach der Volkszählung1) in Preußen 6730 russische x) Zeitschrift des Königi. Stat. Landesamtes 1908, 48. Jahrg. Abt. III. und 7901 aus Österreich stammende Juden. Aber in den Jahren 1906 und 1907 wurden alle russischen Juden ausgewiesen, die infolge der Revolution hier eingewandert waren und nicht nachweisen konnten, daß sie schon vor 1904, wenn auch nur vorübergehend, hier ansässig waren. Ausweisungen im kleineren Umfang wurden und werden häufig erlassen. Sie treffen solche Elemente, die keine selbständige Existenz haben und lediglich auf Unterstützung angewiesen sind, und jene, die irgendwie mit der Polizei in Konflikt geraten. Aber trotz wiederholter, oft auch rigoros durchgeführter Ausweisung, hat im allgemeinen die Einwanderung von Ostjuden nach Berlin zugenommen. Zuzug von Ostjuden nach Berlin in den einzelnen Jahrfünften: I.*) Zuzugs¬ GaÜzianer Rumänen Russen zeit m w m w m w 1910/1906 1898 1192 158 75 890 611 1905/1901 697 483 81 66 399 373 1900/1896 443 255 47 31 193 164 1895/1891 250 177 26 23 128 125 1890/1886 228 162 21 11 117 106 1885/1881 77 68 10 7 49 56 vor 1881 84 68 3 7 236 151 II.*) Galizianer Mehrung Zuzugszeit in % in °/ /o m w m w 1910/1906 ..... 1905/1901 ..... 1900/1896. .... 1895/1891 ..... 1890/1886 ...... 1885/1881 ..... 51,61 18,95 12,04 6,79 6,20 2,09 49,56 20,08 10,60 7,35 6,73 2,82 42,66 6,91 5,25 0,59 3,11 29,48 9,48 2,25 0,62 3,91