Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 8-12 (August 1919)
- Article
- Aus den Ergebnissen der jüdischen Kriegsteilnehmerstatistik
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
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— 118 - anderes Bild. In beiden Orten ist im Jahre 1914 weniger als 50% sämtlicher Kriegsteilnehmer unter die Fahnen gerufen worden, und zwar in Tilsit 46.83%, in Allenstein 48,59%, im darauffolgenden Jahr in Tilsit 16,66%, in Alienstein dagegen 20,39% — Arne iq+ fiPT h CiCVi QTA iP v C\ *7 A n f c a t t rlür iihüf \JL£L£3 IO L l*vv"v/iv x i v/t/ViU.ütH./rfj l_4\_I U!L/Wi haupt in der Provinz Ostpreußen für das Jahr 1915 ermittelt wurde. Andererseits stellte Allenstein im Jahre 1917 nur 7,77% seiner Kriegsteilnehmer, im Gegensatz zu 16,66% in Tilsit. In den Gemeinden unter 200 Seelen trägt die Verteilung der Eingezogenen auf die einzelnen Jahre einen — wenn man so sagen darf — mehr gleichmäßigen Charakter. Es fällt die Ziffer von 1915 bis 1918 nicht sprungweise, sondern in einem bestimmten \ 7öf-Vt öl-ftn i c V Iwl Ii WI IJLIJLO. Faßt man das Ergebnis der Tabelle in ihrer einfachen Form zusammen, so läßt sich nur das eine wiederum sagen, auch hier ist das Bild keineswegs überall das gleiche, fast an jedem Ort sind die Grundbedingungen andere gewesen; in dem einen war bei Kriegsausbruch die Anzahl der gedienten Leute größer gewesen als in dem anderen, in jenem die Zahl der in höherem Alter........stehenden landsturmpflichtigen Perj sonen größer als in diesem, überall spielt j ferner das Maß der' Kriegsfreiwilligkeit eine j gewisse nicht zu unterschätzende Rolle, So ist sicher der oben erwähnte hohe Prozentsatz von Eingezogenen in Königsberg im Jahre 1914 auf den starken Anteil der Kriegsfreiwilligen dortselbst zurückzuführen. Wenden wir uns nunmehr der Frage zu, wie viele der in den einzelnen Jahren Eingezogenen vor dem Kriege gedient hatten. Von den 1900 Feldzugsteilnehmern der Provinz Ostpreußen waren 662 34,84% als gedient ermittelt worden; da hier die Fehlziffer 7,05% beträgt, ist die festgestellte Zahl nur als Annäherungswert zu betrachteri. Immerhin waren mehr als Ys a1^er jüdischen Soldaten militärisch ausgebildet, als der Krieg hereinbrach. Von diesen 662 Gedienten sind im Jahre 1914 554 d. h. 83% einberufen worden. Vom ungedienten Landsturm ist in der ersten Kriegszeit, um das Wirtschaftsleben nicht allzusehr zu schädigen, und weil man mit einer kurzen Kriegsdauer rechnete, nur ein kleiner Teil eingezogen worden; obwohl wir die Stärke des Landsturmaufgebots in der Provinz Ostpreußen nicht kennen, glauben wir doch nicht fehlzugehen in der Annahme, daß gerade in Ostpreußen wegen der Bedrohung durch die russische Invasionsarmee auch schon in den ersten Kriegsmonaten die ungedienten Leute in relativ größerer Anzahl zum Heeresdienst herangezogen worden sind als anderswo. Es sind von den 1104 ungedienten jüdischen Soldaten 383 35% im Jahre 1914 einberufen worden. Uns scheint diese Zahl ziemlich beträchtlich zu sein, und dies erklärt uns auch, weshalb schon 1914 mehr als die Hälfte der waffenfähigen Judenschaft unter Waffen stand. In Königsberg betrug im Jahre 1914 der Anteil der ungedienten Feldzugsteilnehmer 41 % der Gesamtzahl der Ungedienten. > Hierin spiegelt sich zweifellos der nicht unbedeutende Umfang der Kriegsfreiwilligkeit in Königsberg wieder. Weshalb in dem einen Orte früher, in dem anderen später die ungedienten Landstürmer eingezogen wurden, läßt sich natürlich nicht ohne weiteres aus der Tabelle entnehmen. Sie erklärt, wie man gesehen hat, manche Frage, welche man bei der Betrachtung der Ziffern der in den einzelnen Kriegsjahren Eingezogenen aufwirft, aber nicht alles. Weiteres Licht dürfte die Untersuchung der Altersgliederung, kombiniert mit der Unterscheidung ob gedient oder