Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 98 (sequence 34)
- Language
- German
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— 98 — Aehnliche Vorgänge, wie sie sich im j Detailhandel abspielten, lassen sich auch in anderen Zweigen des Handels verfolgen. Tendenzen der Konzentration und der Ausschaltung sind für die neuzeitliche Entwicklung des ganzen Handels von weittragender Bedeutung. Die Konzentration im Bankwesen ist für die Juden Hamburgs gleichfalls bedeutungsvoll geworden. Das Wachstum der großen Bankhäuser geschah auf Kosten der mittleren und kleinen Geschäfte und untergrub die Selbständigkeit vieler jüdischer Privatbankiers. Heute sind nur noch zwei Großbanken in jüdischen Händen. In den anderen Großbanken findet man nur wenige Juden. Die leitenden Stellen bleiben ihnen verschlossen und die durch die Konzentration bewirkte Mechanisierung der Arbeit hält sie außerdem davon ab, als Angestelite tätig zu sein. Daher kommt es auch, daß der Geld- und Kredithandel von 1895 bis 1907 einen absoluten Rückgang der Juden aufzuweisen hat. Ihr Anteil, im Vergleich zu der hier tätigen andersgläubigen Bevölkerung sinkt von 32,2 auf 15,5 °/e. Die große Zunahme der Andersgläubigen (87,3 %) beruht hauptsächlich auf eine Steigerung der Angestellten, die in erhöhtem Maße von den Bankkonzerns gefordert werden. Wer aber eine Geschichte des hamburgischen Bankwesens schreiben will, wird nicht an der Bedeutung vorübergehen können, die die Juden für seine Entwicklung gehabt haben (ich erinnere nur an Salomon Heine). Selbst schon bei der Gründung der Hamburger Bank im Jahre 1619, deren Organisation der Reichsbank als Vorbild diente, waren eine Anzahl Juden beteiligt und in leitender Stellung tätig. Zurückgekehrt zu umstehender Berufstabelle findet sich in der Rubrik „Handelsvermittlung, Kommission, Agentur" usw. auch eine verhältnismäßig starke Beteiligung C5 w C5 der Juden. Ihre Zunahme von 40% ist bemerkenswert. Da die Steigerung der übrigen Bevölkerung in diesen Berufen aber 68 % beträgt, sinkt ihr Anteil trotzdem von 15,7 auf 13,5 Vo. Andere Verhältnisse ergeben sich im Verkehrsgewerbe. Bei der Post, Straßenbahn, Eisenbahn etc., Berufen, die ein Selbständigwerden ausschließen, treffen wir nur wenig - Juden, da auch der Zugang zu leitenden Stellungen für sie nicht offen ist. Die Zahl der hier tätigen Andersgläubigen hat sich innerhalb der beiden Zählungen dagegen fast verdoppelt. Die geringe Anzahl der hier tätigen Juden braucht aber hier nicht zugleich eine Negierung jeglichen Einflusses in diesen Berufen zu bedeuten. So fand ich z. B. in einer Schrift aus dem Jahre 1870: „Eigenes über die culturentwickelnden Aufgaben der Banken" von Gustav Tuch, folgenden Hinweis: „ . . . daß wie im Handel überhaupt, so auch um die Entwicklung der Post ihnen (den Juden) ein großes Verdienst beizumessen ist. Eine vor einigen Jahren seitens der Preußischen Postverwaltung erschienene wissenschaftliche Erörterung weist dies letztere in ausführlicher hervorragender Weise nach." Ein weiterer Beitrag für die Unvollkommenheit rein quantitativer Betrachtungsweise liefern die kleinen" Ziffern der Juden in der Reederei und die große Bedeutung, die sie durch Ballin darin gewonnen haben. In einer Zeit, wo das Schwergewicht der nationalen Wirtschaft Deutschlands sich der überseeischen Schiffahrt zuneigte, war er hier einer der wichtigsten, treibenden - und von höchster Stelle anerkannten — Faktoren. Im Hinblick auf die vorangegangenen Untersuchungen soll auf den Rückgang der Juden im Handel eingegangen werden. Ihr Prozentsatz im Reich sank von 56,02 Yo im