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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1919-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1919) · p. Seite 97

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
15 (1919)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1919)
Article
Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
Date
1919-05-01
Page
Seite 97 (sequence 33)
Language
German
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- 97 - duktion" bedeutungsvoll geworden. An ihrer Gründung war ein Jude — May1) — in hervorragendstem Maße beteiligt. Auch der erste Geschäftsführer war ein Jude. Die neuen Prinzipien, die hier zum erstenmal in die Erscheinung traten: Organisierung des Konsums, um zur Eigenproduktion zu kommen, die sich durch entsprechende Neuorganisation glänzend bewährten, wurden vorbildlich für die Genossenschaftsgründungen in ganz Deutschland. Die Bedeutung, die die Produktion für Hamburg gewonnen hat, kann daran gemessen werden, daß der Umsatz, der im Jahre 1907 6 Millionen jährlich betrug, bis 1910 auf 13 Millionen und bis 1914 auf 25 Millionen stieg, so daß nahezu der dritte Teil der hamburgischen Bevölkerung von ihr versorgt wird. Der Gang dieser ganzen Entwicklung ist dazu angetan, die Verminderung der Juden in diesen Berufen verständlich erscheinen zu lassen. Ehe die Gruppe des Waren- und Produktenhandels verlassen wird, muß dem Export noch eine gesonderte Betrachtung zuteil werden, weil er einen der Hauptfaktoren im Hamburger Wirtschaftsleben bedeutet. Inwieweit die Juden daran tätig sind, ließ sich durch eine Prüfung des Hamburger Exporthandbuchs ermitteln. Danach machten die ais Juden geborenen Exporteure 15 %2) der Gesamtzahl aus. Da ihr Anteil am Handel 3,4 % beträgt, ist ihre Beteiligung am Export eine fünfmal so starke. Doch würde die Höhe dieser Ziffer ohne weiteres noch keinen Maßstab für die Bedeutung der Juden im Hamburger txport ergeben können. Sombart8) sagt, daß der Handel Hamburgs mit Spanien und Portugal sowohl als mit ') Identisch mit dem Verfasser der zit. Konfess. Militärstatistik. 2) Siehe May: Konfess. Militärstatistik, S. 52. 3) Sombart: Die Juden und das Wirtschaftsleben, S. 26. Holland schon im 17. Jahrhundert fast ausschließlich in den Händen der Juden lag. Besonderen Anteil daran hatten die aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden dank ihrer ununterbrochenen Verbindungen mit diesen Ländern und deren überseeischen Kolonien. Sie wurden daher auch vom Senat besser behandelt als die deutschen Juden, die man auswies. Aber auch heute findet man jüdische Firmen unter den großen Hamburger Exporteuren oder auch nichtjüdische bedeutende Exporthäuser, die von Juden geleitet werden. Höhere Schulbildung, Begabung für fremde Sprachen, Organisationstalent, sowie weitreichende ausländische Beziehungen befähigen sie, im Export wie auch im Import eine bedeutende Stellung einzunehmen. Als Beweis dafür mag auch eine Sitzung des Vorstandes und Beirats des Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika angesehen werden, die im Juli 1917 unter dem Vorsitz des Staatssekretärs a. D. Dernburg in Hamburg stattfand.4) Gegenstand der Beratung war der Wiederaufbau des Exports nach dem Kriege. Alle Versammlungsredner — außer dem Direktor der Norddeutschen Bank — waren Juden oder jüdischer Abstammung: George Simon (i. Fa. Simon Israel & Co.), Unger, Carl Cohn (Mitgl. der Bürgerschaft, i. F. Arndt & Cohn) und Dernburg Und alle Vorschläge organisatorischer Art, die in dieser Versammlung gemacht wurden, gingen von ihnen aus. Simon forderte die Schaffung einer großen Exportbank und Dernburg verlangte von der •Regierung und Senat die Schaffung eines Marktes für überseeische Werte. Beide Vorschläge wurden in einer Resolution — bei zwei Stimmenthaltungen von Vertretern von Großbanken — einstimmig angenommen. 4) Siehe May: Konfess Militärstatistik, S. 51.

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