Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1919)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in Hamburg
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 35)
- Language
- German
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— 99 — Jahre 1895 auf 50,56% im Jahre 1907, während er in Hamburg nur von 55,48 auf 53,93 % herunterging. Der überwiegend kommerzielle Charakter Hamburgs hält sie mehr im Handel fest, während sie im Reich, dem Zuge der aligemeinen Entwicklung folgend, mehr und mehr zur Industrie übergehen, in Hamburg sind es hauptsächlich die Rentner und die freien Berufe, die eine steigende Beteiligung der Juden aufzuweisen haben. Ob dieser prozentuale Rückgang im Handel nun auch zugleich eine Abnahme jüdischen Einflusses bedeutet, kann heute noch nicht entschieden werden. Jedenfalls ist aber zu bedenken, daß gerade für kaufmännische Geschäfte die Zahl der in ihnen beschäftigten Personen kein Kriterium für ihren Umfang und ihre Bedeutung ergeben kann. Industrie . An zweiter Stelle steht bei den Juden die Industrie, in der sie 1895 mit 17,25 V», 1907 mit 17,33 V'o vertreten sind Ihre Zunahme beträgt 24,1 %, ist also größer als ihr Wachstum im Handel (20%) und übersteigt auch die Zunahme der gesamten jüdischen Erwerbstätigen, die 21,6 % ausmacht. Die steigende Beteiligung der Juden an der Hamburger Industrie bleibt aber zurück hinter ihrer Zunahme in der Industrie des Reiches. Sie beträgt hier 37 % und ist doppelt so groß als das Wachstum aller ihrer Erwerbstätigen. Die Ursache liegt an Hamburgs geringerer Industrialisierung nnd dem Ueberwiegen des kommerziellen Elementes. Die übrige Bevölkerung ist 1895 mit 35,08, 1907 mit 35,42 % in der Industrie vertreten, also fast gleich stark wie im Handel (32,0 bezw. 34,9%). Während aber ihre Zunahme im Handel 50% beträgt, zeigt sich in der Industrie nur eine Steigerung von 43,9 %, die das Wachstum aller ihrer Erwerbstätigen (41,6 %,) weniger übertrifft als es bei den Juden der Fall ist. Zur besseren Orientierung soll die nachstehende Gliederung in Berufsgruppen dienen. (Siehe S. 100, 101.) Am stärksten ist die Besetzung ^der Gruppe „Bekleidung und Reinigung'*, die durch die Konfektion eneicht wird. Innerhalb der Zählungsjahre findet hier eine Zunahme von 19,3% statt, so daß der Anteil der Juden an der Gesamtzahl der in diesen Berufen tätigen Andersgläubigen von 1,8 auf 1,9% steigt. Die Gruppe der Nahrungs- und Genußmittel zeigt auch verhältnismäßig hohe Zahlen. Obwohl aber ein Wachstum von 18,8% vorhanden ist, sinkt der Anteil der Juden von 1,8 auf 1,4 Vo infolge der größeren Beteiligung der Andersgläubigen. — Die Gruppen „Metallverarbeitung, Maschinen, chemische Industrie, Leder, Papier, Holz- und Schnitzstoffe" etc. haben gleichfalls eine steigende Beteiligung aufzuweisen, wie überhaupt ein Blick auf alle industriellen Gruppen der | Tabellen ein langsames Aufrücken der Juden; erkennen läßt. Wenn trotzdem ihr Anteil! nur ein geringerer oder ein abnehmender ist, so liegt es an dem unverhältnismäßig stärkeren Einströmen der übrigen Bevölkerung. Entscheidend für die Bedeutung in einem Beruf ist nicht nur die Anzahl, sondern auch die soziale Schichtung der darin tätigen Personen. Betrachtet man daher die obigen Berufsgruppen nach dem Verhältnis in dem Unternehmer (= a Pers.), Angestellte (= b Pers.) und Arbeiter (= c Pers.), darin vorhanden sind, so zeigt sich durchweg die höchste Ziffer der Juden bei den Unternehmern, geringer ist ihr Anteil an den Gehilfen und am niedrigsten an den Arbeitern. Ausführlicher wird über das Charakteristische dieser sozialen Gliederung noch an anderer Stelle gesprochen werden.