Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 4 (April 1919)
- Article
- Die Zukunft der Statistik der Juden
- Date
- 1919-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Bevölkerung außerordentlich bedauerlich wäre. Die Konfessionsstatistik der neutralen Länder, insbesondere Hollands und Dänemarks, wird uns erhalten bleiben. Wenigstens sind keine Anzeichen dafür vorhanden, daß eine Aenderung beabsichtigt ist. Letzteres gilt auch für die Ententeländer Frankreich, England, Italien, Belgien und Amerika, die schon früher bei ihren Erhebungen die Konfession völlig unberücksichtigt gelassen haben. Hier dürfte ebensowenig eine Aenderung zu erwarten sein. " Rumänien und Serbien, welche eine gut ausgebildete Konfessionsstatistik hatten, werden dieselbe hoffentlich beibehalten. Die Grundlagen für die künftigen Arbeiten auf dem Gebiete der Statistik der Juden sind also im wesentlichen dieselben, wenn wir von den noch ungeklärten Verhältnissen des vormals russischen Reiches und Oesterreich-Ungarns absehen. Doch scheint es nicht ausgeschlossen, daß sich auch in diesen Ländern die Notwendigkeit einer Konfessionsstatistik ergeben wird, die auch über manche grundsätzlichen und politischen Bedenken siegen dürfte. Unser Büro wird also reichliche Arbeit haben, selbst wenn es sich nur auf die Verarbeitung des veröffentlichten amtlichen Materials beschränken wollte. Es wird aber seinen Aufgabenkreis gerade mit Rücksicht auf die Forderungen der neuen Zeit erheblich erweitern müssen und dadurch an Bedeutung gewinnen. Auch in Kreisen, die unsere Tätigkeit bisher nicht genügend gewürdigt haben, wird man notgedrungen unsere Mitwirkung suchen und die Notwendigkeit unseres Büros einsehen. Zunächst mag darauf hingewiesen werden, daß die Trennung von Kirche und Staat, | die ja in irgend einer Form kommen wird, j die Existenz der großen jüdischen Gemeinden bedrohen wird, da sicherlich Viele, die bisher dem Judentum gleichgiltig gegenüberstanden und nur vor dem Austritt aus dem Judentum in der alten Form eine gewisse Scheu hatten, sich ohne große Gewissensbedenken von der Gemeinde trennen werden, sofern ihnen dies durch die Neuregelung leicht gemacht wird nnd ihnen die Zugehörigkeit zur Gemeinde nur Lasten auferlegt, ohne ihnen materielle Rechte zu gewähren. Falls die Neuregelung, wie erwartet wird, dahin geht, daß die Zugehörigkeit zur Gemeinde erst durch eine ausdrückliche Beitrittserklärung begründet wird, so werden die Gemeinden das größte Interesse daran haben, die Juden des Ortes, vor allem die von außerhalb Zuziehenden, kennen zu lernen, um unter ihnen — natürlich in geeigneter und würdiger Weise — für den Beitritt zur Gemeinde Propaganda zu machen, Die Grundlagen dafür kann nur die Statistik schaffen. Ferner werden die Gemeinden, insbesondere die Großgemeinden, ihre Verwaltungstätigkeit nach der Richtung ändern müssen, daß wirklich alle finanziellen Kräfte ihrer Mitglieder erfaßt und ausgenutzt werden und daß in allen Verwaltungszweigen nach modernen Grundsätzen gearbeitet und jede Verschwendung von Geldmitteln und Arbeitskräften vermieden wird, (Zentralisierung der Wohlfahrtspflege, richtige örtliche Verteilung von Synagogen und Schulen u. dgl.) Die unerläßliche Vorbedingung hierfür ist wiederum die Statistik. Für alle diese Zwecke steht das Büro für Statistik der Juden den jüdischen Gemeinden zur Verfügung, sofern es mit den dafür erforderlichen Geldmitteln ausgestattet wird. Auch in der großen Politik kann die Statistik der Juden nicht entbehrt werden. Es steht zu erwarten, daß in den nächsten