Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1919)
- Article
- Krankheiten und Sterblichkeit bei den Juden und Nichtjuden in Amsterdam
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 4)
- Language
- German
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47 - Ich habe auch die Sterblichkeit in den beiden ersten Lebensmonaten berechnet, und zwar für die verschiedenen Kinderkrankheiten. Die Theorie, welche Auerbach auf Grund seiner Studien in dieser Zeitschrift als Erklärung über die Sterblichkeit in Budapest für den Unterschied zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Kindern aufgestellt hat, habe ich für Amsterdam geprüft, und ich muß sagen, daß meine Ziffern noch viel besser als die seinigen die Theorie stützen. Von 1000 verstorbenen Säuglingen fand Auerbach als an angeborener Lebensschwäche verstorben bei den Juden 30,7 und an Darmkatari h 17,9, bei den Römisch- Katholiken fand er 24,1 und 24,7. Ich habe für Amsterdam gefunden Juden angeb. Lebensschwäche M. 20,99 w. 16,59 Darmkatarrh „ 10,34 „- 11,22 Nichtjuden angeb. Lebensschwäche M. 18,76 w. 14,07 Darmkatarrh „ 27,05 „ 21,04 Weiter hat Auerbac h für die Sterblichkeit der ehelichen und unehelichen Kinder pro 1000 Lebendgeborene gefunden: ehelich unehelich Juden 92 143,4 Römisch-Katholische 101,9 176,8 In Amsterdam waren die Ziffern pro 1000 Lebendgeborenen: ehelich unehelich Juden M. 82,9 w. 67,1 Nichtjuden „108,9 „ 87,6 ehelich unehelich TiirjPn M 009 Q . nr 911 Q U UUWll iTl» i.v/^ji/ Wä i'II;'--' Nichtjuden ,, 186,8 ,, 154,3 Wenn man die Theorie Auerbachs kennt, wird man sehen, daß diese Ziffern ein sehr guter Beweis dafür sind. Das folgende Kapital handelt über die Verteilung der Sterbefälle nach Todesursachen in den verschiedenen Altersgruppen. Die hier angeführten Tabellen sind zu zahlreich und zu groß, um hier vorgeführt zu werden, und kann ich nur auf das Buch selbst verweisen. Dem Trachom, das in Amsterdam eine endemische Krankheit unter den Juden bildet, ist ein besonderes Kapitel gewidmet. Vor 4 Jahren ist von der Stadtverwaltung eine Kommission ernannt worden, welche ein genaues Studium dieser Krankheit begonnen hat und im vorigen Jahre einen eingehenden Bericht erstattete. Sie hat unter anderem gefunden, daß von 66 418 nichtjüdischen Schülern 0,6 % und von 7 062 jüdischen Schülern 8,8^ Trachom hatten. Es gibt in Amsterdam mehr jüdische als nichtjüdische Blinden. Pro 100000 Personen waren am 1. Januar 1917 blind in Amsterdam. Juden Nichtjuden Männi. 227 Männl. 94 weibl. 153 weibl. 64 In den Schlußbetrachtungen habe ich die verschiedenen Erklärungen, welche ich im ersten Kapitel hervorgehoben habe, an meinem Material geprüft. Ich meine, daß die Inzucht keinen degenerativen Einfluß gehabt hat. Wohl aber glaube ich, daß mehr Landarbeit, bessere Körper- und Wohnungshygiene sehr gute Erfolge für das jüdische Volk haben würden. Daß dies in der Diaspora durchzuführen wäre, glaube ich kaum. Nur in Palästina kann, wenn nach dem Kriege dort eine jüdische Gemeinschaft entstehen sollte, vom hygienischen Standpunkt aus betrachtet, ein Musterstaat sich entwickeln, an welchem andere Völker sich ein Beispiel nehmen können. Wie schon erwähnt, ist es mir nicht möglich, alle Tabellen über die Juden in Amsterdam, Budapest, Krakau, und Lemberg hier wiederzugeben. Ich will schließen mit der Mitteilung, daß mein Studium sich auf