Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1919)
- Article
- Krankheiten und Sterblichkeit bei den Juden und Nichtjuden in Amsterdam
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 2)
- Language
- German
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4 Knaben und Mädchen. Am 8. Tage der Geburt wird der Junge beschnitten; das ist eine öffentliche Zeremonie. Diese nicht zu beobachten, fällt den Eltern schwer, denn es entsteht dadurch Streit mit den Großeltern. So müssen die Eltern oft gegen ihren Willen der Beschneidung zustimmen. Und nun fühlt der Vater sich verpflichtet, das Kind als jüdisch eintragen zu lassen. Bei den Mädchen ist das anders, Der Vater kann heimlich seine Tochter als konfessionslos bezeichnen, ohne Streit mit den Großeltern zu haben, Deshalb ist der Großstadttypus mehr bei den Mädchen als bei den Knaben ausgeprägt. Was bedeutet dieser Unterschied im Altersaufbau zwischen Juden und Nichtjuden für die Sterblichkeitsstatistik? Das bedeutet, daß wir für Krankheiten, welche hauptsächlich in einer bestimmten Lebensperiode auftreten, die Sterblichkeit nur für Personen dieser Periode berechnen dürfen, und nicht für die ganze Bevölkerung.— Der folgende Abschnitt handelt von der allgemeinen Sterblichkeit. In Amsterdam ist diese pro 1000 Einwohner jeder Gruppe im Durchschnittsjahre der Periode 1901 — 1903 bei Männer Nichtjuden 14,51 Juden 12,00 2,51 Frauen K),61 2~62 Also auch in Amsterdam ist die Sterbf lichkeit der Juden kleiner als die der Nichtjuden. Wir können für jede Altersgruppe dasselbe bestätigen mit Ausnahme der Altersklasse der Frauen zwischen 65 und 79 Jahren. In Budapest habe ich auch im Durchschnitt der Periode 1903-1910 die geringere Sterblichkeit der Juden gefunden. Auerbach gibt für die Periode 1901-1905 für Budapest eine ganz andere Sterblichkeit an, als ich sie gefunden habe. Ich weiß nicht, worauf dieser Unterschied beruht. Wenn ich für Amsterdam berechne, wie 1 000 Sterbefälle jeden Geschlechts auf die Alters» Perioden verteilt sind, so finde ich, daß unter 40 Jahren weniger Juden als Nichtjuden starben. Vom sozialen Standpunkte aus ist die Verteilung der Sterbefälle für die Juden also zweckmäßiger. Im Alter des größten Arbeitsvermögens sterben weniger Juden. Im hohen Alter, wo die Menschen auf Kosten der Anderen leben, sterben mehr Juden als Nichtjuden. Auerbach, Ruppin und Lombroso haben dasselbe für Budapest, Przemysl mid Ungarn festgesteht. Betrachten wir jetzt die Sterblichkeit nach Todesursachen. In Amsterdam betrug diese pro 100000 Personen im Durchschnittsjahre der Periode 1901-1913: Juden Nichtjuden männl. weibl. männl. weibl Febris Typhosa 2,97 2,41 9,30 7,07 Masern 29,98 21,19 44,90 35,37 Scharlach Keuchhusten Diphtheritis 3,51 2,17 3,42 1,88 7,83 7,22 22,71 23,87 8,91 6,74 10,45 8,98 hifluenza F?rvrqi r*o1 4—11 y Jipvi 3,78 3,08 5,03 8,74 2,70 1,92 4,70 4,30 Pyaemieu.septikemie 9,72 4,78 7.49 5,97 and. Infektipnskrankh. _2,97 0,96 2,00 1,04 alle Infektionskrankh. 72,37" 51,00 109,50 97,92 In den folgenden Tabellen meines Buches ist die Morbidität an Infektionskrankheiten berechnet, und man sieht, daß diese-nur für Scharlach bei den Juden höher ist als bei den Nichtjuden. Stock hat im Jahre 1869 und später Körte weg im Jahre 1885 eine höhere Sterblichkeit an Diphtheritis bei den Juden gefunden und zu erklären gesucht. Diese Befunde werden im Buche rekapituliert. Nach einer Vergieichung mit anderen Städten im Auslande folgt eine Tafel für die Sterblichkeit an Infektionskrankheiten nach dem Alter.