Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1919)
- Article
- Die Mortalitätsstatistik der Juden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
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- 18 — Verhältnissen wie ihre christlichen Mitbürger leben. Die Tuberkulose ist dann aber auch, wenn sie den Reichen eher verschont, wieder vornehmlich die Krankheit der Armen, die unterernährt sind und in schlechten Wohnungen hausen. Die relativ erhöhte Sterblichkeit der Juden an Krebs erklärt sich ungezwungen daraus, daß die Juden, da ihre Kindersterblichkeit eine geringe ist, in ein höheres Alter gelangen und hier der Möglichkeit erliegen, an Krebs zu sterben, Krebs ist eben ausgesprochen eine Krankheit des höheren Alters. So erklärt sich auch die relativ höhere Beteiligung der Juden an der Sterblichkeit an Herzkrankheiten, Adernverkalkung und Schlaganfall. — Wir hatten obige Bemerkungen bereits niedergeschrieben, als uns eine soeben erschienene Arbeit Landsbergers zu Gesicht kam, die sich mit dem Aufsatz von G u r a d z e beschäftigt und im wesentlichen eine Bestätigung unserer Ansichten bildet. („Todesursachen und Konfession", Halbmonatsschrift für soziale Hygiene Nr. 31/34). Auch er hält die aetiologische Bedeutung des Alkoholismus und der Beobachtung der rituellen Speisegesetze für sehr zweifelhaft in der Aetiologie der geringeren Beteiligung der Juden an Tuberkulose. Diese selbst sowie die höhere Beteiligung der Juden an der Krebssterblichkeit wird an den beigebrachten Zahlen für Budapest und Wien bestätigt. Es gehörten in Budapest unter 100 Verstorbenen 66 der katholischen, 15 der evangelischen und 17,4 der jüdischen Religion an. Von den an Lungentuberkulose Verstorbenen waren jedoch 72 katholisch, 15 evangelisch und nur 12 iüdisch, bei den an Krebs Ver- / 1 storbenen waren 55% katholisch, 15,7 protestantisch und 16,9 jüdisch. Aehnlich'sind die Verhältnisse in Wien. Bemerkenswert ist ferner, daß der Prozentsatz der an Altersschwäche Gestorbenen bei den Juden größer ist als bei den Katholiken und Protestanten. Die Statistiker haben den Hauptgrund für die meisten Unterschiede der Sterblichkeitsziffern in der W o h 1 h a b e n h e i t und in der Gesundheitsfürsorge der betreffenden Volksgruppen gefunden, in zwei Einflüssen, die sich durchaus nicht überall decken. Wenn die Sterblichkeit der Juden im allgemeinen und bei den meisten einzelnen Todesursachen sich günstiger zeigt als bei den andern Volksteilen, so ist bei ihnen nach Landsberger der zweite Einfluß von großer Bedeutung; die seit Jahrhunderten als Volkssitte bestehende Mäßigkeit der Lebensweise, die übrigens in neuerer Zeit mit der zunehmenden Assimilation sichtlich schwindet, und auch die ebenfalls von Urzeiten hergebrachte Gesundheitsfürsorge, die in dem engeren Familienleben ihren Grund und ihre Stütze hat. Wenn die Sterblichkeit der Juden eine geringere ist, als die der anderen Bevölkerung und sie demgemäß natürlich auch in höherem Umfang ein höheres Lebensalter erreichen, so müssen sie auch zur Altersschwäche ein höheres Kontingent stellen, und es ergibt sich daraus auch für Landsberger die Erklärung für die relativ häufigen Krebserkrankungen der Juden, da Krebskrankheiten vorwiegend erst auf oder nach der Lebenshöhe die Menschen zu befallen pflegen. Außerdem wird, da sie häufiger und früher den Rat der Aerzte in Anspruch nehmen, auch häufiger die Diagnose „Krebs" gestellt. Indessen besteht über den Anteil der Juden an der Krebskrankheit keineswegs volle Uebereinstimmung. P r i n z i n g findet gerade die geringe Zahl der Krebskrankheiten bei den Juden auffallend; allerdings beruht seine Meinung auf älteren Statistiken. Dass nicht Wohlhabenheit, sondern die Gesund-