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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1919-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1919) · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
15 (1919)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1919)
Article
Erwerbstätigkeit und Berufswahl der jüdischen Frau
Date
1919-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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- 6 jüdischen Jugend besonders zu empfehlen | sind. s Man hat früher ganz allgemein die! Frage der Berufswahl ziemlich sorglos behandelt. Wenn überhaupt Erwägungen angestellt wurden, so waren es meist solche ganz äußerlicher Art. Standesvorurteile und Kastengeist waren am Werk, der hoffenden und strebenden Jugend die Zukunft zu verbannen und das mephistophelische Wort „es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ewige Krankheit fort" hat gerade für die Berufswahl eine traurige Zuständigkeit erlangt. Man ist heute glücklicherweise von der überlebten Ansicht zurückgekommen, daß der Sohn des Offiziers allemal Offizier und der des Professors unbedingt Akademiker werden müsse, und hat einsehen gelernt, daß es ebenso sehr im Interesse des Einzelnen wie in dem der Gesamtheit gelegen ist, die Berufswahl nicht nach zufälligen Aeußerlichkeiten der sozialen Stellung, sondern unter dem Gesichtspunkt der besonderen Eignung zu betreiben. Es hat sich sogar ein Institut aufgetan, das in der Anlehnung an das Scientific Management des Tayiorsystems auf dem Wege des psycho-mechanischen Experimentes die Berufseignung festzustellen sucht. Unsere Aufgabe kann nicht sein, auf die Einzelheiten der sich dabei ergebenden Versuchsreihen zur Prüfung der individuellen Aufnahmefähigkeit, Achtsamkeit, Entschlußkraft etc. einzugehen, doch soll die Gelegenheit zu einem ergänzendem Vorschlag wahrgenommen werden. Jede Art von Berufsberatung wäre um vieles leichter, wenn der Berater sachliche Bekundungen zur Feststellung sowohl «des geistigen* wie des Gesundheitszustandes zur Hand hätte. Für die geistige Qualifikation gibt das Schulzeugnis einen gewissen Anhalt, der aber erst dann' seine volle Wirksamkeit entfalten könnte, wenn ihm eine Uebersicht über die körperliche Entwicklung und die gesundheitlichen Verhältnisse beigestellt wird. Ein solcher sogenannter „Gesundheitsbogen" ist z. B. in dem Realgymnasium „Musterschule" in Frankfurt a/M. eingeführt. Für jeden Schulanfänger wird ein solcher Bogen angelegt. Er enthält Rubriken, in die die im Vorschulalter etwa erlittenen Krankheiten und der Gesundheitsbefund beim Schuleintritt eingetragen wird. Der Bogen bleibt in der Schule und wird während der Schulzeit entsprechend fortgeführt. Man sollte ein Duplikat dieses Bogens den obligatorischen Papieren hinzufügen. Er könnte sowohl bei der Berufswahl, wie bei der Prüfung der Militärtauglichkeit und endlich, da er ja auch psychische Anhaltspunkte gibt, bei der Beurteilung etwaiger späterer Straftaten wertvolle Di^nstp 1 Pisten V Y ^» J. «# * *. * Sm* —* *. « »•■■»•» o-w-» -• w -» — . Auch die jüdische Berufsberatung wird, wenn sie ihres Amtes in rechter Weise walten will, genötigt sein, sich der hier verfügbaren Mittel und Methoden zu bedienen. Zu rechter Fruchtbarkeit können sie freilich nur in der Hand des sowohl pädagogisch wie volkswirtschaftlich und wenn irgend möglich hygienisch geschulten Berufsberaters gelangen. Der jüdischen Berufsberatung ist dabei eine Sonderaufgabe gestellt, daß ein sicherer Takt und ein individualisierendes Sicheinfühlen alle die seelischen; Um wägbarkeiten in Betracht zieht, die hier so oft als I belastendes Gewicht der Berufswahl anhän- | gen. Das gilt für die höheren Berufe ganz! ebenso wie für die Widerstände, die sich bei der arbeitsungewohnten oder in falschverstandenern Ehrbegriff die Arbeit verach- | tenden ostjüdischen Bevölkerung ergeben. j Daneben macht der Umstand, daß uns | Juden auch in Bezug auf die Berufsberai tung und Berufswahl eine über das per-

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