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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1919-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1919) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
15 (1919)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1919)
Article
Erwerbstätigkeit und Berufswahl der jüdischen Frau
Date
1919-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 gegenwärtig hält, daß zur Industrie auch das Bekleidungsgewerbe gehört. So wird jede kleine selbständige Näherin, Schneiderin und Putzmacherin ebenso zur Klasse der Selbständigen gerechnet, wie etwa der Großkonfektionär, der Hunderte, oder der Fabrikant, der Tausende von Arbeitern beschäftigt. Der Prozentanteil der Jüdinnen an der industriellen Arbeit ist von 26,28 auf 27,73 gestiegen Von 100 jüdischen Erwerbstätigen der Industrie waren 1895 : 22,5 und 1907 : 23,66 weiblichen Geschlechts. Die weibliche Beteiligung am Handel hat sich von 19123 im Jahre. 1895 auf 27 846 erhöht. Von 100 jüdischen Erwerbstätigen waren 1895 : 48,5 und 1907 : 51,81 weiblichen Geschlechts. Der Prozentanteil der Männer ist bei einer kleinen absoluten Erhöhung von 69,16 auf 64,14 zurückgegangen. Die Position der weiblichen hat sich insofern verbessert, als eine nicht unwesentliche Erhöhung (von 69,16 auf 64,14) der Zahl der Selbständigen bei gleichzeitiger Verminderung der Zahl der bloß Handlungsdienste leistenden Arbeiterinnen eingetreten ist. Trotz dieser auch für die Zukunftserwägungen der Berufswahl bemerkenswerten Verschiebung tritt gerade im Handeisgewerbe noch deutlicher als in den übrigen Berufszweigen die Tatsache des Verharrens der Weiblichen in den niedrigen Berufsabteilungen hervor. Die Männer sind an den selbständigen Stellungen mit 69297 21,4% aller jüdischen Haridelsbeflissenen und mit nur 25277 21.4% an den niedersten Stellungen als Arbeiter etc. beteiligt. Die Frauen verfügen bei 27846 im Haudelsgewerbe Tätigen über 9 099 32,6% Selbständige, 3335=12% Angestellte und 7170 25,7% Arbeiterinnen. Auch in den freien Berufen hat sich die Zahl der Weiblichen bedeutend erhöht. Sie ist von 1 753 i. J. 1895 auf 3056 i. J. 1907 oder um 74,3% gestiegen. 1895 waren von 100 im öffentlichem Dienst und den freien Berufen tätigen Juden 12, i. J. 1907 dagegen 16 weiblichen Geschlechtes. Noch sei mit einem Wort auf die Beteiligung der Juden am Lehrberuf eingegangen. Wir finden 1907 neben 2107 jüdischen Lehrern 1128 Lehrerinnen. Die überaus geringe Zahl jüdischer Lehrpersonen findet ihre Erklärung darin, daß es nur wenig jüdische Schulen gibt und dass bis zur Stunde der Antisemitismus, und zwar in seiner offiziellen Ausmünzung nirgends mehr in die Erscheinung tritt als im Schulbetrieb und in der Schulverwaltung. Ob dies nach dem Kriege besser sein wird, steht noch dahin. Daher ist der Lehrberuf den jüdischen Berufssuchenden nur im Ausnahmefall anzuraten. Im ganzen hat sich von 1882 auf 1907 die Zahl der männlichen jüdischen Erwerbstätigen um 23%, die der weiblichen um 113% erhöht. Diese Erhöhung bezieht sich auf alle Abteilungen der einzelnen Berufszweige, doch ist als ein erfreuliches Zeichen jüdischer Strebsamkeit auch innerhalb des weiblichen Geschlechts die Tatsache zu vermerken.' daß die Zunahme der weiblichen Erwerbstätigen innerhalb der gehobenen Posten vergleichsweise großer ist als in den niederen Berufsabteilungen. Als besonders kennzeichnend mag hier das starke Anwachsen des weiblichen Elements innerhalb der freien Berufe von 1421 im Jahre 1895 auf 2087 im Jahre 1907 oder um 47% hervorgehoben sein. Das war die Sachlage um 1907. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß seitdem und zwar besonders seit Kriegsbeginn eine beträchtliche Steigerung der allgemeinen weiblichen Erwerbstätigkeit eingetreten ist. Während früher die Zahl der erwerbstätigen Frauen sich auf ein Drittel aller Erwerbstätigen belief, beträgt sie heute nach

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