Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 15 (1919)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1919)
- Article
- Erwerbstätigkeit und Berufswahl der jüdischen Frau
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nach einer eigentümlichen und durch nichts zu rechtfertigenden statistischen Gepflogenheit werden zu den Erwerbstätigen auch die Rentner, Almosenempfänger, Studierenden und Schüler gewisser Klassen gezählt. Da dadurch das Bild der im eigentlichen Sinne Erwerbstätigen verwischt wird, müssen wir, um zu einwandfreien Ergebnissen zu kommen, die 36 810 Rentner, 1082 Unterstützten u. 10767 Studierenden und Schüler von den insgesamt 285996 jüdischen Erwerbstätigen des Jahres 1907 abziehen. Es verbleiben demnach noch 237337 Erwerbstätige Davon sind männlich 185978 aller männlichen Juden (im allgemeinen sind 61,1?» der Männer ais erwerbstätig ermittelt gewesen) und 78,4%' aller jüdischen Erwerbstätigen. Von den jüdischen Frauen wan n 1 J? 51-359= 18^ aller jüdischen Frauen erwc-.!>vtätig, Diese 18% repräsentieren 21,6 % der jüdischen Erwerbstätigen überhaupt. In.der Gesamtbevoikerung stellten die weiblichen Personen 30,7% und einschließlichderDienenden 34 % aller Erwerbstätigen. Von den 36810 Rentnern waren 23 825, von den Unterstützten 821, von den Studierenden 2 889 weiblichen Geschlechts. Rechnen wir die hier insgesamt zu zählenden 21124 Männlichen, wie das die amtliche Statistik tut, zu den Erwerbenden, so kommen wir auf 207102 von 282064 oder 70,3 %. In der Allgemeinbevölkerung sind bei Einschluß der Berufslosen 66,3;¥ aller Männlichen erwerbstätig. Betrachten wir die gewonnenen Ziffern im einzelnen, so kommen wir zu folgenden Ergebnissen. Die Beteiligung der Juden an der landwirtschaftlichen Arbeit ist außerordentlich gering und die Mehrzahl der Beschäftigten ist weiblichen Geschlechts. Dabei wiederholt sich die allgemein zu beobachtende Erscheinung, daß die Frauen vorwiegend in untergeordneten und unselbständigen Stellungen tätig sind, Während bei den Männern die Zahl der Selbständigen sich auf 687 — 43^ der überhaupt landwirtschaftlich tätigen Juden belief, finden wir unter den 2175 landwirtschaftlich tätigen Frauen nur 324 selbständige ~ l5%/. Bemerkenswert ist die außerordentliche Zunahme der Weiblichen seit 1895 von 1208 auf 2175 Personen. Die Gründe für die geringe Beteiligung der Juden an der landwirtschaftlichen Arbeit sind bekannt. Es wird indessen, nachdem die äußeren Gründe (Erschwerung des Landerwerbs etc.) in Wegfall gekommen sind, Aufgabe der Berufsberatung sein, die jüdischen Erwerbsuchenden mehr als bisher auf die Landwirtschaft hinzuweisen. Die Zeitlage dürfte diesem Bestreben insofern zu Hilfe kommen, als der stark gesteigerte Wert aller Bodenerzeugnisse den Latidbau zu einem gewinnbringenden und auch für die Zukunft aussichtsvolleu Erwerbszweig gemacht hat. •An der industriellen Arbeit nehmen die jüdischen Frauen mit 23,66 %7 aller hier erwerbstätigen Juden teil. Auch hier hat gegen 1895 eine Erhöhung der absoluten Zahl von 10363 auf 14906 oder um 30,5% stattgefunden, und stärker noch als bei der Landwirtschaft prägt sich das Verharren der weiblichen Berufstätigen in den untergeordneten Abteilungen der Berufszweige aus. Von den jüdischen Männern sind bei ingesamt 48 089 Berufszugehörigen 21479 44,6% Unternehmer, Betriebsleiter etc. Dagegen sind von 14906 industrielltätigen Weiblichen nur 4045 27,1 %'. der Klasse der Unternehmer und sonstigen Selbständigen zuzurechnen. 2702= 18,1 % sind Angestellte und 5263 35,3% Arbeiterinnen. Dies Verhältnis verschiebt sich noch weiter zu Ungunsten der Frauen, wenn man sich