Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Die Wohnverhältnisse der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. vor dem Kriege
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 103 (sequence 13)
- Language
- German
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— 103 — als dies gerade für die Hygiene der Pro letarierjugend erwünscht und in den entsprechenden nichtjüdischen Kreisen üblich war. Wir dürfen diese Auffassung ganz besonders auch damit unterstützen, daß der Verfasser dieser Zeilen in seiner Eigenschaft als Anstaltsarzt des Kindererholungsheims in Hofheim im Taunus (Raphael und Jeanette Ettlinger Heim) in mehreren hundert Fällen den vorzüglichen Einfluß eines mehrwöchenüichen Aufenthalts in der reinen Taunusluft bei gleichzeitiger Anwendung von Atemgymnastik gerade bei Jugendlichen und Kindern der geschilderten Art festzustehen vermochte. (Vergl. „Medizinische Klinik 1912, Seite 1191 ff: Dr. Löffler. „Zur Prophylaxe der Lungentuberkulose.") Suchen wir aus Vorstehendem einige wesentliche Ergebnisse und Lehren zu ziehen. Wir dürfen zunächst feststellen, daß der Allgemeineindruck des Wohnungs- und Wolmwesens des Fiankfurter jüdischen Proletariats kein schlechter ist. Jedenfalls nicht entfernt so ungünstig, wie es ähnliche Darstellungen von manchen unserer Großstädte (Berlin, München, Wiesbaden; schildern mußten. Andrerseits hat sich doch eine Reihe von Mißständen ergeben, auf deren Beseitigung zu dringen sein wird. Als das hervorragendste Uebel erscheint uns die ökonomische Seite der Wohnfrage, das schreiende Mißverhältnis von Mietzins zu Einkommen. Als recht unwirtschaftlich erwies sich weiterhin großenteils der Brauch, Aftermieter zu halten. Was die Wohnungen selbst anbelangt, so fanden sich erfreulicherweise nur einige wenige ganz unwürdige, deren Aufhebung entschieden gefordert werden mußte. Zu beanstanden war dagegen vielfach die Art der Ausnutzung der vorhandenen Räume. So sehr es einerseits zu begreifen ist, wenn sich die Familie tagsüber in einem andern Räume aufhält als während der Nacht, wenn sie also über ein besonderes Wohnzimmer verfügt, so muß doch beanstandet werden, wenn dies auf Kosten der Hygiene des Schlafens geschieht, wenn zu viele Menschen einen relativ zu kleinen Schlafraum benützen. Da erscheint es doch zweckmäßiger, wenn der Wohnraum wenigstens von einem Teile der Familie auch als Schlafraiim benützt wird. Aus Gründen der Hygiene des Schlafens erwies es sich auch weiterhin als recht bedenklich, daß mehr als die Hälfte der Personen unseres Untersuchungskreises kein Bett zu ihrer alleinigen Benutzung hatten. Hier Besserung zu schaffen, wird woh! allmählich unseren sozialen Vereinen gelingen. Es ist ganz selbstverständlich, daß ohne Verzug und stets aufs Neue darauf gedrungen werden muß, daß ansteckende Kranke, besonders Tuberkulöse ein eigenes Lager im besonderen Räume benützen. Die verhältnismäßig große Zahl von Tuberkulösen in unserem Personenkreise läßt es uns als Pflicht erscheinen , hierauf mit allem Nachdruck hinzuweisen.' Au den in gesundheitlicher Beziehung ja auch wichtigen Klosctverhältnissen hatten wir nur in einer Minderzahl von Fällen Aussetzungen zu machen. Daß überall auf ihre sanitäre Ausgestaltung hingearbeitet werden muß, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit Wir hatten schließlich noch ein hygienisches Bedenken zu äußern, das den vielfach mangelhaften Lüftungsmöglichkeiten in den älteren Häusern galt. Hier vermag natürlich nur eine großzügige Baupolitik Wandel zu schaffen. Im übrigen würden wir den unangenehmen Folgen dieses Uebels dadurch vorbeugen, daß wir die heranwachsende Jugend gerade aus solchen Behausungen in ihren Freistunden mehr als bisher an die freie Natur gewöhnen (Luftbad, Spiele im Freien, Waldspaziergänge), die alle Liebe, die wir ihnen