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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1916-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1916) · p. Seite 104

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
12 (1916)
Issue
Heft 7-9 (Juli 1916)
Article
Die Wohnverhältnisse der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. vor dem Kriege
Date
1916-07-01
Page
Seite 104 (sequence 14)
Language
German
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- 104 — lentgegenbringeu, vielfach vergilt. Wir ha ten schon eingangs unserer Darlegungen erwähnt, daß sich die soziale Tätigkeit der weiblichen Wohnungskommissionen keineswegs in den Erhebungen erschöpfte, die zu dieser Arbeit führten. Vielmehr wurde gleichzeitig versucht, die eben nochmals zu sammengefaßten Mißstände sofort nach Möglichkeit abzuschaffen. Dies konnte dadurch mit Erfolg bewerkstelligt werden, daß wür digen Leuten größere Beihilfen zum Mietszins verschafft wurden und man es ihnen dadurch ermöglichte, auf das Einkommen aus Aftermiete zu verzichten und dadurch ein weiteres Zimmer für den eigenen Bedarf zu gewinnen. In andern Fällen gelang es, die Ermietung einer kleinen und billigeren Wohnung durchzusetzen und die ganze wirtschaftliche Lage der Familie auf eine gesunde Grundlage zu stellen. In einer Anzahl von Fällen war es möglich, Betten zu beschaffen, wodurch insbesondere die Absonderung von Kranken sichergestellt wurde. In sehr vielen Fällen konnten gesunde und behaglichere Zustände dadurch geschaffen werden, daß man den Frauen die Mittel zur gründlichen Reinigung ihrer Wohnung durch Gewährung von Putzmaterial und einzelnen Möbeln an die Hand gab Der Krieg hat auch auf dem von uns erörtertem Gebiet vielfach umgestaltend gewirkt. Eine Anzahl der in die Arbeit einbezogenen Familien wurde der augenblicklichen Sorge um Wohnungen dadurch entzogen, daß sie als feindliche Ausländer bald nach Beginn des Weltkrieges aus Deutschland ausgewiesen oder interniert wurden. Einem andern Teil gelang es, in wirtschaftlich günstigere Verhältnisse aufzusteigen und damit zugleich auch ihre Wohnungsverhältnisse zu bessern. Wir wissen aus eigenen Beobachtungen, daß verschiedene Familien des jüdischen Proetariats, insbesondere durch Betreiben von Sackhandlungen, durch Weissnähereien den Bedürfnissen der Zeit rasch und klug entgegenzukommen wußten und sich dadurch ein recht anständiges Einkommen zu sichern verstanden. Andrerseits haben die Schrecknisse des Krieges zahlreiche Familien aus dem Mittelstand in eine wirtschaftlich tiefere Gruppe gezogen. So wird nach unserer Überzeugung die Notwendigkeit einer kräftigen Wohnungsfüsorge nach dem Kriege sicherlich keineswegs geringer, eher größer sein. Diese wird bei ihrer Politik die Wege einzuhalten haben, die sich seither schon bewährten. Im Übrigen aber, so weit die umfassenderen Fragen in Betracht kommen, wird sie mit der staatlichen und städtischen Wohnungspolitik am gleichen Strang ziehen müssen, sich an sie anzulehnen und sie zu unterstützen haben. Dies gilt insbesondere bei der unumgänglichen Aufgabe, die Zahl der Kleinwohnungen mit 2—3 Zimmern zu vermehren. Wir stehen nicht an, zu erklären, daß manche wirtschaftliche Mängel, insbesondere die durch Aftermiete geschaffeneu Auswüchse nur dann zu beheben sein werden, wenn wir die Leute mehr als bisher auf anständige billige 2 - 3 Zimmerwohnungen verweisen können. Als eine besondere Aufgabe der jüdischen Wohnungstürsorge betrachten wir noch, daß sie der erklärlichen Abneigung gegen den Umzug nach der Peripherie und dem Festhalten bei Ostend bei unserem Proletariat Rechnung trägt, indem sie wohnliche Mängel in diesem Stadtteile selbst zu beseitigen sucht, namentlich bei den zusiändigeifstädtischen Stellen auf eine Sanierung..: einiger Straßen (Kioster-Douiinikaner-Frohnhofgasse z. Bj hinarbeitet. Daß dies den gewünschten Erfolg haben wird, bezweifeln wir nicht, da ja eine ganze Reihe mit dem Bevölkerungsproblem zusammenhängender, nach dem Kriege besonders bedeutsamer Fragen in der Wohnungsfrage wurzeln und gipfeln.

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