Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Die Wohnverhältnisse der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. vor dem Kriege
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 102 (sequence 12)
- Language
- German
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— 102 - 60 °o, in einem von 30—50 %, in 7 von 20—30 in 16 von 10.....20% eintrat. In den übrigen 171 Fällen wurde die Spannung zwischen Einkommen und Mietpreis durch das Almosen nur um weniger als 10% herabgesetzt. Bei den genügsam bekannten Wechselwirkungen zwischen Wohnung und Gesundheit bezw. Krankheiten schien es uns auch angezeigt, das gesundheitliche Verhalten unseres Untersuchungskreises in das Bereich unserer Beachtung einzubeziehen. Im ganzen fanden wir nur 63 Fälle von 223 in dieser Hinsicht untersuchten Familien, bei denen die auf Krankheit bezügliche Rubrik keinen Vermerk trug; das wären also 31,8%. Unter den verzeichneten Krankheiten finden wir Tuberkulose in 34 (16,4%) Familien und bei 53 von 1096 (2,1 %) Personen; Chron. Bronchialkatarrh bei 1 Mann; Magenleiden in 5 Fällen (4 männl. und 1 weibl. Personen). Gallenleiden bei einer Frau, Herzleiden in 15 Fällen: 4 Männer, 8 Frauen, 3 Kinder, Nervenschwäche in 11 Fällen: 8 Männer und 3 Frauen, Epilepsie bei 1 Mann, Schwachsinn in 10 Fällen: bei 6 Frauen, 2 Männern, 2 Kindern, Rheumatische Erkrankungen in 11 Fällen : 7 Männer, 4 Frauen, An Zuckerkrankheit litt 1 Frau, Als schwächlich sind 40 Kinder und 22 Frauen bezeichnet. Von sonstigen Leiden (Alterschwäche, Gebrechen, Brustleiden, finden wir 8 Fälle. Von allen diesen Erkrankungen können die tuberkulösen und rheumatischen auf Schäden der Wohnung ursächlich bezogen werden. Wtr halten dies aber in unsern Fällen für durchaus unstatthaft, da wir — wie oben gezeigt wurde — uur in 4 Fällen einen Zusammenhang von Lungen-Tuberkulose der Kinder mit offener Tuberkulose ihrer im gleichen Räume wohnenden Anverwandten nachweisen konnten. Die Fälle von reumatischen Erkrankungen finden sich nachgerade nicht in den wenigen als teilweise feucht bezeichneten Wohnungen, müssen als außer Beziehung zn den Wohnverhältnissen stehend aufgefaßt werden. Unter den 40, als;„ schwächlich" bezeichneten Kinder finden sich, wie wir von der ärztlichen Behandlung dieses Bevölkerungskreises her wissen, eine Anzahl Rachitiker und es unterliegt ja heute kaum noch einem Zweifel, daß das Wohnungswesen vom Einfluß auf Entstehung dieser Erkrankung, vorwiegend des Skelettsystems ist. Ohne uns auf genaue Zahlen stützen zu können, sind wir auf Grund jahrelanger Beobachtung aber in der Lage, sagen zu können, daß eine auffällige Häufung von Rhachitis in dieser Volksgruppe nicht festzustellen ist. Dagegen haben wir, was in den Fragebogen und damit in unserer Tabelle nicht zum Ausdruck kommt, eine auffällige Häufung von blassen "muskel-schwachen Kindern mit schmalen Brustkorb und engem ersten Rippenring wahrnehmen können, die vielfach die Erscheinung schlechter Lüftung der Lungenspitzen und damit hinwiederum unzweifelhaft Anlagen zur späteren Erkrankungen der Lungen boten. Hier müssen zweifellos die Wohnungsverhältnisse als ursächlich mit herangezogen werden und zwar insofern, als die früher hervorgehobenen mangelhaften Lüftungsmöglichkeiten vieler Wohnungen, insbesondere in alten Häusern, die Zufuhr au frischer sauerstoffreicher Luft erschweren. Es kommt allerdings hinzu, daß bisher die Kinder dieser Familien seltener ins Freie und gar in die staubreine Waldluft kamens