Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Die Wohnverhältnisse der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. vor dem Kriege
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 96 (sequence 6)
- Language
- German
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- 96 - fand sich keine ganz unheizbare Wohnung. In 26 Häusern gehörten zu den untersuchten Wohnungen keine benutzbaren Nebenräume. Bei 149 Wohnungen waren Mansarden vorhanden, meist nur eine, ganz selten zwei. In 210 Wohnungen fehlte aiich der Keller nicht. Waschküchenbenutzung war nur in 68 Fällen möglich. Eine Badeeinrichtung wiesen immerhin 36 der benutzten 250 Wohnungen auL Eingehende Beachtung fanden des Weiteren die KlosetVerhältnisse in den einzelnen Haushaltungen. Ist doch der Zustand dieser sanitären Einrichtungen nicht nur für den Stand der Sozialhygiene eines Landes bezeichnend, sondern geradezu ein Wertmesser für den Kulturstand eines Landes oder einer Stadt. Um nur einen richtigen Beleg für diese Auffassung zu bringen. Der ärztliche Referent dieser Ausführungen konnte sich in Rumänien geradezu mit Entsetzen davon überzeugen, auf welcher niedrigen Kulturstufe dieses durch äußeres Blendwerk auf Vortäuschung einer höheren Kultur bedachte Volk sich befindet und dieses gerade dadurch bekundet, daß es eine schier unglaubliche Gleichgültigkeit gerade der Latrinenfrage gegenüber an den Tag legt. Nicht nur fehlen auf dem platten Lande jegliche Vorkehrungen, um diemenschliche Entleerung unschädlich zu machen oder auch nur zu verdecken, sondern auch in den größeren Häusern der Hauptstadt, in vielen ihrer großen Hotels sind die entsprechenden Einrichtungen, wenn überhaupt vorhanden, geradezu ekelerregend. Aeußerer Eindruck, Lage und Ausnützung der Klosets sind nun freilich bei der von uns untersuchten ärmeren Volksgruppe noch keineswegs ideal. Aber nur in 5 Fällen j mußte bemängelt werden, daß nur ein Kloj set für das ganze Haus vorhanden war. In i dieses einzige Kloset teilten sich jeweils | 6—8 Parteien. Mißlich war dabei besonders der Umstand, daß das Kloset im Hofe lag. In 3 Fällen mußten die Familien mit 3 andern Parteien das Kloset teilen, in 8 mit zwei und in 4 mit einer. 180 Familien von 250 hatten also doch das Kloset in der Wohnung, in 52 Fällen auf der halben Treppe und in 9 Fällen auf dem Hofe. 3 mal mußte Dunkelheit dieser Räume beanstandet werden und damit schlechte Lüftungsmöglichkeit« Wasserhahn in der eigenen Wohnung fehlte nur in 9 Fällen. In einem dieser Fälle stand für das ganze Haus nur ein Leitungshahn zur Verfügung. Hatten wir bei unseren seitherigen Ausführungen nur die Wohnungen im Auge, so gilt das Folgende den Bewohnern selbst hinsichtlich ihrer gesundheitlichen und wirtschaftlichen Lage. 1096 Personen bilden den von uns untersuchten Menschenkreis, wobei Aftermieter nicht einbezogen sind und die Personen, die in der Beobachtungszeit mehrere Wohnungen inne hatten, nur einmal zählten. Diese 1096 Personen setzten sich zusammen aus 589 Erwachsenen und 509 Kindern, wobei unter „Kinder" unmündige, nicht verdienende Mitglieder des Hausstandes von meistens weniger als 14 Jahren zu verstehen sind. Die Verteilung der Kinder auf die Familien war folgende: Von 205 Familien wiesen auf 38 Familien je 1 Kind, 44 „ „ 2 Kinder, 37 „ „ 3 28 „ 4 21 » „ 5 6 „ „ 6 2 „ „ 7 1 ,8 In 28 Haushaltungen fehlten die Kinder,