Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 12 (1916)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1916)
- Article
- Die Wohnverhältnisse der minderbemittelten jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. vor dem Kriege
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
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- 94 - Bei 40 Wohnungen fehlte der Abschluß gegen die Treppe durch einen Vorplatz. In den innerhalb eines Vorraums oder längs eines Flurs gelegenen Räumen wohnten 21 mal mehr als eine Partei und zwar 16 mal 2, 4 mal 3 und 1 mal sogar 6 Parteien. Die Zahl der Räume incl. Küche betrug in den untersuchten 250 Fällen: 9 mal 1 Zimmer, das zugleich Küche war, 10 mal 1 Zimmer und eine Küche, 62 mal 2 Zimmer mit Küche, 105 mal 3 Zimmer, 50 mal 4 Zimmer, 12 mal 5 und 2 mal 6 Zimmer. Es hatten also zusammen 169 Familien mehr als 3 Zimmer, während ein Drittel 1—2 Zimmer bewohnten. Die Möglichkeit zur Belichtung durch Fenster war im allgemeinen im Verhältnis zu den bewohnten Räumen günstig, da in den älteren Häusern relativ zahlreiche aber kleine Fenster zum Baustil gehören. Das völlige Fehlen von Fenstern ist verzeichnet 2 mal bei Räumen, die als Schlafzimmer benutzt wurden und 3 mal in Küchen. Mit Bezug auf den Helligkeitsgrad, mit dem naturgemäß auch die Ergiebigkeit zur Lüftung zusammenhängt, ist 7 mal bei Küchen und 6 mal bei Zimmern dunkel resp. hell vermerkt. Bei dieser Angabe ist allerdings das subjektive Moment stark in Rechnung zu stellen, da der Helligkeitseindruck von Tageszeit und Witterung abhängt, bei denen der Besuch stattfand. Besondere Küchen, also Räume, die nur zum Kochen benutzt wurden, fehlten in 18 Fällen, wovon 4 Mansardenwohnungen waren. In 2 dieser Fälle standen in der Küche Kinderbetten, in 3 andern Fällen fehlten der Wohnung jegliche andern Räume, sodaß die Küche sowohl zum Kochen als auch zum Wohnen und Schlafen benutzt wurde. Wir müssen freilich dahingestellt sein lassen, ob nicht öfter ein Raum als Küche bezeichnet wurde, der eigentlich als Wohnküche dienen konnte, d. h. ein Wohnzimmer mit Kochofen. 81 Familien von 250 besaßen einen besonderen Raum als Wohnzimmer. Freilich wurde dieser 8 mal in der Nacht als Schlafraum für eine Person benutzt, wobei 5 mal nur für die Nacht auf einem Sofa oder Klappbett das Lager bereitet wurde. Besonders bezeichnend für die Neigung dieser Kreise, ein Wohnzimmer zu reservieren, erscheint uns die in einem Fall bemerkte Tatsache, daß die Familie in ihrer zweizimmrigen Wohnung (ohne die Küche) das eine als Wohnzimmer hielt, für ihre 6 Personen aber nur ein Zimmer zum Schlafen benutzte. Der bauliche Zustand der Wohnungen machte 17mai Beanstandungen notwendig^.h. in 15 %, 5 mal war je 1 Zimmer feucht, 1 mal die ganze Wohnung; in 2 Fällen finden wir den Vermerk „menschenunwürdig", wozu einmal Feuchtigkeit und dazu Dunkelheit der Wohnung, das andere Mal die Verwahrlosung der Räume und die besonders üblen Klosetverhältnisse Veranlassung boten. In den übrigen 9 Fällen finden wir wegen Verwahrlosung die Bezeichnung „schlecht" unter der Rubrik „baulicher Zustand". Was die Inneneinrichtung der besichtigten Wohnungen anbelangt, so finden sich in unseren Aufzeichnungen je nach dem allgemeinen Eindrucke, den die Wohnungen nach Sauberkeit und Mobiliar machten, die unterschiedlichsten Bemerkungen. Von schlecht und unordentlich (in ganz vereinzelten Fällen) über ärmlich aber sauber, zu mittelmäßig, gut und behaglich. Da hierbei ganz besonders das Subjektive des Einzelbeobachters in Erscheinung treten muß, so beschränkten wir genauere Feststellung hinsichtlich der Inneneinrichtnng auf die Schlafgelegenheiten, deren besondere Beachtung aus ihrer hygienischen und ethischen Bedeutung erhellt.